Rentenreform, Kapitalrente

Rentenreform 2028: Kapitalrente ergänzt Umlage für Millionen

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant eine Kapitalrente ab 2028, die das Umlagesystem ergänzt. Arbeitgeber warnen vor massiven Mehrkosten.

Rentenreform 2028: Kapitalrente und steigende Beiträge geplant
Ein professioneller Arbeitsplatz mit Finanzgrafiken zur Rentenreform auf einem Monitor vor einem Regierungsgebäude. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung bereitet eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung vor. Kernstück ist die Einführung einer Kapitalrente, die das bestehende Umlagesystem ergänzen soll. Parallel dazu hat Kanzler Friedrich Merz sein Kabinett umgebaut, um die politische Durchsetzung zu sichern.

Dreistufiges Modell und steigende Beiträge

Ab 2028 soll die sogenannte Kapitalrente kommen. Der zusätzliche Beitrag steigt bis 2031 schrittweise auf 2 Prozent des Bruttoeinkommens. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich diesen Betrag.

Die Reform teilt die Versicherten in drei Gruppen:

  • Vor 2028 in Rente: Alles bleibt beim alten Umlageverfahren.
  • Übergangsphase 2028 bis 2031: Die Rente setzt sich aus Umlage und anteiliger Kapitalrente zusammen.
  • Ab 2032: Ein steuerfinanzierter Übergangsfaktor kommt dazu – voraussichtlich bis Mitte der 2040er Jahre.

Das Rentenniveau bleibt durch eine Haltelinie von 48 Prozent bis 2031 gesichert. Ab 2032 könnten Dämpfungsfaktoren die Rentensteigerungen jedoch hinter die Lohnentwicklung zurückfallen lassen.

Wirtschaft schlägt Alarm

Die Arbeitgeberverbände laufen Sturm. Die BDA warnt vor massiven Mehrbelastungen: Die Gesamtkosten für die Alterssicherung könnten auf 22 Prozent steigen. Arbeitgeber und Beschäftigte müssten über 40 Milliarden Euro zusätzlich stemmen. Die gesamte Sozialabgabenquote drohe auf 46 Prozent zu klettern.

Die Wirtschaft fordert stattdessen ein höheres Renteneintrittsalter und die Streichung von Ausnahmen bei der Frührente. Eine DIW-Analyse im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung untermauert das: Eine Anhebung des frühestmöglichen Renteneintritts von 63 auf 64 Jahre hätte die Staatskassen bereits um dreistellige Millionenbeträge entlastet.

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Merz baut Kabinett um

Um die Reform durchzuboxen, hat Kanzler Merz Ende Juli zentrale Posten neu besetzt. Bundespräsident Steinmeier ernannte drei neue Minister: Nina Warken leitet das Kanzleramt, Carsten Linnemann wird Gesundheitsminister, Steffen Bilger übernimmt das Verkehrsministerium. Thorsten Frei führt künftig die Unionsfraktion.

Der Umbau wurde nötig, nachdem Jens Spahn Mitte Juli zurückgetreten war. Die neuen Minister sollen die Gesetzentwürfe für den Jahreswechsel koordinieren. Doch innerhalb der Union rumort es: Besonders die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren stößt auf Widerstand ostdeutscher Ministerpräsidenten.

Neue Wege bei der privaten Vorsorge

Flankierend hat der Bundesrat ein neues Altersvorsorgedepot beschlossen. Ab Januar 2027 soll es den Riester-Standard ablösen. Das Depot erlaubt flexiblere Anlagen in Fonds und ETFs – teilweise ohne verpflichtende Beitragsgarantie. Die staatliche Förderung bleibt erhalten.

Das Reformpaket enthält weitere steuerliche Änderungen: Das Kindergeld soll 2028 auf 272 Euro steigen, der Arbeitnehmerpauschbetrag wird angehoben. Bei Minijobs ist eine Erhöhung der Pauschsteuer von 2 auf 5 Prozent geplant. Bestandsrentner bleiben von der großen Reform weitgehend unberührt – für sie ist lediglich ein neuer Freibetrag bei der Grundsicherung vorgesehen.

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