Russland-Geschäft: 100 Milliarden Euro deutsche Vermögenswerte gefährdet
31.05.2026 - 20:04:41 | boerse-global.de
Vom 3. bis 6. Juni findet das St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) statt – erstmals wieder mit offizieller deutscher Beteiligung seit Beginn des Ukraine-Konflikts. Das Signal ist klar: Die Wirtschaft sucht den Dialog, auch wenn die Politik auf Distanz bleibt.
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Matthias Schepp, Chef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), formuliert das Ziel der Reise unmissverständlich: „Wir müssen die wirtschaftlichen Brücken erhalten." Im Fokus steht der Schutz deutscher Vermögenswerte in Russland – sie werden auf über 100 Milliarden Euro geschätzt.
Schepp warnt davor, den russischen Markt komplett den asiatischen Wettbewerbern zu überlassen. Rund 1.600 deutsche Unternehmen sind noch aktiv, ihr gemeinsamer Umsatz lag 2025 bei etwa 20 Milliarden Euro. Mit dabei sind unter anderem Stefan Dürr (EkoNiva) und Thomas Bruch (Globus).
China drängt, Westen zieht sich zurück
Die Handelszahlen zeigen einen dramatischen Wandel. Lag das deutsche Handelsvolumen 2012 noch bei 80 Milliarden Euro und 2021 bei knapp 60 Milliarden, sind es 2025 weniger als zehn Milliarden Euro. Ein massiver Einbruch.
Ganz anders die Entwicklung bei anderen Nationen: US-amerikanische und französische Unternehmen sind seit 2025 wieder regelmäßig auf dem Forum vertreten. Vor allem aber China beschleunigt sein Engagement – allein im ersten Quartal 2026 haben sich 1.400 neue chinesische Firmen in Russland niedergelassen. Die Deutschen zählen derzeit zu den größten Delegationen aus Ländern, die Moskau als „unfreundlich" einstuft.
Zwischen Sanktionen und Geschäftszufriedenheit
Eine aktuelle AHK-Umfrage unter 265 Teilnehmern zeichnet ein widersprüchliches Bild. 75 Prozent der befragten Unternehmen zeigen sich mit ihrem Russland-Geschäft zufrieden. Gleichzeitig sehen zwei Drittel eine starke bis sehr starke Wirkung der Sanktionen auf die russische Wirtschaft.
Doch die Stimmung kippt, wenn es um die Folgen für Deutschland geht: Mehr als ein Drittel glaubt, die Sanktionen schadeten der deutschen Wirtschaft mehr als der russischen. Über die Hälfte sieht die Schäden als gleich groß an. Besonders deutlich wird die Haltung beim Thema Energie: 65 Prozent befürworten eine sofortige Wiederaufnahme von Gas- und Ölimporten aus Russland. Weitere 31 Prozent wären dafür – aber erst nach einer Waffenruhe.
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Auch Politiker reisen an
Neben den Wirtschaftsvertretern haben mehrere AfD-Politiker ihre Teilnahme angekündigt, darunter Jörg Urban, Steffen Kotré, Petr Bystron, Markus Frohnmaier und Matthias Moosdorf.
Ein Kulturprogramm mit Dirigent Justus Frantz sowie Holger Friedrich und Hubert Seipel rundet das Forum ab. Die Einladung an die deutsche Delegation erfolgte über einen Kreml-Berater – mit dem erklärten Ziel, die bilateralen Beziehungen zu stärken. Gastgeber des Forums ist die russische Präsidialverwaltung.
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