Rentenbeitrag: Satz springt bis 2028 auf 19,9 Prozent
02.06.2026 - 04:22:29 | boerse-global.deLaut aktueller Frühjahrsprognose der Deutschen Rentenversicherung (DRV) vom 1. Juni 2026 klettert der Beitragssatz bis 2028 auf 19,9 Prozent – 0,1 Prozentpunkte mehr als noch in früheren Schätzungen angenommen.
Aktuell liegt der Satz bei 18,6 Prozent. Der Sprung auf 19,9 Prozent bedeutet für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine spürbare Mehrbelastung. Ein Durchschnittsverdiener muss ab 2028 mit rund 510 Euro mehr pro Jahr rechnen, die allein auf seinen Arbeitnehmeranteil entfallen – das sind 42 Euro monatlich. Rechnet man den Arbeitgeberanteil hinzu, steigt die jährliche Belastung für den Durchschnittsverdiener auf insgesamt rund 1.040 Euro, also 87 Euro pro Monat.
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Wer wie stark belastet wird
Die konkreten Mehrkosten hängen vom Einkommen ab. Die DRV-Prognose zeigt:
- Bei 3.000 Euro Bruttomonatsgehalt: 234 Euro mehr pro Jahr
- Bei 4.500 Euro Bruttomonatsgehalt: 351 Euro mehr pro Jahr
- Bei 8.500 Euro (Beitragsbemessungsgrenze): 659 Euro mehr pro Jahr
Die gesamten Beitragseinnahmen steigen entsprechend: von 324 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf 355 Milliarden Euro im Jahr 2028.
Langfristiger Trend: Bis 2040 steigen die Sätze weiter
Der Anstieg 2028 ist erst der Anfang. Die DRV rechnet mit einer kontinuierlichen Erhöhung:
- 2029: 20,0 Prozent
- 2031: 20,2 Prozent
- 2032: 20,5 Prozent
- 2033: 20,7 Prozent
- 2034: 20,9 Prozent
- 2036 bis 2040: 21,1 Prozent
Ökonomen wie Martin Werding vom Sachverständigenrat warnen: Ohne grundlegende Reformen könnte der Gesamtsozialversicherungsbeitrag – also Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zusammen – bis 2040 auf rund 50 Prozent klettern. Ein Wert, der den Wirtschaftsstandort Deutschland massiv belasten würde.
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Politische Weichenstellungen
Ein Grund für den beschleunigten Anstieg: Finanzminister Klingbeil plant offenbar, die Bundeszuschüsse zur Rentenkasse um vier Milliarden Euro zu kürzen. Der Rentenexperte Franz Ruland beziffert die Folge: Allein diese Kürzung mache eine Erhöhung des Beitragssatzes um rund 0.2 Prozentpunkte nötig.
Trotz der steigenden Belastung für Beitragszahler gibt es auch eine gute Nachricht für Ruheständler: Zum 1. Juli steigen die Renten um 4,24 Prozent. Ob das reicht, um die Inflation auszugleichen, bleibt abzuwarten.
Reformkommission soll Lösung liefern
Die Politik setzt auf eine eigens eingesetzte Rentenkommission. Sie soll bis zum 29. Juni neue Reformvorschläge vorlegen. Die Frage ist, ob die Vorschläge ausreichen, um das System langfristig stabil zu halten – oder ob die Beitragszahler in den kommenden Jahrzehnten noch tiefer in die Tasche greifen müssen.
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