Renteneintritt, Klempner

Renteneintritt 67: 72% der Klempner glauben nicht ans Durchhalten

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 15:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Diskussion um das Renteneintrittsalter 67 für körperlich belastende Berufe ist neu entbrannt. Aktuelle Daten zeigen, dass viele Beschäftigte in Branchen wie Bau und Pflege nicht bis zur Regelaltersgrenze durchhalten.

Rente mit 67: Debatte um Belastung in körperlich fordernden Berufen
Erschöpfter Bauarbeiter auf einer Baustelle als Symbol für die körperliche Belastung bei der Arbeit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Diskussion über die gesundheitliche Machbarkeit des Renteneintrittsalters von 67 Jahren ist am 4. August 2026 für körperlich belastende Berufe erneut entfacht worden. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Arbeitnehmer in Branchen wie dem Bauwesen oder der Pflege die gesetzliche Altersgrenze in gesundem Zustand erreichen können. Aktuelle Daten aus der Bauindustrie im Landkreis Göttingen verdeutlichen die Problematik: Dort sind von knapp 3.100 Beschäftigten lediglich 180 Personen über 60 Jahre alt.

Geringe Erwartungen an das Durchhalten bis zur Altersgrenze

Experten wie Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wiesen am 4. August 2026 darauf hin, dass many Beschäftigte in belastenden Berufen das reguläre Renteneintrittsalter nicht erreichen. Die Gewerkschaft IG BAU fordert vor diesem Hintergrund eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die tatsächliche Härte der Arbeit.

Diese Einschätzung wird durch den DGB-Index Gute Arbeit gestützt, für den zwischen 2022 und 2026 insgesamt 27.989 Beschäftigte befragt wurden. Demnach glauben 40 Prozent der Arbeitnehmer nicht daran, bis zur Rente durchzuhalten. In Berufen mit schwerer körperlicher Arbeit steigt dieser Anteil auf 72 Prozent. Besonders betroffen sind Klempner sowie Beschäftigte in den Bereichen Sanitär, Heizung und Klimatechnik mit einer Quote von 72 Prozent, gefolgt von der Krankenpflege mit 71 Prozent und der Altenpflege mit 67 Prozent. Im Hochbau gehen 66 Prozent der Befragten davon aus, vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu müssen, während es bei Erziehern 57 Prozent sind.

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Regionale Unterschiede und Gesundheitszustand älterer Arbeitnehmer

Aktuelle Gesundheitsreports der DAK geben Aufschluss über die Wünsche und den Gesundheitszustand der Generation 50 plus. In Rheinland-Pfalz äußerten laut Daten vom 3. August 2026 rund 59 Prozent der Beschäftigten über 50 Jahre den Wunsch, früher in Rente zu gehen. Damit liegt der Wert über dem Bundesdurchschnitt. In Niedersachsen liegt dieser Anteil bei 54 Prozent, wobei der Wert bei bestehenden gesundheitlichen Problemen auf 57 Prozent steigt.

Interessante Einblicke bieten die Statistiken zu Krankmeldungen: Ältere Arbeitnehmer sind demnach seltener krankgemeldet als jüngere Kollegen. In Niedersachsen entfallen auf 100 Versicherte bei den Älteren 170 Fälle gegenüber 226 Fällen bei den Jüngeren. Allerdings sind ältere Beschäftigte deutlich länger krankgeschrieben. Während Jüngere im Schnitt 8,1 Tage ausfallen, sind es bei den über 50-Jährigen 16,2 Tage. In Rheinland-Pfalz zeigt sich ein ähnliches Bild mit 16,9 Tagen gegenüber 8,5 Tagen.

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Politischer Streit um die Rente nach 45 Beitragsjahren

Parallel zur Debatte über die Belastung wird politisch über die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren gestritten. Unionsfraktionschef Thorsten Frei betonte am 4. August 2026, dass es hierfür keinen Verhandlungsspielraum gebe. Demgegenüber steht erheblicher Widerstand, insbesondere aus den ostdeutschen Bundesländern. Sachsen-Anhalts Ministerpräsidentin Reiner Haseloff und weitere Regierungschefs wie Michael Kretschmer verteidigen die Regelung und fordern die Berücksichtigung ostdeutscher Lebensrealitäten. Laut DIW nutzen im Osten 36 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen die Rente nach 45 Jahren, was deutlich über den Quoten im Westen liegt.

Die Rentenkommission empfiehlt die Abschaffung dieser Rentenform, was laut Experten jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag einsparen würde – konkret wird die Summe auf 13 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Als Ersatz schlägt Kommissionsmitglied Reddig eine soziale Schutzrente für gesundheitlich eingeschränkte Personen vor. Diese solle nach einer Gesundheitsprüfung greifen. Zudem empfiehlt die Kommission einen erleichterten Zugang zur Erwerbsminderungsrente (EM-Rente). Aktuell erhalten Versicherte eine volle EM-Rente bei einer Arbeitsfähigkeit von weniger als drei Stunden, während bei drei bis sechs Stunden eine teilweise Rente gezahlt wird. Die Mindestversicherungszeit beträgt hierfür fünf Jahre.

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