Rentenreform, Union

Rentenreform: Union und SPD einigen sich auf Schutzrente für Schwerstarbeiter

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 18:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Union und SPD verhandeln über Ausnahmen bei der Rente mit 63. Eine Studie zeigt Milliardenentlastung, während 68 Prozent der Deutschen die Abschaffung ablehnen.

Rente mit 63: Union und SPD ringen um Ausnahmen für Schwerstarbeiter
Zwei Personen in Business-Kleidung schütteln sich in einem modernen Büro die Hände als Symbol für politische Einigung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Streit um die Abschaffung der Rente mit 63 bahnt sich ein Kompromiss an. Union und SPD verhandeln über Ausnahmeregelungen für besonders belastete Berufsgruppen.

Schutzrente für Schwerstarbeiter geplant

Unionsfraktionschef Thorsten Frei beharrt auf dem Ende der abschlagsfreien Frührente, die derzeit mit 64,5 Jahren möglich ist. Zugleich signalisierte er am Wochenende Gesprächsbereitschaft für Übergangsfristen. Frei schlägt eine soziale Schutzrente vor – für Versicherte, die ihren Job aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum regulären Renteneintritt ausüben können.

Unterstützung kommt aus Thüringen. Ministerpräsident Mario Voigt fordert zielgenaue Lösungen statt pauschaler Kürzungen. Auch die SPD bewegt sich: Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese brachte Ausnahmen für Schwerstarbeit ins Gespräch. Als Vorbild nennt er österreichische Modelle, die Schichtarbeiter gezielt entlasten.

Milliardenentlastung und demografischer Druck

Die Debatte befeuern neue Berechnungen. Laut einer DIW-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung würde die Abschaffung den Staat pro Rentnerjahrgang um rund 9,5 Milliarden Euro entlasten. Zudem stünden dem Arbeitsmarkt etwa 125.000 zusätzliche Vollzeitkräfte zur Verfügung.

Der Wirtschaftsweise Martin Werding warnt vor den Folgen einer ausbleibenden Reform. Ohne Gegensteuern könnten die Sozialabgaben von aktuell 42,3 Prozent bis 2040 auf 50 Prozent klettern – und bis 2050 auf 54 Prozent. Er mahnt, das geschnürte Rentenpaket nicht wieder aufzuschnüren.

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Mehrheit der Deutschen gegen Abschaffung

Die Bevölkerung sieht das anders. Eine Insa-Umfrage von Anfang August zeigt: 68 Prozent der Deutschen lehnen die Abschaffung der Rente mit 63 ab. Kritiker verweisen auf das Armutsrisiko langjährig Versicherter. Rund 23 Prozent der Männer mit 45 Versicherungsjahren erhalten eine Rente unterhalb der Armutsgrenze von 1446 Euro. In Ostdeutschland liegt der Anteil mit bis zu 41 Prozent deutlich höher.

Debatte um Witwenrente

Über die Rente mit 63 hinaus diskutieren Experten weitere Reformschritte. Werding schlägt vor, die Witwenrente – jährlich fast 50 Milliarden Euro teuer – perspektivisch abzuschaffen. Als Alternative nennt er ein Rentensplitting nach schwedischem Vorbild.

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Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas wollen ein Gesamtkonzept vorlegen. Voigt drängt auf eine zeitnahe parlamentarische Klärung, statt die Verantwortung an Kommissionen zu delegieren. Als Kriterium für Härtefälle wird eine Einkommensgrenze von 60 Prozent des Durchschnittsverdienstes diskutiert.

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