Rente mit 63: DIW-Studie sieht 9,5 Milliarden Euro Sparpotenzial
04.06.2026 - 11:06:05 | boerse-global.deEine neue Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt: Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 könnte den Staatshaushalt massiv entlasten und dem Arbeitsmarkt dringend benötigte Fachkräfte sichern.
Die am 3. Juni 2026 veröffentlichte Studie, die von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Schluss, dass jeder Geburtsjahrgang rund 9,5 Milliarden Euro einsparen würde. Aktuell nutzen jährlich zwischen 250.000 und 280.000 Menschen die Möglichkeit des vorgezogenen Ruhestands ohne Abschläge.
Rechenbeispiel zeigt deutliche Entlastung
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Am Beispiel des Jahrgangs 1957 haben die Forscher durchgespielt, was eine Abschaffung konkret bedeuten würde: Die Rentenversicherung könnte sich um 10,4 Milliarden Euro brutto entlasten. Zieht man die rund 900 Millionen Euro ab, die der Kranken- und Arbeitslosenversicherung durch längere Beitragszahlungen entgehen, bleibt ein satter Nettogewinn.
Die betroffenen Arbeitnehmer würden ihren Ruhestand im Schnitt um zehn Monate verschieben, wenn die abschlagsfreie Rente wegfiele. Gleichzeitig blieben rund 125.000 Vollzeitkräfte dem Arbeitsmarkt erhalten. André Schleiter von der Bertelsmann Stiftung betont: „Die Ausgaben für dieses Programm sind hoch. Wir müssen die Frühverrentungsoptionen grundlegend überdenken."
Arbeitgeber fordern Ende – SPD bremst
Am heutigen Donnerstag eskalierte die Debatte: Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), bezeichnete die Rente mit 63 als „teuren Irrweg". Er fordert die Abschaffung, um die Sozialsysteme zu entlasten und den Fachkräftemangel zu bekämpfen.
Doch innerhalb der Ampel-Koalition regt sich Widerstand. Dagmar Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, wies die Forderungen am Donnerstag zurück. Sie verweist auf die Notwendigkeit, Beschäftigte in körperlich anstrengenden oder psychisch belastenden Berufen zu schützen. „Wir dürfen diejenigen nicht im Stich lassen, die bis zum regulären Rentenalter schlicht nicht durchhalten."
Kompromissvorschläge liegen auf dem Tisch
Die DIW-Studie und mehrere Analysten schlagen daher Mittelwege vor: etwa eine Einkommensgrenze oder eine Beschränkung auf bestimmte Berufsgruppen – statt einer pauschalen Abschaffung. Das könnte die Härten für besonders belastete Arbeitnehmer abfedern.
Demografischer Druck wächst
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Die Diskussion um die 2014 eingeführte Rente mit 63 wird durch die demografische Entwicklung befeuert. Zwar liegt das gesetzliche Renteneintrittsalter aktuell bei 66 Jahren und vier Monaten – doch 2024 arbeiteten nur 40 Prozent der Beschäftigten tatsächlich bis zu dieser Grenze.
Die Prognosen sind alarmierend: Derzeit kommen auf einen Rentner drei Beitragszahler. In 15 Jahren werden es voraussichtlich nur noch zwei sein. Experten warnen, dass das Rentensystem ohne Reformen kaum mehr als eine Grundsicherung bieten kann.
Die Bundesregierung plant angeblich ein umfassendes Reformpaket. Ob die Vorschläge der Studie darin aufgehen, ist fraglich. Rentenberater wie Andreas Irion bezweifeln die politische Durchsetzbarkeit – die Umsetzung sei „im aktuellen Klima schwierig".
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