Rentenfalle, Ostdeutschland

Rentenfalle Ostdeutschland: 54% verdienen zu wenig für sichere Rente

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Über die Hälfte der ostdeutschen Vollzeitkräfte verdient zu wenig für eine Rente oberhalb der Armutsgrenze, belegen neue Daten.

Ostdeutsche Gehälter: Mehrheit droht Altersarmut trotz Vollzeit
Eine ältere Person sitzt nachdenklich an einem Küchentisch vor Finanzunterlagen und einem Taschenrechner. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Mehr als jeder zweite Vollzeitbeschäftigte in Ostdeutschland verdient zu wenig für eine Rente oberhalb der Armutsgrenze. Das geht aus aktuellen Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hervor.

Konkret: Ein Bruttogehalt von mindestens 3.771 Euro monatlich ist nötig, um nach 45 Jahren Arbeit eine Rente über der Armutsgefährdungsschwelle zu erhalten. Die liegt derzeit bei 1.446 Euro brutto – 60 Prozent des Median-Einkommens. Die Daten basieren auf einer Anfrage der Linken-Fraktion vom April 2025.

54 Prozent der Ost-Vollzeitbeschäftigten betroffen

Bundesweit verdienen rund 39 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten weniger als 3.700 Euro brutto. In Ostdeutschland sind es 54 Prozent. Besonders krass ist die Lage in Sachsen-Anhalt: Dort arbeiten über 300.000 Vollzeitbeschäftigte für einen Lohn, der später nicht für eine Rente über der Armutsgrenze reicht.

Bereits heute gelten in Sachsen-Anhalt rund 81.000 Senioren über 65 als armutsgefährdet. Frauen sind mit 16 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 12 Prozent. Ursachen: niedrigeres Lohnniveau, schwächere Tarifbindung und Erwerbsbiografien mit Brüchen nach der Wende.

569 Euro Lohnunterschied zwischen Ost und West

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Eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion vom 17. Juli 2026 unterstreicht die anhaltende Lohnschere. Das Medianentgelt lag 2023 im Osten bei 3.329 Euro, im Westen bei 3.898 Euro – eine Differenz von 569 Euro.

Die regionalen Unterschiede führen zu absurden Vergleichen: Fachkräfte in Sachsen verdienten im Schnitt 2.936 Euro – kaum mehr als Hilfskräfte in Baden-Württemberg mit 2.907 Euro. In Sachsen-Anhalt bekommen fast 61 Prozent der Beschäftigten weniger als 3.900 Euro brutto, bundesweit der Spitzenwert.

Immer mehr Rentner brauchen staatliche Hilfe

Die Folgen sind bereits in den Sozialstatistiken sichtbar. Ende 2024 bezogen knapp 700.000 Rentnerhaushalte Wohngeld – mehr als doppelt so viele wie 2020 (300.000). Rentner stellen inzwischen über die Hälfte aller Wohngeldempfänger.

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Parallel stieg die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter auf 1,26 Millionen – ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Experten schätzen die Dunkelziffer hoch: Bis zu 60 Prozent der Anspruchsberechtigten stellen keinen Antrag. Der aktuelle Regelsatz für Alleinstehende liegt bei 563 Euro.

Heftige Kritik an geplanten Rentenreformen

Die Rentenkommission der Bundesregierung schlägt unter anderem eine schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters ab 2042 vor – um ein halbes Jahr pro Jahrzehnt. Zudem soll eine neue Kapitalsäule mit paritätischen Beiträgen von ein bis zwei Prozent des Lohns kommen. Ziel: Das Rentenniveau bis 2050 bei 48 Prozent stabilisieren.

Die Pläne der Koalition, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren und die Rente mit 63 abzuschaffen, stoßen auf scharfe Kritik. Linken-Abgeordneter Dietmar Bartsch nannte die Vorhaben angesichts der Lohndaten „inakzeptabel" und forderte politische Maßnahmen für ein Hochlohnland. Auch Linken-Politikerin Eva von Angern sprach von einem „sozialen Rückschritt".

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