Rheinland-Pfalz, Auszubildenden

Rheinland-Pfalz: 18 Prozent der Auszubildenden haben Migrationshintergrund

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei der ersten Landesintegrationskonferenz standen Fachkräftebedarf, Ausbildungsdaten und bessere Bedingungen für Zugewanderte im Mittelpunkt.
Eine helle, moderne Werkstatt mit ordentlich angeordneten Arbeitsbänken und Werkzeugen in einer Industriehalle. Illustration mit AI erstellt.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat in Mainz die Erste Integrationskonferenz des Landes ausgerichtet. Veranstalter der Konferenz ist Integrationsminister Achim Schwickert (CDU). Im Zentrum der Beratungen stand die zunehmende Bedeutung internationaler Fachkräfte und Auszubildender für die regionale Wirtschaft und das Handwerk, flankiert von Beiträgen aus Kammern und Ministerien.

Kammern und Ministerium verweisen auf Engpässe in den Betrieben

Wirtschaftsvertreter unterstrichen auf der Veranstaltung die Dringlichkeit der Zuwanderung für den heimischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern, bezeichnete internationale Fachkräfte als einen entscheidenden Erfolgsfaktor für die Unternehmen. Rössel verwies zudem darauf, dass inzwischen 18 Prozent der Auszubildenden einen Migrationshintergrund haben.

Auch im regionalen Handwerk gewinnt Nachwuchs aus dem Ausland an Relevanz. Anja Obermann von der Handwerkskammer Rheinhessen berichtete von einer wachsenden Zahl von Auszubildenden aus Asien im Lebensmittelhandwerk. Zugleich gebe es in klassischen Handwerksberufen wie bei Metzgern und Bäckern mittlerweile zu wenige deutsche Bewerber.

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) verwies in diesem Zusammenhang auf das Welcome Center Rheinland-Pfalz, das den Betrieben sowie zugewanderten Fachkräften als zentrale Anlaufstelle dient.

Strukturwandel auf dem deutschen Ausbildungsmarkt

Die Situation in Rheinland-Pfalz reiht sich in bundesweite Entwicklungen ein. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln besaßen im Jahr 2025 16,3 Prozent der Auszubildenden im Alter von 15 bis 34 Jahren eine ausländische Staatsbürgerschaft, was rund 255.000 Personen entsprach.

Anzeige

Wer sich mit der Gewinnung neuer Teammitglieder befasst, sollte auch die erste Phase im Betrieb professionell gestalten. Diese kostenlose Checkliste hilft Führungskräften dabei, neue Mitarbeiter strukturiert einzuarbeiten und vom ersten Tag an eine langfristige Bindung aufzubauen. Onboarding-Checkliste jetzt gratis herunterladen

Im Jahr 1999 hatte dieser Anteil noch bei 5,3 Prozent gelegen. Im selben Zeitraum ging die Zahl deutscher Auszubildender dieser Altersgruppe stark zurück: Zwischen 2008 und 2025 sank sie um 23 Prozent von circa 1,7 Millionen auf etwa 1,3 Millionen.

Die Ausbildungsquote ausländischer 15- bis 34-Jähriger lag 2025 bei 6,2 Prozent, nach 2,6 Prozent im Jahr 2004. Bei den deutschen Gleichaltrigen belief sich diese Quote auf 7,4 Prozent.

Die anhaltenden Passungsprobleme am Arbeitsmarkt belegen auch die Daten der Bundesagentur für Arbeit: Ende September 2026 waren bundesweit rund 48.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, während etwa 46.000 Bewerber ohne Ausbildungsplatz blieben.

Debatte um Zuwanderung und Rahmenbedingungen

Die gesamtwirtschaftliche Rolle der Migration wird parallel auch auf Bundesebene debattiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verteidigte eine gesteuerte Zuwanderung als wirtschaftliche Notwendigkeit. Ausländische Arbeitskräfte seien erforderlich, um den ausgeprägten Mangel in Industrie, Handwerk und dem Gesundheitswesen zu beheben und die Infrastruktur des Landes zu erhalten.

Anzeige

Neben der Rekrutierung ist eine gezielte Personalentwicklung entscheidend, um Fachkräfte dauerhaft im Unternehmen zu halten. Dieser kostenlose Praxisleitfaden zeigt modernen Führungskräften, wie sie Potenziale erkennen und echte Leistungsanreize im Arbeitsalltag schaffen. Gratis-Ratgeber zur Mitarbeiterentwicklung sichern

Nach Angaben von Bundesbehörden sorgt die schrittweise Einführung vereinfachter Visumverfahren sowie digitalisierter Anerkennungsprozesse für ausländische Berufsabschlüsse bereits für einen Anstieg von Anfragen aus Staaten außerhalb der Europäischen Union, woraus insbesondere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen Hoffnung auf personelle Entlastung schöpfen.

Gleichzeitig mahnen Experten gezielte Begleitmaßnahmen an. IW-Expertin Lydia Malin forderte am 30. Oktober 2026 eine bessere Berufsorientierung, den Ausbau von Sprachkursen, Unterstützung bei der Wohnungssuche sowie klare rechtliche Regeln beim Übergang von der Ausbildung in die anschließende Erwerbstätigkeit, um die Potenziale dauerhaft zu sichern.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70443260 |