Rentenversicherung, Selbstständige

Rentenversicherung Selbstständige: BDS warnt vor 744 Euro Monatslast

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BDS und Mittelstandsverbände warnen vor hohen Zusatzkosten für Selbstständige und fordern bei der Altersvorsorge mehr individuelle Spielräume.

BDS und Mittelstand lehnen pauschale Rentenpflicht ab
Ein minimalistischer Schreibtisch mit einem geschlossenen Laptop und Planer in natürlichem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen der aktuellen Reformdiskussionen zur Altersvorsorge haben sich am 2. September 2026 der BDS Deutschland e.V. und die Allianz Hauptstadtbüro Mittelstand deutlich gegen die Einführung einer pauschalen Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ausgesprochen.

Die Verbände kritisieren die geplanten Maßnahmen als erhebliche finanzielle Belastung für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Einzelunternehmer. Auch der BDS Rheinland-Pfalz & Saarland e.V. schloss sich gemeinsam mit der Allianz Hauptstadtbüro Mittelstand des BDS D dieser ablehnenden Haltung an.

Massive finanzielle Belastung durch hohen Beitragssatz

Ein zentraler Kritikpunkt der Wirtschaftsverbände ist die kalkulierte Beitragshöhe, die auf Selbstständige zukommen könnte. Bei einem pauschalen Beitragssatz von 18,6 Prozent müssten die Betroffenen die Kosten für die Rentenversicherung vollständig allein tragen. Im Gegensatz zu Angestellten, bei denen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen, entfällt für Selbstständige diese Entlastung.

Nach Berechnungen der Verbände würde dies bei einem monatlichen Gewinn von 4.000 Euro eine Belastung von 744 Euro pro Monat bedeuten. Diese Summe müsste zusätzlich zu weiteren betrieblichen Fixkosten und privaten Vorsorgemaßnahmen erwirtschaftet werden.

Anzeige

Wer sich mit der Belastung durch Sozialabgaben befasst, sollte die geltenden Grenzwerte für das laufende Jahr genau kennen. Dieser kostenlose Download zeigt Ihnen auf einen Blick, ab welchem Einkommen keine weiteren Beiträge mehr anfallen. Aktuelle Beitragsbemessungsgrenzen als PDF sichern

Die Verbände warnen davor, dass eine solche zusätzliche Abgabe die wirtschaftliche Existenz vieler Selbstständiger gefährden könnte, da der finanzielle Spielraum für Investitionen oder die eigene, bereits bestehende Altersvorsorge massiv eingeschränkt würde.

Hürden für Existenzgründer und Start-ups

Besonderes Augenmerk legen die Kritiker auf die Situation von Unternehmensgründern. Für diese Personengruppe sind in den ersten drei Jahren der Geschäftstätigkeit monatliche Beiträge in Höhe von 367,82 Euro im Gespräch. Die Allianz Hauptstadtbüro Mittelstand und der BDS weisen darauf hin, dass gerade in der sensiblen Anlaufphase eines Unternehmens jeder Euro für den Aufbau des Geschäftsbetriebs benötigt wird.

Anzeige

Für eine rechtssichere Finanzplanung im Unternehmen ist die Kenntnis der exakten Berechnungsgrundlagen für Sozialabgaben unerlässlich. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie die aktuellen Grenzwerte in West und Ost Ihre Kalkulation beeinflussen. Kostenlose Übersicht der Beitragsbemessungsgrenzen anfordern

Eine verpflichtende Abgabe in dieser Höhe könnte die Gründungsbereitschaft in Deutschland nachhaltig schwächen. Viele junge Unternehmen arbeiten in den ersten Jahren noch nicht profitabel genug, um derartige Fixkosten ohne Weiteres abdecken zu können. Die Verbände fordern daher mehr Flexibilität statt einer starren Rentenpflicht, um den Wirtschaftsstandort für Innovationen und neue Marktteilnehmer attraktiv zu halten.

Prekäre Lage der Solo-Selbstständigen verschärft sich

Die Ablehnung der Rentenpflicht erfolgt vor dem Hintergrund einer bereits angespannten wirtschaftlichen Situation für viele Marktteilnehmer. Daten aus dem Frühjahr dieses Jahres verdeutlichen die schwierige Lage: Am 1. April 2026 wurde berichtet, dass etwa 48,4 Prozent der Solo-Selbstständigen unter einem erheblichen Auftragsmangel litten.

In einer Phase, in der fast die Hälfte dieser Gruppe mit rückläufigen Aufträgen kämpft, werde eine zusätzliche finanzielle Verpflichtung als kontraproduktiv angesehen. Die Wirtschaftsverbände betonen, dass eine pauschale Versicherungspflicht die spezifischen Gegebenheiten unterschiedlicher Branchen und individueller Erwerbsbiografien ignoriere.

Anstatt einer staatlich verordneten Pflichtlösung plädieren die Vertreter des Mittelstands für den Erhalt individueller Gestaltungsspielräume bei der Altersvorsorge, die der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Selbstständigen Rechnung tragen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70044794 |