Rüstungsindustrie im Visier: Fünf Geheimdienste warnen vor Anschlagsplänen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach eindringlichen Warnungen der Sicherheitsbehörden vor russischen Sabotageaktionen dringt die deutsche Industrie auf eine spürbare Erhöhung der Abwehrbereitschaft.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verlangt umfassende Maßnahmen, um kritische Betriebsabläufe wirksamer abzusichern. Der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch betonte, dass die Bedrohungslage anhalte und die Angriffsmethoden zunehmend vielfältiger würden.
BDI mahnt Lücken bei der praktischen Krisenabwehr an
Nach Einschätzung des BDI stehen Unternehmen, kritische Infrastrukturen sowie verteidigungsrelevante Lieferketten bereits im Fokus russischer Aktivitäten. Da die Industrie für die Verteidigung, funktionierende Lieferketten und die Handlungsfähigkeit des Staates essenziell sei, gerieten Betriebe keineswegs zufällig ins Visier.
Lösch bezeichnete die Einfluss- und Sabotageaktivitäten als reales Szenario und forderte, den Schutz der Wirtschaft zum Eckpfeiler der nationalen Sicherheit zu machen und politisch zu priorisieren.
Als größte Schutzlücke benannte der Verband den Übergang von behördlichen Warnungen zu konkreten Schutzmaßnahmen. Derzeit fehlten eingespielte Verfahren für schnelle Gegenmaßnahmen sowie ein ausreichend enger Austausch zwischen staatlichen Stellen und der Wirtschaft. Der Verband rechnet künftig mit neuen Angriffsmethoden gegen Zulieferer, Unternehmen und Netze.
Geheimdienste verweisen auf Anschlagsversuche und Attentatspläne
Den Hintergrund des BDI-Vorstoßes bildet eine Warnung des Bundesnachrichtendienstes (BND) aus der Vorwoche. BND-Präsident Martin Jäger hatte in einer parlamentärischen Anhörung auf einen Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle verwiesen und vor der Gefahr eines gewaltsamen Konflikts mit Russland gewarnt.
Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen und die Chefin des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Martina Rosenberg, wiesen ebenfalls auf russische Sabotage- und Tötungsoperationen hin.
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Selen berichtete vor Abgeordneten von einer gezielten Gewaltplanung gegen Einzelpersonen durch staatliche oder staatlich gelenkte Akteure, wobei zunehmend Strukturen der organisierten Kriminalität eingebunden würden.
Geheimdienstvertreter aus fünf europäischen Staaten bestätigten, dass Russland Anschlagspläne gegen Führungskräfte europäischer Verteidigungsunternehmen intensiviert habe. Im Fokus stünden Vorstände und leitende Angestellte, insbesondere von kleineren Drohnenherstellern.
Nach Geheimdienstangaben steuert weitgehend der Militärgeheimdienst GRU diese Operationen über grenzüberschreitende Agentennetzwerke und aufgeteilte Zellen. Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter forderte vor diesem Hintergrund umfassenden Schutz für Rüstungsmanager und eine Begrenzung der Bewegungsfreiheit russischer Diplomaten.
Wachsende Sicherheitsaufwendungen in Unternehmen und Infrastruktur
In den vergangenen sechs Monaten haben Führungskräfte europäischer Rüstungsunternehmen ihren Personenschutz auf Anraten von Sicherheitsdiensten bereits spürbar verstärkt. Ein Manager verlegte infolge russischer Drohungen einen Produktionsstandort nach Westeuropa.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger steht bereits seit Anfang 2024 rund um die Uhr unter Polizeischutz und privater Bewachung, nachdem US-amerikanische und deutsche Stellen ein russisches Komplott aufgedeckt hatten.
Im August 2026 waren zudem in Schweden zwei russische Urlauber vorübergehend festgenommen worden, nachdem sie ein Zelt nahe dem Grundstück von Saab-Chef Micael Johansson aufgeschlagen hatten.
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Zugleich verzeichnen Sicherheitsverantwortliche hybride Aktivitäten jenseits der Rüstungsindustrie. Brigadegeneral Rainer Simon berichtete von täglichen Drohnensichtungen über Häfen, Energieanlagen, militärischen Einrichtungen und Betrieben und warnte auch vor Verwundbarkeiten in Sektoren wie der Lebensmittelversorgung. Am Beispiel der Molkerei Andechs verwies er auf existenzielle Risiken durch Stromausfälle.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann plant angesichts von Angriffen auf Stromnetze und Umspannwerke rechtliche Neuerungen, um Betreibern kritischer Infrastrukturen wie der PCK Raffinerie GmbH in Schwedt künftig den Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung im Umfeld sowie eigene Drohnenabwehrsysteme zu erlauben.
Auf Bundesebene hatte die Regierung im Frühjahr eine nationale Wirtschaftsschutzstrategie beschlossen. Zudem greifen seit dem 11. September 2026 neue Pflichten unter dem Cyber Resilience Act, die Hersteller zur Meldung aktiv ausgenutzter Schwachstellen binnen 24 Stunden über die europäische Meldeplattform verpflichten.
