Rentenreform: Neue Kapitalrente ab 2028 mit drei Übergangsstufen
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 06:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung will das Rentensystem um eine Kapitalrente erweitern. Ab 2028 sollen die ersten Beitragszahler in das neue Drei-Säulen-Modell einzahlen. Das Gesetzesvorhaben geht nach der Sommerpause ins Parlament.
Drei Stufen für den Übergang
Die Reform teilt künftige Rentner in drei Kategorien ein. Wer vor 2028 in Rente geht, erhält weiterhin nur die klassische Umlagerente. Der Jahrgang 2028 bis 2031 bekommt zusätzlich eine kleinere Kapitalrente.
Ab 2032 greift dann die dritte Stufe: Neurentner erhalten neben Umlage- und Kapitalrente einen Übergangsfaktor. Dieser steuerfinanzierte Ausgleich soll das sinkende Rentenniveau abfedern, da die Kapitalrente anfangs noch keine volle Absicherung bietet. Bis Mitte der 2040er-Jahre wird der Faktor schrittweise abgeschmolzen. Die Rentenniveau-Haltelinie von 48 Prozent bleibt bis 2031 gesetzlich fixiert, danach greifen Dämpfungsfaktoren.
Was die Kapitalrente kosten wird
Finanziert wird das neue Modell über einen Zusatzbeitrag, der 2028 bei 0,5 Prozent des Bruttolohns startet. Jedes Jahr kommt ein halber Prozentpunkt dazu, bis 2031 die Zielmarke von 2 Prozent erreicht ist. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Kosten.
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Die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute klingen verheißungsvoll: Bei 20 Beitragsjahren winken monatlich rund 151 Euro extra, nach 45 Jahren im Median 777 Euro. Allerdings schwankt die Spanne je nach Rendite zwischen 500 und 1.250 Euro. Experten warnen vor allzu optimistischen Erwartungen.
Streit um die Rente mit 63
Der heikelste Punkt: Die Union will die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren kippen. Ein Jahr späterer Renteneintritt würde pro Jahrgang bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen. Kritiker argumentieren, dass bisher vor allem Besserverdienende mit guter Gesundheit profitieren.
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Die SPD stellt sich quer. Der Generalsekretär betont das Festhalten an der aktuellen Regelung. Auch die ostdeutschen Ministerpräsidenten laufen Sturm – mit guten Gründen: In Ostdeutschland sind 75 Prozent der Versicherten allein auf die gesetzliche Rente angewiesen, im Westen nur 52 Prozent.
Ost-Länder drohen mit Blockade
Für Bestandsrentner gibt es keine direkten Kürzungen, aber die Anpassungsmechanismen ändern sich. Ab 2032 steigt der Nachhaltigkeitsfaktor von 0,25 auf 0,33 – Rentenerhöhungen fallen dann schwächer aus. Über zehn Jahre können dabei spürbare Kaufkraftverluste entstehen.
Sachsens Ministerpräsident droht bereits mit einer Ablehnung im Bundesrat. Die fünf ostdeutschen Länder halten 19 von 69 Stimmen – genug, um das Gesetzgebungsverfahren erheblich zu beeinflussen. Kanzler Merz will dagegen alle 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission umsetzen, um die langfristige Finanzierbarkeit zu sichern. Ob die Koalition den Spagat schafft, dürfte sich nach der Sommerpause zeigen.
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