Rentenfinanzierung: Beitragssatz könnte 2028 auf 19,9 Prozent steigen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte über die Zukunft der Alterssicherung dringt die Union auf ein deutlich höheres Tempo bei den gesetzgeberischen Schritten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) forderte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) auf, zügig einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.
Drei Monate nach der Vorlage des Berichts durch die Rentenkommission fehle weiterhin eine Vorlage aus dem Bundesarbeitsministerium, was auch den vergangenen Wahlkämpfen geschadet habe.
Unterstützung erhält Wüst von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann, die zur Eile mahnte, da der Bundeshaushalt die enorme Höhe des Rentenzuschusses kaum noch verkraften könne. Hoppermann verwies zudem auf Nina Warken, die bei der Gesundheitsreform lediglich sechs Wochen von den Kommissionsergebnissen bis zum Entwurf benötigt habe.
Debatte über Ausnahmen und Übergangsfristen
Ein zentraler Streitpunkt innerhalb der Koalitionspartner bleibt das Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Wüst sprach sich dafür aus, Ausnahmen künftig nur noch jenen Personen zu gewähren, die körperlich oder psychisch nicht mehr arbeiten können, was etwa durch einen Amtsarzt festgestellt werden könne.
Gleichzeitig erteilte Wüst Spekulationen über einen eigenen Wechsel nach Berlin eine Absage und verwies auf die im Frühjahr 2027 anstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, bei denen er für eine fünfjährige Amtszeit antrete.
Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung prüfen Union und SPD derzeit mögliche Kompromisslinien. Ursprünglich war vorgesehen, das aus 33 Vorschlägen bestehende Paket der Rentenkommission vollständig umzusetzen.
Diskutiert werden nun unter anderem von Unionsfraktionschef Thorsten Frei ins Spiel gebrachte Härtefallregelungen bei gesundheitlicher Gefährdung, eine Schonfrist von fünf bis zehn Jahren sowie eine Verkleinerung des Begünstigtenkreises, etwa durch das Erfordernis von mehr als 45 Jahren oder die ausschließliche Anrechnung echter Arbeitsjahre.
Die Deutsche Rentenversicherung Bund rechnet damit, dass der Beitragssatz Anfang 2028 von derzeit 18,6 auf 19,9 Prozent steigt — und warnt zugleich vor einer geplanten Kürzung des Bundeszuschusses um eine Milliarde Euro im Haushalt 2027. Für Arbeitgeber heißt das: Lohnnebenkosten planen, bevor die Beitragssätze festgeschrieben sind. Der kostenlose Leitfaden ordnet die Vorausberechnungen ein und zeigt, welche Stellschrauben HR jetzt prüfen kann. Kostenlosen Leitfaden zur Rentenreform anfordern
SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt stellte eine Einigung am Ende der Verhandlungen in Aussicht. Während Bundeskanzler Friedrich Merz an den Plänen festhält, forderten Vertreter der SPD nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern Kurskorrekturen. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf betonte am 20. September 2026 in der ZDF-Elefantenrunde, Reformen dürften nicht mit Kürzungen verwechselt werden.
Finanzielle Belastungen und gewerkschaftlicher Protest
Unionsfraktionsvize Albert Stegemann warf den Sozialdemokraten vor, Problemlösungen zu blockieren, wenn Reformdebatten von vornherein mit dem Ausschluss von Veränderungen beantwortet würden. Gleichzeitig gibt es unionsintern Vorbehalte in Detailfragen; so lehnt die Union, darunter CSU-Chef Markus Söder, eine Einbeziehung von Minijobs in die gesetzliche Krankenversicherung ab.
Unterdessen warnte die Deutsche Rentenversicherung Bund bereits am 15. September 2026 vor den finanziellen Folgen einer im Haushalt 2027 geplanten Kürzung des Bundeszuschusses um eine Milliarde Euro, was rechnerisch rund 0,05 Beitragssatzpunkten entspricht.
Nach Vorausberechnungen der Rentenversicherung könnte die Nachhaltigkeitsrücklage von 0,99 Monatsausgaben Ende 2026 auf 0,36 Monatsausgaben Ende 2027 sinken, nahe an der gesetzlichen Untergrenze von 0,3 Monatsausgaben. Für Anfang 2028 prognostiziert die Rentenversicherung einen Anstieg des Beitragssatzes von derzeit 18,6 auf 19,9 Prozent.
Noch ist kein Gesetzentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium vorgelegt — doch diskutiert werden bereits Härtefallregelungen, eine Schonfrist von fünf bis zehn Jahren und ein kleinerer Begünstigtenkreis bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Wer Personalplanung über mehrere Jahre verantwortet, braucht hier Orientierung statt Gerüchte. Der kostenlose Leitfaden fasst die geprüften Kompromisslinien zusammen und leitet daraus fünf Handlungsoptionen für HR ab. Leitfaden mit den 5 HR-Handlungsoptionen sichern
Gegen die Spar- und Reformvorhaben formiert sich breiter Widerstand. Am 26. September 2026 protestierten nach DGB-Angaben rund 175.000 Menschen in 15 Großstädten gegen die Kürzungspläne bei Rente, Gesundheit und Pflege.
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi verlangte bei einer Kundgebung in Essen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren dürfe nicht fallen. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter hielt den Gewerkschaften hingegen rituelle Reformverweigerung vor und betonte, dass sich demografische Entwicklungen und der Fachkräftemangel nicht wegdemonstrieren ließen.
