Russland-Handel: Deutschland importiert 96,4 Prozent weniger
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 08:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVerflechtungen verlieren an Umfang
- Im ersten Halbjahr 2026 importierte Deutschland Waren im Wert von 0,5 Milliarden Euro aus Russland.
- Deutsche Unternehmen exportierten im selben Zeitraum Waren für 3,4 Milliarden Euro nach Russland.
- 2024 kontrollierten russische Muttergesellschaften noch 76 Unternehmen in Deutschland.
Deutschland hält begrenzte Russland-Beziehungen aufrecht
Der Handel zwischen Deutschland und Russland ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs stark geschrumpft, doch einzelne wirtschaftliche und gesellschaftliche Verbindungen bestehen fort. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei den Importen, beim Unternehmensgeschäft, im Flugverkehr und bei der Zuwanderung.
Im ersten Halbjahr 2026 führten deutsche Firmen Waren im Wert von 0,5 Milliarden Euro aus Russland ein. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 entspricht das einem Rückgang um 96,4 Prozent; damals hatte der Importwert noch 15 Milliarden Euro betragen.
Exporte konzentrieren sich auf wenige Bereiche
Nach Russland exportierten deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 noch Waren im Gesamtwert von 3,4 Milliarden Euro. Das entsprach rund einem Viertel des Volumens aus dem Vergleichszeitraum 2021.
Pharmazeutische Erzeugnisse machten 42,4 Prozent der deutschen Exporte aus. Daneben wurden weiterhin Maschinen sowie Nahrungs- und Futtermittel in geringerem Umfang ausgeführt.
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Unternehmen ziehen sich zurück
Auch die Firmenverflechtungen haben deutlich abgenommen. 2024 zählte das Statistische Bundesamt 76 Unternehmen in Deutschland, die von russischen Muttergesellschaften kontrolliert wurden. Sie standen für einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro; 2021 waren es noch 229 Unternehmen mit 25,4 Milliarden Euro Erlös.
Die Zahl deutscher Unternehmen in Russland sank nach Angaben der Bundesbank bis 2024 auf 290. Diese Firmen erzielten dort einen Jahresumsatz von rund 13 Milliarden Euro. Drei Jahre zuvor waren noch 481 Unternehmen mit 38 Milliarden Euro Umsatz aktiv.
Flugverkehr und Zuwanderung gehen zurück
Nach dem Verbot von Direktflügen infolge der EU-Sanktionen fiel die Zahl der Fluggäste mit russischem Ziel an deutschen Flughäfen nahezu auf null. Im ersten Halbjahr 2019 waren es rund 1,0 Millionen Passagiere gewesen, im ersten Halbjahr 2026 wurden noch 39.900 gezählt.
Die verbliebenen Reisenden mussten über Drittstaaten wie die Türkei umsteigen. Auch die Wanderungsbewegung veränderte sich: Im ersten Halbjahr 2026 zogen rund 4.400 russische Bürger aus Deutschland weg, während 3.800 zuzogen.
Weniger russische Studierende
Zu Beginn des Krieges im Jahr 2022 waren noch 12.700 Zuzüge und 3.400 Fortzüge registriert worden. An deutschen Universitäten hat sich die Zahl russischer Studierender gegenüber dem Höchststand von 2014 nahezu halbiert und liegt nun bei 1.700.
Die wirtschaftliche Entflechtung zwischen Deutschland und Russland ist eine direkte Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine und der darauf verhängten EU-Sanktionen. Besonders stark betroffen ist der Energiesektor: Mit dem weitgehenden Ausfall russischer Öl- und Gaslieferungen brach der frühere Schwerpunkt der bilateralen Handelsbeziehungen weg.
Die aktuellen Zahlen zeigen deshalb weniger einen vollständigen Abbruch als eine grundlegende Verschiebung. Der Handel konzentriert sich auf einzelne Warengruppen, während Investitionen, Unternehmensverflechtungen und Reiseverkehr deutlich zurückgegangen sind. Dass pharmazeutische Erzeugnisse bei den deutschen Exporten noch einen großen Anteil ausmachen, verweist auf verbleibende Lieferbeziehungen außerhalb des früheren Energie- und Maschinenhandels.
Energie bleibt politischer Streitpunkt
Die Frage möglicher Gaslieferungen aus Russland wird in Deutschland weiterhin politisch diskutiert. Dabei geht es nicht nur um Preise, sondern auch um Sanktionsrecht, Versorgungssicherheit und die strategische Abhängigkeit von einem Staat, der den Krieg gegen die Ukraine führt. Eine Rückkehr zu den früheren Wirtschaftsbeziehungen würde daher politische Entscheidungen über die Sanktionen und eine Neubewertung der Risiken voraussetzen.
Für Unternehmen bedeutet die Entwicklung dauerhaft höhere Anforderungen an Lieferketten, Zahlungswege und Compliance. Für Verbraucher ist der direkte Effekt im Alltag begrenzt, weil der bilaterale Energiehandel fast verschwunden ist; indirekt wirken sich die veränderten Beschaffungswege jedoch weiterhin auf Energiepreise und industrielle Kosten aus. Die verbliebenen Geschäftsbeziehungen stehen damit unter einem deutlich engeren politischen und rechtlichen Rahmen.

