Sachsen-Anhalt, Arbeitslosenquote

Sachsen-Anhalt: Arbeitslosenquote 8,2%, Einkommen 21% unter Bund

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wirtschaftsvertreter warnen nach dem AfD-Erfolg vor weniger Investitionen und Fachkräften. Sachsen-Anhalt kämpft bereits mit strukturellen Nachteilen.

AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt alarmiert die deutsche Wirtschaft
Weite Ansicht eines modernen, menschenleeren Industrieparks bei Dämmerung mit großen Fabrikhallen vor einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Nach dem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt äußern führende Wirtschaftsvertreter und Ökonomen deutliche Bedenken hinsichtlich der künftigen Standortattraktivität. Arbeitgeberpräsident Rainer Kampeter warnte, dass ein Klima der Abschottung eine schwere Belastung für die wirtschaftliche Entwicklung darstelle und als Gift für den Standort zu betrachten sei.

Ähnlich äußerte sich die Chefin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner. Sie forderte als Konsequenz aus dem Wahlergebnis eine umfassende Reformagenda, um Investitionen und das wirtschaftliche Wachstum wieder zu stärken.

Wirtschaftsweise und Institute warnen vor Fachkräftemangel

Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, wies auf die drohenden negativen Folgen einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt hin. Ein solches politisches Umfeld mache das Bundesland für Fachkräfte sowie Unternehmen unattraktiv. Schnitzer betonte, dass ohne kontinuierlichen Zuzug von Arbeitskräften bald Personal fehlen werde und notwendige Investitionen ausblieben.

Diese Einschätzung wird durch aktuelle demografische Prognosen gestützt. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), mahnte an, dass die Erwerbsbevölkerung bis zum Jahr 2045 ohne Zuwanderung um 25 Prozent sinken werde. Das ifo-Institut erwartet zudem einen Rückgang des allgemeinen Erwerbstätigenpotenzials um 9 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Reint Gropp, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), ergänzte, dass im Falle einer AfD-Regierung tausende Stellen unbesetzt bleiben könnten, was letztlich den allgemeinen Wohlstand senke.

Industrievertreter und Banken kritisieren politische Agenda

Deutliche Kritik kam auch aus der Führungsebene großer Industrieunternehmen. Christian Bruch, CEO von Siemens Energy, bezeichnete das Programm der AfD als eine dramatisch falsche Botschaft, die dem Wirtschaftsstandort Deutschland schade. Er warnte insbesondere vor Einbußen im Export sowie dem Verlust von Fachkräften und Investitionen. Zudem bewertete Bruch die von der Partei geforderte Rückkehr zu Kohle- und Atomenergie als nicht sinnvoll.

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Auch im Finanzsektor ist die Besorgnis groß. Sowohl Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, als auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel sprachen Warnungen im Zusammenhang mit dem politischen Erstarken der AfD aus.

Sven Müller, Vize-Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände (VU) Mecklenburg-Vorpommern, bezeichnete das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt als schweren Rückschlag für Wirtschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Müller äußerte zudem die Sorge, dass die für in zwei Wochen geplante Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zu einem ähnlichen Resultat führen könnte, was Weltoffenheit und Arbeitsplätze gefährde.

Strukturdaten verdeutlichen wirtschaftliche Herausforderungen

Das Wahlergebnis trifft Sachsen-Anhalt in einer Phase, in der das Bundesland bereits mit strukturellen Nachteilen gegenüber dem Bundesdurchschnitt kämpft. Im August 2026 lag die Arbeitslosenquote in Sachsen-Anhalt bei 8,2 Prozent, während sie im Bund bei 6,5 Prozent notierte.

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Bis 2045 könnte die Erwerbsbevölkerung ohne Zuwanderung um 25 Prozent sinken – das ifo-Institut erwartet einen Rückgang des Potenzials um 9 Prozent in zehn Jahren. Jetzt ist die Zeit, um mit einem Plan gegen den Fachkräftemangel vorzugehen. Fachkräftesicherung jetzt starten

Auch bei den Einkommen bestehen deutliche Differenzen: Im Jahr 2025 betrug der Bruttojahresverdienst für Vollzeitbeschäftigte in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 51.937 Euro, im Vergleich zu 65.441 Euro im bundesweiten Durchschnitt.

Trotz dieser Rahmenbedingungen gab es in der jüngeren Vergangenheit bedeutende Ansiedlungen. So investierte Daimler Truck im Sommer 2025 rund 500 Mio. Euro in ein neues Logistik-Zentrum in Halberstadt. Experten befürchten nun, dass solche Großinvestitionen durch die veränderte politische Lage künftig seltener werden könnten.

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