Rhein-Niedrigwasser: Schifffahrt wegen Rekordtiefständen stark eingeschränkt
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 13:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Historisch niedrige Pegelstände erschweren die Schifffahrt auf dem Rhein erheblich und lassen auf dem Mittelrhein nur noch vereinzelt Güterschiffe verkehren.
Weniger Ladung auf dem Mittelrhein
Besonders betroffen ist der Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz. Dort seien nur noch vereinzelt Güterschiffe unterwegs, sagte Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt.
Die Schifffahrt stehe ihren Kunden weiterhin zur Verfügung, könne aber nur mit deutlich weniger Ladung fahren. Sie werde den Betrieb fortsetzen, solange dies sicher möglich sei; darüber entscheide die Schiffsführung.
Kaub unterschreitet den Nullpunkt
Im Rheineinzugsgebiet fehlt es an ergiebigen Niederschlägen. Der Pegel in Kaub unterschritt am Wochenende zeitweise den Nullpunkt und erreichte damit einen historischen Tiefstand.
Der Abschnitt gilt als Nadelöhr der Rheinschifffahrt, weil die Fahrrinne dort schlechter ausgebaut ist als flussaufwärts und flussabwärts. Nach Einschätzung von Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft ist der Rhein damit faktisch erneut zweigeteilt.
Industrie und Lieferketten unter Druck
Betroffen sind vor allem feste und flüssige Massengüter, die kaum auf die Schiene und praktisch nicht auf die Straße ausweichen können. Puls zufolge belastet die Lage insbesondere Raffinerien, die Chemieindustrie und Stahlwerke.
Als Beispiel gilt das BASF-Werk in Ludwigshafen, das etwa die Hälfte seiner Vorprodukte per Binnenschiff bezieht. Im vergangenen Monat eingeleitete Maßnahmen wie die Aufhebung von Sonn- und Feiertagsfahrverboten für Lastwagen könnten die Lieferketten teilweise stabilisieren.
Wasserstände könnten wieder steigen
Auch in Köln wurde am Montag mit 40 Zentimetern ein Niedrigwasser-Rekord gemessen. Die Schifffahrt hat dort nach Beobachtung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes stark abgenommen; die Fahrrinne liegt deutlich tiefer als der Pegelstand am Ufer.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung erwarten, dass der Pegel in Köln zum Ende der Woche und in Kaub ab dem kommenden Wochenende wieder steigt. Bereits in der ersten Augusthälfte waren die Pegel stark gesunken, bevor Niederschläge in der zweiten Monatshälfte vorübergehend für höhere Wasserstände sorgten.
Ein wiederkehrendes Nadelöhr
Der Rhein ist eine zentrale Verkehrsachse für Deutschland und verbindet Industrie- und Hafenstandorte mit Rotterdam. Besonders empfindlich reagiert der Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz, weil die Fahrrinne dort weniger tief ausgebaut ist. Der Pegelstand am Ufer beschreibt dabei nicht unmittelbar die Wassertiefe in der Fahrrinne, bleibt für die Beladung der Schiffe aber ein wichtiger Orientierungswert.
Niedrigwasser trifft vor allem Güter, die in großen Mengen transportiert werden. Rohstoffe, Brennstoffe und chemische Vorprodukte lassen sich kurzfristig nur begrenzt auf Bahn oder Straße verlagern. Weniger Ladung pro Schiff bedeutet zudem mehr Fahrten, höhere Kosten und längere Lieferzeiten. Die Folgen können deshalb über die Hafenregionen hinaus Industrieproduktion und Energiepreise erreichen.
Entlastung nur bei anhaltendem Regen
Die aktuellen Rekordstände folgen auf eine bereits angespannte Entwicklung im August. Zwar stiegen die Wasserstände zwischenzeitlich nach Niederschlägen wieder an, die Erholung erwies sich jedoch als nicht dauerhaft. Für die betroffenen Unternehmen bleibt damit entscheidend, ob die angekündigten Anstiege tatsächlich eintreten und wie lange sie anhalten.
Für Reisende und Anwohner ist wichtig: Ein Pegel von null Zentimetern bedeutet nicht, dass der Rhein trockenliegt. Maßgeblich für die Schifffahrt sind die Tiefe und Breite der Fahrrinne sowie die Sicherheitsentscheidung der Schiffsführung. Bleiben ergiebige Niederschläge aus, verschärft sich jedoch der Druck auf Logistik, Industrie und alternative Verkehrswege.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Prognose unter 40 Zentimeter: Der Rheinpegel erreicht einen neuen Tiefstand“ (28.09.2026)
Der Bericht bestätige den historischen Tiefstand in Köln und hebe hervor, Frachtschiffe könnten nur noch mit reduzierter Ladung fahren. Zusätzlich beschreibe er Einschränkungen für Fähren sowie Gefahren durch sichtbar gewordene Weltkriegsmunition; damit setze er einen breiteren Schwerpunkt als die dpa-Meldung.
Frankfurter Rundschau: „Am Rhein ist eingetreten, was Experten befürchtet haben: Pegel Kaub auf Null gesunken“ (27.09.2026)
Der Artikel bestätige den historischen Tiefstand in Kaub und erläutere, der Rhein sei nicht trocken, der Pegelwert jedoch eine für die Schifffahrt wichtige Rechengröße. Er betone stärker die wirtschaftlichen Folgen für Frachtraten, Rohstofftransporte und mögliche Verbraucherpreise, während die erwartete Erholung der Wasserstände offenbleibe.
Übereinstimmend beschrieben die Berichte die außergewöhnliche Trockenheit und die erheblichen Einschränkungen für die Schifffahrt. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: Der WDR betrachte zusätzliche regionale Sicherheits- und Fährprobleme, während die Frankfurter Rundschau die Folgen für Güterverkehr und Preise hervorhebe.
