Rente, Linke

Rente mit 61: Linke fordert abschlagsfreie Rente für Langzeitversicherte

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Linke will freien Renteneintritt ab 61 nach 45 Beitragsjahren. Ost-Länder und Ökonomen liefern sich einen erbitterten Streit über Kosten und Zukunft der Rente.

Rentenstreit: Linke fordert abschlagsfreie Rente ab 61, Ökonomen warnen vor Milliardenrisiken
Ein älterer Arbeitnehmer blickt konzentriert auf ein digitales Renten-Dashboard an einem modernen Arbeitsplatz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Diskussion um die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren eskaliert. Die Linkspartei will den Rentenbeginn künftig frei wählbar machen – ab 61 Jahren und ohne Abschläge. Wirtschaftsexperten warnen derweil vor Milliardenkosten.

Linke will Rente mit 61 ohne Abschläge

Parteichefin Ines Schwerdtner fordert: Wer 45 Jahre lang eingezahlt hat, soll selbst entscheiden, wann der Ruhestand beginnt. Möglich sein soll das bereits ab 61 Jahren – ohne finanzielle Einbußen.

Derzeit liegt die Hürde für den abschlagsfreien Renteneintritt bei 64,5 Jahren, schrittweise steigend auf 65. Schwerdtner nennt die Pläne der Rentenkommission zur Abschaffung dieser Regelung einen „Angriff auf Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und eingezahlt haben“.

Osten läuft Sturm gegen das Aus der Rente mit 63

In den ostdeutschen Bundesländern formiert sich parteiübergreifender Widerstand. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig warnt: Viele Erwerbstätige im Osten starten bereits mit 16 ins Berufsleben und erreichen die 45 Beitragsjahre daher oft schon mit 61. Ihr Land werde einer Reform im Bundesrat nicht zustimmen.

Unterstützung kommt von den ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Schulze und Voigt sowie der saarländischen SPD-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Auch in der SPD-Bundestagsfraktion mehren sich Stimmen, die Härtefallregelungen für Schichtarbeiter fordern.

Ökonomen: Ohne Abschaffung droht Schieflage

DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält dagegen: Die Abschaffung sei ein zentraler Baustein des Rentenpakets. Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ließen sich pro Rentenzugangsjahrgang langfristig rund zehn Milliarden Euro einsparen. Zudem würden etwa 125.000 zusätzliche Beschäftigte pro Jahrgang dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben.

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Die finanziellen Dimensionen sind enorm: 2025 nutzten 262.000 Menschen die abschlagsfreie Rente – Kostenpunkt: rund 13 Milliarden Euro jährlich. Fratzscher warnt zudem vor einer ungerechten Umverteilung von Jung zu Alt und von Geringverdienern zu Besserverdienenden.

Koalition sucht den Kompromiss

Trotz verhärteter Fronten deutet sich Bewegung an. Ein SPD-Fachpolitiker bringt Vertrauensschutz für Arbeitnehmer ab 58 oder 59 ins Gespräch. Die Union signalisiert Gesprächsbereitschaft über eine Stärkung der Erwerbsminderungsrente, falls die Rente mit 63 entfällt.

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Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas halten grundsätzlich am Rentenpaket fest. Bas zeigt sich jedoch offen für Anpassungen, um den Bundesrat zu überzeugen. CSU-Politiker Florian Dorn warnt davor, einzelne Bausteine aus dem Gesamtkonzept herauszulösen – das könnte die gesamte Reform in Schieflage bringen.

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