Rentenreform: Abschlagsfreier Renteneintritt nach 45 Jahren soll enden
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Union drängt auf eine schnelle Rentenreform: Der vorzeitige abschlagsfreie Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren soll abgeschafft werden. Das kündigte Unionsfraktionschef Thorsten Frei an. Er nannte das Vorhaben eine „Jahrhundertreform“, die noch dieses Jahr den Bundestag passieren müsse.
Übergangsfristen sollen Vertrauensschutz sichern
Derzeit können Versicherte mit 45 Beitragsjahren mit 64,5 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Das soll enden. Für rentennahe Jahrgänge sind jedoch lange Übergangsfristen geplant, damit Betroffene ihre Lebensplanung verlässlich gestalten können.
Bundeskanzler Merz und Arbeitsministerin Bas unterstützen den Kurs. Sie wollen das Konzept der Alterssicherungskommission als „Gesamtkunstwerk“ umsetzen. Das Arbeitsministerium soll im Herbst einen Referentenentwurf vorlegen.
Kritik an der Debatte kommt aus Sachsen: Die Altersgrenze für den Geburtsjahrgang 1964 liege bereits bei 65 Jahren, die öffentliche Diskussion sei daher teilweise irreführend.
Schutz für belastete Berufsgruppen geplant
Ein zentraler Punkt sind Härtefallregelungen für Menschen in fordernden Berufen. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann fordert faire Bedingungen für Schichtarbeiter, Pflegekräfte und Bauarbeiter. Im Gespräch ist eine „Schutzrente“.
Das Modell sieht vor: Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sollen zwei Jahre vor der regulären Altersgrenze abschlagsfrei in Rente können – bei mindestens 35 Versicherungsjahren. Thüringens Sozialministerin Katharina Schenk will zudem eine belastungsbezogene Prüfung mit individuellen Gesundheitsfaktoren. Als Vorbild gilt Österreichs Schwerarbeitspension.
Wer sich mit den Auswirkungen gesetzlicher Neuregelungen auf die Lohnkosten befasst, benötigt eine präzise Übersicht der aktuellen Grenzwerte. Dieser kostenlose Download zeigt Personalverantwortlichen und Selbstständigen, ab welcher Gehaltshöhe keine weiteren Sozialabgaben mehr anfallen. Beitragsbemessungsgrenzen Übersicht kostenlos herunterladen
Milliardenentlastung, aber Widerstand aus den Ländern
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit rund 125.000 zusätzlichen Beschäftigten pro Rentnerjahrgang. Die Einsparungen für die Sozialkassen: knapp 10 Milliarden Euro. Die Alterssicherungskommission kalkuliert bei einjähriger Verschiebung mit 6,5 Milliarden Euro Entlastung pro Jahrgang.
Doch der Widerstand formiert sich: Acht Ministerpräsidenten, vor allem aus Ostdeutschland, dem Saarland und Bremen, lehnen die Reform ab. Sie verweisen auf regionale Erwerbsbiografien. Die Zahlen geben ihnen recht: 2025 erreichten in Ostdeutschland 32,8 Prozent der Neurentner die 45 Beitragsjahre, im Westen nur 28 Prozent. Kritiker warnen zudem vor einem Bruch des Koalitionsvertrags, der diesen Rentenweg ausdrücklich vorsieht.
