Rentenreform: Minijobs für 6,8 Millionen enden, Alter steigt
23.06.2026 - 02:01:06 | boerse-global.de
Die Rentenkommission der Bundesregierung hat am Dienstag ihren Abschlussbericht an Kanzler Merz und Ministerin Bas übergeben. Das Paket enthält tiefgreifende Einschnitte bei Minijobs und eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Ziel: Das Rentenniveau langfristig stabilisieren und die Finanzierung breiter aufstellen.
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Aus für Minijobs – mit einer Ausnahme
Ein Kernpunkt der Reform: Der Sonderstatus von Minijobs soll weitgehend abgeschafft werden. Bisher waren sie bis 603 Euro sozialversicherungsfrei. Künftig soll diese Beitragsbefreiung nur noch für Schüler gelten. Betroffen wären rund 6,8 Millionen Minijobber und 6,2 Millionen Midijob-Beschäftigte.
Die Begründung der Experten: Minijobs führen oft in die Altersarmut und verdrängen reguläre Stellen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schätzt, dass durch das aktuelle Modell rund 500.000 sozialversicherungspflichtige Jobs verloren gingen. Der Staat erhofft sich Mehreinnahmen von 4,5 Milliarden Euro jährlich. Allerdings könnten die Sozialabgaben für diese Jobs ab 2027 von rund 31 auf über 38 Prozent steigen.
Renteneintritt steigt mit der Lebenserwartung
Ab 2031 soll das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden – nach dem 2:1-Modell: Zwei Monate länger arbeiten pro drei Monaten gewonnener Lebenserwartung. Das bedeutet: Alle zehn Jahre steigt die Altersgrenze um etwa sechs Monate.
Konkret würde die Grenze Anfang der 2040er Jahre bei 67,5 Jahren liegen, 2051 bei 68 Jahren. Für Menschen, die in den 2090er Jahren in Rente gehen, könnte sie bei 70 Jahren liegen. Die „Rente mit 63" soll abgeschafft werden – mit Ausnahmen für Härtefälle.
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Kapitalrente nach schwedischem Vorbild
Die Kommission schlägt den Aufbau einer kapitalgedeckten Zusatzrente vor. Zwei Beitragspunkte des Bruttolohns sollen dafür aufgewendet werden – hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das jährliche Volumen: rund 35 Milliarden Euro. Ab 2028 wird zunächst ein Prozent in Aktien angelegt, später zwei Prozent.
Der Kreis der Beitragszahler soll deutlich wachsen: Künftig müssen auch Selbstständige, Abgeordnete und Vorstände in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Beamte bleiben ausgenommen. Das Rentenniveau soll zunächst bei 48 Prozent stabilisiert werden, durch die Kapitalsäule ab 2040 perspektivisch auf 50 Prozent steigen.
Lob und scharfe Kritik
Die Reaktionen fallen gespalten aus. Arbeitgeberverbände und der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisieren das geplante Aus für Minijobs scharf. HDE-Hauptgeschäftsführer Genth warnte, allein im Einzelhandel seien Hunderttausende Stellen bedroht. Ökonom Schneider prognostiziert einen Anstieg der Schwarzarbeit um bis zu 25 Milliarden Euro ab 2027.
Zustimmung kommt von Verdi. Vorsitzender Werneke betonte, Minijobs seien eine Sackgasse und die Reform könne Altersarmut verhindern. Auch die Wirtschaftsweise Grimm bezeichnete die Pläne als sinnvoll, da sie Arbeitsanreize für Geringverdiener erhöhen. Während die Junge Union von einem Generationenprojekt spricht, warnen Linke und Jusos vor einer Rentenkürzung durch die Hintertür.
