SAP-Chef sieht historische Wachstumschance durch KI-Produkte
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 03:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSAP-Chef Christian Klein sieht in neuen KI-Produkten eine historische Chance für deutlich stärkeres Wachstum des Softwarekonzerns.
KI soll SAP neuen Wachstumsschub geben
„Für SAP eröffnet sich gerade die größte Chance für einen weiteren wirklichen Schub“, sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Investoren erwarteten eine Beschleunigung des Umsatzwachstums. Die Chance, dass SAP noch einmal über sich hinauswachse, sei nie größer gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende.
SAP wolle dabei seine Software zur Unternehmenssteuerung, sein Industriewissen und die große Menge an Unternehmensdaten verbinden. Daraus solle ein „einzigartiger Vorteil“ gegenüber Anbietern entstehen, die vor allem allgemeine Sprachmodelle bereitstellten.
Autonomes Unternehmen als Ziel
Klein ist seit 1999 bei SAP und führt den Konzern seit 2019. Nach der in den vergangenen Jahren vorangetriebenen Verlagerung des Geschäfts in die Cloud richtet er SAP nun stark auf neue KI-Angebote aus.
Auf einer Kundenkonferenz in den USA hatte SAP Mitte Mai das Konzept des „autonomen Unternehmens“ vorgestellt. Eine einheitliche KI-Plattform soll Geschäftsabläufe optimieren. SAP-Agenten sollen nach Kleins Worten in Prozesse, Daten und die Unternehmenssteuerung eingebunden werden, Ergebnisse liefern und Kosten senken.
Breiter Durchbruch in Unternehmen erwartet
Auch ohne KI-Agenten wäre SAP mit der Weiterentwicklung seiner Software und Anwendungen gut vorangekommen, sagte Klein. Agenten gäben Kunden und damit auch SAP jedoch einen deutlich größeren Hebel. In der Unternehmenswelt stehe künstliche Intelligenz kurz vor dem breiten Durchbruch.
Nun müsse SAP die Stärken seiner Plattform im großen Maßstab bei Kunden unter Beweis stellen. Klein sagte, der Konzern sehe große Fortschritte und sei überzeugt, dass SAP-Agenten am Ende bessere Ergebnisse lieferten. Eine ausschließliche Abhängigkeit von den großen Sprachmodellen bekannter KI-Unternehmen hätte SAP aus seiner Sicht austauschbar gemacht.
Mensch bleibt in kritischen Bereichen verantwortlich
Die SAP-Agenten erzielten nach Kleins Darstellung bereits enorme Produktivitätsgewinne. Kunden würden den Systemen schrittweise mehr Verantwortung übertragen. In kritischen Unternehmensbereichen werde ein KI-Agent aber auch künftig nicht vollständig autonom arbeiten; am Ende trage immer ein Mensch die Verantwortung.
SAP gehört zu den wertvollsten Unternehmen im Dax. Der Konzernumsatz stieg 2025 dank des starken Wachstums bei Cloudsoftware um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei 7,5 Milliarden Euro.
Vom Cloud-Umbau zum KI-Geschäft
SAP hat sein Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren stark in Richtung Cloudsoftware verschoben. Dieser Umbau bildet die Grundlage dafür, KI nicht nur als Zusatzfunktion, sondern als Bestandteil zentraler Unternehmensprozesse anzubieten. Die im Jahr 2025 erzielten Erlöse von 36,8 Milliarden Euro zeigen die Größenordnung, in der sich eine erfolgreiche Vermarktung neuer KI-Angebote auswirken könnte.
Der entscheidende Unterschied zu allgemeinen Chatbots liegt in der Einbindung in betriebliche Abläufe. SAP verfügt über Software für Finanzwesen, Personal, Einkauf und Lieferketten sowie über branchenspezifische Daten. Dadurch könnten KI-Agenten Aufgaben nicht nur beantworten, sondern innerhalb festgelegter Prozesse ausführen. Für Kunden wären mögliche Produktivitätsgewinne allerdings davon abhängig, wie zuverlässig die Systeme arbeiten und wie gut Unternehmen ihre Daten organisieren.
Wachstum mit Kontrollbedarf
Für SAP eröffnet das Agentengeschäft zugleich Chancen und Risiken. Der Konzern kann zusätzliche Funktionen verkaufen und bestehende Cloudprodukte aufwerten. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und die klare Zuordnung von Verantwortung. Besonders in Bereichen wie Finanzen oder Personal bleiben menschliche Kontrollentscheidungen deshalb von zentraler Bedeutung.
Die strategische Herausforderung besteht darin, den angekündigten Nutzen im breiten Kundeneinsatz nachzuweisen. Investoren erwarten von SAP eine Beschleunigung des Wachstums; dafür müssen aus Pilotprojekten wiederholbare Anwendungen mit messbaren Einsparungen werden. Der Wettbewerb beschränkt sich zudem nicht auf klassische Softwareanbieter, sondern umfasst auch Entwickler allgemeiner KI-Modelle.
