Rücklagen: 42,6 Prozent zahlen Lebenshaltung aus Ersparnissen
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzielle Puffer reichen oft nicht
- 42,6 Prozent der 2.117 Befragten greifen für ihre Lebenshaltungskosten auf Ersparnisse zurück.
- 13,8 Prozent geben an, keinerlei Rücklagen zu besitzen.
- Bei Haushalten mit höchstens 2.500 Euro Monatseinkommen können 21,4 Prozent die laufenden Kosten aus Rücklagen decken.
Viele Haushalte greifen auf Ersparnisse zurück
Viele Menschen in Deutschland müssen wegen gestiegener Preise für alltägliche Notwendigkeiten auf ihre Ersparnisse zurückgreifen. 42,6 Prozent von 2.117 Befragten erklärten in einer YouGov-Umfrage für die Postbank, sie nutzten Rücklagen, um ihre Lebenshaltungskosten zu bezahlen.
Jeder siebte Befragte ohne Rücklagen
13,8 Prozent verfügen nach eigenen Angaben über keinerlei Ersparnisse. Insgesamt sagen 15,2 Prozent, dass sie wegen der gestiegenen Preise kaum noch ihre Lebenshaltungskosten bezahlen können; bei der Vergleichsumfrage im März waren es 12,8 Prozent.
Niedrige Einkommen besonders belastet
Hohe Energiepreise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher seit Monaten. Besonders angespannt ist die Lage bei Haushalten mit höchstens 2.500 Euro Monatseinkommen: Nur 21,4 Prozent können ihre laufenden Kosten nach eigenen Angaben mit Rücklagen decken.
Viele können kein ausreichendes Polster bilden
Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, zu der die Postbank gehört, erklärte, gestiegene Reallöhne und eine durchschnittlich erholte Kaufkraft bedeuteten nicht für alle Haushalte eine Entspannung. Viele Menschen hätten das Sparen nicht aufgegeben, könnten aber schwieriger substanzielle Rücklagen aufbauen.
66,8 Prozent der Befragten haben das Gefühl, nicht ausreichend Rücklagen bilden zu können. 28 Prozent halten ihre Sparleistung für ausreichend, um auch für unvorhersehbare Ausgaben gewappnet zu sein.
Altersvorsorge bleibt wichtigstes Sparziel
Wer sparen kann, legt Geld vor allem für die Altersvorsorge zurück oder will ein finanzielles Polster für Krisenzeiten schaffen. Die Daten wurden vom 2. bis 5. Oktober erhoben.
Die Umfrage beschreibt eine finanzielle Schieflage, die durch Durchschnittswerte zur Sparquote leicht verdeckt werden kann. Dass Deutschland insgesamt viel spart, bedeutet nicht, dass alle Haushalte gleichermaßen über frei verfügbares Geld verfügen. Einkommen, Wohnkosten, Energiepreise und die Zahl der im Haushalt lebenden Menschen bestimmen maßgeblich, ob am Monatsende ein Puffer bleibt.
Durchschnittswerte verdecken Unterschiede
Für Haushalte mit niedrigem Einkommen wirken Preissteigerungen unmittelbar auf die laufenden Ausgaben. Wenn Rücklagen zur Finanzierung von Lebensmitteln, Energie oder Miete eingesetzt werden, sinkt zugleich die Fähigkeit, unerwartete Rechnungen oder Einkommensausfälle abzufedern. Ein einmaliger finanzieller Engpass kann dadurch schneller zu dauerhaften Zahlungsschwierigkeiten führen.
Die aktuellen Befunde passen zu einem breiteren Muster: Auch andere Erhebungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung nur wenige Monate ohne regelmäßige Einnahmen auskommen könnte. Solche Umfragen messen allerdings Selbsteinschätzungen und sind deshalb nicht mit einer vollständigen Vermögensbilanz gleichzusetzen.
Was die Zahlen für Haushalte bedeuten
Für Betroffene steigt die Bedeutung kurzfristig verfügbarer Rücklagen. Gleichzeitig konkurriert der Aufbau eines Notgroschens mit Altersvorsorge, Miete, Energie- und Konsumausgaben. Besonders angespannt bleibt die Lage dort, wo das Einkommen kaum Spielraum lässt und Preissteigerungen nicht durch Einsparungen aufgefangen werden können.
Die Entwicklung ist deshalb nicht nur eine private Sparfrage. Sie berührt auch die Widerstandsfähigkeit der Haushalte gegenüber weiteren Preisbewegungen, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder größeren Reparaturen. Entscheidend wird sein, ob steigende Einkommen die höheren laufenden Kosten dauerhaft übertreffen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag beschreibt eine weitere Befragung zu finanziellen Reserven und hebt hervor, dass viele Erwachsene bei einem vollständigen Einkommensausfall nur wenige Monate überbrücken könnten. Anders als die dpa-Meldung richtet sich der Schwerpunkt auf die Dauer der Absicherung und auf unerwartete Ausgaben.
Der Artikel ordnet die Belastung einkommensschwacher Haushalte einem hohen gesamtdeutschen Sparniveau gegenüber. Er betont damit stärker den Unterschied zwischen statistischem Durchschnitt und individueller finanzieller Lage.
Beide Beiträge stützen den Befund begrenzter Rücklagen in Teilen der Bevölkerung, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: einmal auf die Überbrückungsdauer, einmal auf die Lücke zwischen Sparquote und Haushaltsrealität.
