Rentendebatte: 40 Prozent der Beschäftigten zweifeln am Durchhalten
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 04:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert eine gesetzliche Verpflichtung für Arbeitgeber, zwei Prozent vom Lohn als Betriebsrente einzuzahlen. Der Vorschlag ist eine Reaktion auf die Empfehlungen der Rentenkommission, die aus Sicht der Gewerkschaften zu vage bleiben.
„70 Prozent sind zu unverbindlich“
Fahimi kritisierte die Vorschläge der Rentenkommission als unzureichend. Besonders die angestrebte Nettoersatzquote von 70 Prozent sei zu unkonkret formuliert. Die DGB-Chefin warnt: Die aktuelle Reformrichtung verlagere die Verantwortung für die Altersvorsorge zunehmend auf den Einzelnen.
Unterstützung bekam Fahimi von Verdi-Chef Frank Werneke. Er attackierte die geplante Kapitaldeckung in der betrieblichen Altersversorgung. Sein Vorwurf: Der Systemwechsel gefährde die Verlässlichkeit der Betriebsrenten. Die Rentenkommission hatte die Sozialpartner aufgefordert, eigenständige Lösungen zu finden. In ihren Empfehlungen ist ab 2040 eine Kapitalrente mit einem zweiprozentigen Pflichtbeitrag vorgesehen.
Jeder Zweite zweifelt am Durchhalten
Die Forderungen untermauert eine DGB-Studie unter 28.000 Beschäftigten (2022 bis 2026). Ergebnis: 40 Prozent glauben nicht, dass sie bis zum Rentenalter durchhalten. Im Vorjahr waren es 39 Prozent. Besonders hoch ist die Skepsis bei körperlich schwerer Arbeit (72 Prozent), Lärmbelastung (61 Prozent) oder hohem Zeitdruck (59 Prozent).
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Fahimi lehnt eine weitere Anhebung des Rentenalters ab. Ein wissenschaftlicher Beraterkreis hatte vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Das könnte bis 2060 zu einer Regelaltersgrenze von 73 Jahren führen. CSU-Chef Markus Söder sprach sich zudem für die Abschaffung der Rente mit 63 aus. Die Bundesregierung will bis Ende 2026 eine Reform verabschieden.
Widerstand in der SPD
Innerhalb der SPD regt sich Widerstand gegen eine mögliche Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Die Spitzenkandidaten Armin Willingmann, Manuela Schwesig und mehrere Berliner Politiker lehnen Kürzungen ab. Willingmann verwies auf die regional rückläufige Lebenserwartung in Sachsen-Anhalt.
Die Wirtschaftsweisen schlagen vor, Rentenanpassungen stärker an die Inflation statt an die Lohnentwicklung zu koppeln. Ein Blick nach Österreich zeigt: Dort liegt der Beitragssatz zur Rentenversicherung bei 22,8 Prozent – in Deutschland bei 18,6 Prozent.
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Milliardendeckellücke und Beamtenpensionen
Die Alterssicherungskommission fordert eine vollständige Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen. 2023 klaffte eine Deckungslücke von 40 Milliarden Euro: 124 Milliarden Euro nicht beitragsgedeckte Leistungen standen 84 Milliarden Euro Bundeszuschüssen gegenüber.
Die Rentenkommission schlägt zudem Änderungen bei Beamtenpensionen vor. Die Wartezeit nach der letzten Beförderung soll von zwei auf fünf bis zehn Jahre verlängert werden. Aktuell liegt die Durchschnittspension bei 3.416 Euro, die gesetzliche Rente bei 1.289 Euro. Eine vollständige Eingliederung der Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung gilt als verfassungsrechtlich schwierig. Die Grünen fordern unterdessen eine Bürgerversicherung, in die Beiträge auf alle Einkommensarten gezahlt werden.
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