Rohstoffkrise: China-Exporte brechen ein, Wolfram verteuert sich 557%
11.06.2026 - 23:47:14 | boerse-global.de
Industrieverbände und die Europäische Handelskammer in China warnen vor massiven Risiken für die Versorgungssicherheit bei kritischen Hightech- und Rüstungsmaterialien. Peking hat in den vergangenen Jahren die Exportgenehmigungspflichten für strategische Rohstoffe immer weiter ausgeweitet.
Massive Einbrüche bei Schlüsselrohstoffen
Besonders hart trifft es die Märkte für Gallium und Germanium. Nachdem China im Sommer 2023 Genehmigungspflichten einführte, brachen die Ausfuhren von Germanium im April 2025 um 93 Prozent zum Vormonat ein. Germanium ist für Infrarotoptiken und Glasfaserkabel unverzichtbar, Gallium steckt in praktisch jeder Halbleiterproduktion.
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Ende 2024 legte Peking nach: Ein Exportverbot für Gallium, Germanium und Antimon in die USA trat in Kraft. Seit Frühjahr 2025 benötigen auch sieben Seltene Erden und Permanentmagnete eine Ausfuhrlizenz. Die sind für Elektroautos und Windkraftanlagen essenziell. Da China nach Schätzungen über 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung Seltener Erden kontrolliert, drohen europäischen Werken Fertigungsstopps.
Die Preise explodieren bereits: Wolfram verteuerte sich bis 2026 um 557 Prozent.
Topmanager fordern Krisenstrategie
Eine Umfrage des BDI und des Instituts für Demoskopie Allensbach unter 154 Unternehmen zeigt die Alarmstimmung. Mehr als die Hälfte der Entscheider sieht große bis sehr große Risiken durch Lieferengpässe bei Rohstoffen. BDI-Präsident Peter Leibinger betont: Viele Firmen hätten ihre Verwundbarkeit zwar reduziert, über 80 Prozent schätzen ihre Resilienz als hoch ein. Doch gegen geopolitische Bedrohungen wie blockierte Transportwege seien sie machtlos.
Leibinger fordert von der Bundespolitik eine Gesamtstrategie – nach japanischem Vorbild. Dort erstellt die Regierung Lagebilder und koordiniert Krisenstäbe. In Deutschland fehlen solche Frühwarnsysteme. Die DIHK schlägt zudem eine Nullzollregelung für kritische Rohstoffe im Rahmen einer EU-US-Partnerschaft vor.
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Industrie stellt sich neu auf
Großkonzerne wie BMW, Mercedes-Benz, Siemens, Bosch und BASF überarbeiten ihre Beschaffungsprozesse grundlegend. Sie bauen größere Lagerbestände auf und schließen langfristige Lieferverträge mit Minenbetreibern in Drittländern. Parallel forschen Institute wie das Fraunhofer-Institut und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf an Ersatzstoffen – etwa um Dysprosium in Magneten zu reduzieren.
Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Das DIW halbierte seine Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent und schließt eine technische Rezession nicht aus. Besonders die Chemiebranche leidet: Laut Ifo-Institut meldet dort fast jedes dritte Unternehmen Probleme bei der Rohstoffversorgung.
Während die Industrie auf staatliche Unterstützung und Bürokratieabbau hofft, ziehen die USA mit dem „Dominance Act“ eine eigene Strategie. Ziel: Die Vorherrschaft Chinas bei Lithium, Kobalt und Graphit aufbrechen.
