Reservekraftwerke: Bundesnetzagentur vergibt elf Zuschläge
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSReserveplanung für den Stromnotfall
- Die Bundesnetzagentur erteilte elf Geboten Zuschläge für insgesamt rund 5.160 rMW.
- 41 Gebote mit rund 11.958 rMW Gesamtvolumen gingen bis zum Gebotstermin ein.
- Sieben Gebote schloss die Behörde wegen fehlender Angaben oder Nachweise aus.
Bundesnetzagentur vergibt Zuschläge für Reserveanlagen
Die Bundesnetzagentur hat in der ersten Ausschreibung für Langzeitkapazitäten Förderzuschläge für neue Reservekraftwerke vergeben. Insgesamt erhielten elf Gebote Zuschläge mit einem Volumen von rund 5.160 reduzierten Megawatt (rMW).
41 Gebote für 4.500 rMW
Das Ausschreibungsvolumen lag bei 4.500 rMW. Bis zum Gebotstermin gingen 41 Gebote mit einem Gesamtvolumen von rund 11.958 rMW ein.
Sieben Gebote wurden ausgeschlossen, weil gesetzlich erforderliche Angaben oder Nachweise fehlten. Das Gebot, mit dem das Ausschreibungsvolumen erstmals überschritten wurde, bezuschlagte die Behörde ebenfalls.
NRW erhält größten Anteil
Die meisten Zuschläge entfielen auf Standorte in Nordrhein-Westfalen. Dort wurden drei Gebote über rund 2.118 rMW bezuschlagt, gefolgt von Brandenburg mit vier Zuschlägen über rund 1.819 rMW.
Sachsen erhielt zwei Zuschläge über rund 910 rMW. Auf Bayern entfiel ein Zuschlag über rund 269 rMW, auf Baden-Württemberg ein weiterer über rund 45 rMW.
Zuschlagswert bleibt unter Höchstpreis
Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert beträgt 155.296 Euro je rMW und Jahr. Damit liegt er unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro.
Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller erklärte, in der Ausschreibung habe ein intensiver Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Technologien, darunter Kraftwerken und Stromspeichern, stattgefunden. Dieser Wettbewerb habe zu vergleichsweise niedrigen Zuschlagswerten geführt.
Reserve soll ab 2031 bereitstehen
Nach Einschätzung der Behörde sind die Ergebnisse ein erster Schritt zur langfristigen und kosteneffizienten Absicherung der Stromversorgung. Die regionale Verteilung der Zuschläge soll künftig zu einem sicheren Netzbetrieb beitragen.
Die bezuschlagten Anlagen sollen ab 2031 im Notfall einspringen, wenn die erneuerbaren Energien nicht ausreichen.
Die Ausschreibung markiert einen konkreten Schritt beim Aufbau einer neuen Reserve für das deutsche Stromsystem. Die Anlagen sollen nicht dauerhaft am Strommarkt laufen, sondern ab 2031 einspringen, wenn Wind- und Solarstrom zusammen mit anderen verfügbaren Kapazitäten den Bedarf nicht decken. Damit ergänzt das Verfahren den Ausbau erneuerbarer Energien um steuerbare Leistung für Phasen mit wenig Wind und geringer Sonneneinstrahlung.
Die Zuschläge zeigen zugleich, dass die Reserve nicht ausschließlich aus klassischen Kraftwerken bestehen soll. Nach Angaben der Bundesnetzagentur konkurrierten Kraftwerke und Stromspeicher um die Kapazitäten. Der mengengewichtete Zuschlagswert blieb deutlich unter dem festgelegten Höchstpreis, was die Kosten der ersten Runde begrenzt; finanziert werden die Vorhaltekosten letztlich über die Stromkunden.
Regionale Verteilung und weitere Runde
Der Schwerpunkt liegt in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Diese Verteilung ist für den Netzbetrieb relevant, weil Reserveleistung dort verfügbar sein soll, wo Engpässe und der Rückgang konventioneller Erzeugung besondere Anforderungen an das Stromnetz stellen. Die Anlagen schaffen jedoch keine zusätzliche erneuerbare Erzeugung und ersetzen weder Netzausbau noch flexible Nachfrage.
Für Verbraucher bedeutet das Verfahren vor allem eine Absicherung gegen Knappheitssituationen, nicht automatisch niedrigere Börsenstrompreise. Entscheidend wird, ob die bezuschlagten Projekte fristgerecht gebaut werden, welche Technologien tatsächlich zum Einsatz kommen und wie die weiteren Ausschreibungsrunden die regionale und technische Mischung verändern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Stromkunden zahlen über Umlage: Warum die Regierung fossile Kraftwerke mit Milliarden fördert“ (02.11.2026)
Der Beitrag ordnet die Ausschreibung vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Finanzierung und der Förderung fossiler Kraftwerke ein. Er verweist außerdem auf eine zweite Runde über weitere 4,5 Gigawatt, während die dts-Meldung die Ergebnisse der ersten Runde und den Technologiewettbewerb in den Mittelpunkt stellt.
WDR: „Neue Gaskraftwerke: NRW bekommt Zuschlag für Voerde, Weisweiler und Werne“ (03.11.2026)
Der WDR konkretisiert den regionalen Schwerpunkt der Ausschreibung und nennt Voerde, Weisweiler und Werne als Standorte in Nordrhein-Westfalen. Damit bestätigt der Beitrag das größte Zuschlagsvolumen für NRW, setzt den Akzent aber stärker auf die betroffenen Kraftwerksstandorte.
Gemeinsam ist den Beiträgen die Einordnung als Aufbau neuer gesicherter Leistung. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Während n-tv die Kosten und den fossilen Anteil hervorhebt, konzentriert sich der WDR auf die regionale Umsetzung; offen bleibt, wie schnell alle Projekte realisiert werden.
