Rheinisches Revier: Bürgerrat übergibt 100 Vorschläge für den Wandel
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 22:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der Revier-Konferenz in Bergheim hat der Bürgerrat Rheinisches Revier 100 Handlungsempfehlungen an die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur übergeben. Zuvor hatten rund 100 per Los ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus allen Landkreisen der Region an drei Wochenenden beziehungsweise sechs Tagen in Jülich über die Zukunft der Region beraten.
Rund 20 von ihnen reisten nun nach Bergheim, um die erarbeiteten Vorschläge der Landespolitik vorzustellen. Johanna Schloemer aus Hückelhoven, die am Themenfeld Energie und Klimaschutz mitwirkte, verwies dabei auf fünf von sechs Diskussionstagen mit Temperaturen von über 30 Grad während der Tagungen.
Auf der Konferenz diskutierten rund 700 Beteiligte aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Verbänden über die Neuausrichtung des Braunkohlereviers. Neben Neubaur nahm auch Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei, an der Veranstaltung teil.
Zu den Schwerpunkten zählten neben Energiefragen unter anderem eine wohnortnahe medizinische Grundversorgung, der barrierefreie Zugang zum öffentlichen Nahverkehr sowie das generationenübergreifende Zusammenleben in den Quartieren.
Milliardenförderung und ambitionierter Zeitplan
Für den Strukturwandel im Rheinischen Revier stehen insgesamt 14,8 Milliarden Euro an Fördergeldern von Bund, Ländern und der Europäischen Union bereit. In der ersten Förderphase wurden bisher fast 1000 Projekte mit mehr als 300 Millionen Euro unterstützt.
Insgesamt bilanzieren Land, Bund und EU bereits über 800 Projekte und rund 3 Milliarden Euro an bewilligten Fördermitteln. Ende 2026 läuft die erste Förderphase aus, bevor Anfang 2027 die zweite Periode beginnt. Bis zu diesem Wechsel soll die Marke von 1000 genehmigten Vorhaben erreicht werden.
Der Transformationsdruck in der Region ist hoch. Nach dem vor vier Jahren gefällten Beschluss des Landes NRW, den Ausstieg aus dem Braunkohletagebau von 2038 auf das Jahr 2030 vorzuziehen, fallen rund 14.000 Arbeitsplätze weg. Frank Rock, Landrat des Rhein-Erft-Kreises, betonte in Bergheim den daraus resultierenden Zeitdruck. Dem Abbau stehen Pläne gegenüber, insgesamt 20.000 neue Stellen zu schaffen.
Ansiedlungen, Infrastruktur und Kritikpunkte
Mehrere Großprojekte sollen die wirtschaftliche Neuausrichtung sichern. Das Unternehmen ESC-SIC errichtet in Frechen gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut die weltweit erste Siliciumcarbid-Fabrik, deren Werkstoffe in der Halbleiterindustrie, Elektromobilität und Raumfahrt benötigt werden.
Rund 3 Milliarden Euro sind bereits bewilligt, Ende 2026 läuft die erste Förderphase aus — und der Zeitdruck im Revier steigt, weil rund 14.000 Arbeitsplätze wegfallen. Wer jetzt Anträge und Ansiedlungen vorbereitet, sichert sich den Zugriff auf die zweite Periode. Jetzt kostenlosen Förder-Report für das Rheinische Revier anfordern
In Jülich forscht Synhelion, ein Zweig des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, an erneuerbaren synthetischen Kraftstoffen. Am Forschungsflughafen Würselen baut das Institut Access ein Fertigungszentrum für emissionsarme Luftfahrttechnologien.
Zudem siedelt sich Microsoft mit insgesamt vier Großrechenzentren an; Grevenbroich erhielt den Zuschlag für einen Standort auf einem 230.000 Quadratmeter großen Areal.
Langfristig sollen zudem die Tagebaue Hambach und Garzweiler geflutet werden. Für Garzweiler ist vorgesehen, ab 2036 Rheinwasser über eine Pipeline von Dormagen herbeizuleiten, damit der geplante See bis 2070 vollständig gefüllt ist.
Der Umweltverband BUND kritisierte allerdings, die Wasserqualität des Rheins sei für eine Flutung unzureichend. Zudem mahnte ein Sprecher des Verteilnetzbetreibers Westnetz an, der Ausbau von Stromleitungen, Transformatoren und Umspannwerken verlaufe zu schleppend, während Kommunen Investoren vertrösteten.
Parallel treiben die Kreise die Verkehrsinfrastruktur voran. Eine vom Rhein-Kreis Neuss beauftragte Untersuchung des Fachbüros Railistics belegt erhebliche Potenziale der geplanten Revierbahn West für den Güterverkehr.
Der Netzausbau verläuft zu schleppend, Kommunen vertrösten Investoren — und genau daran scheitern Ansiedlungen, bevor sie beginnen. Dieser Report zeigt, wie Sie Flächen, Stromanschluss und Fördermittel in eine belastbare Projektplanung bringen. Checkliste Ansiedlung und Infrastruktur jetzt sichern
Landrätin Katharina Reinhold hob die Relevanz für die Anbindung an die Westhäfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam hervor, da Niedrigwasser auf dem Rhein die Schifffahrt wiederholt beeinträchtigt.
Der Kreis dringt daher darauf, die Nachnutzung des früheren Werkbahnnetzes von RWE in die laufende Machbarkeitsstudie der Nahverkehrsgesellschaft Go.Rheinland für die Strecke Aachen–Jülich–Bedburg einzubeziehen.
