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Rente mit 45 Jahren: Arbeitgeber fordern Abschaffung für 9,5 Mrd. Euro

04.06.2026 - 10:30:02 | boerse-global.de

BDA verlangt Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren. DIW-Studie beziffert mögliche Einsparungen auf 9,5 Milliarden Euro pro Jahrgang.

Rente mit 45 Jahren: Arbeitgeber fordern Abschaffung für 9,5 Mrd. Euro - Bild: über boerse-global.de
Rente mit 45 Jahren: Arbeitgeber fordern Abschaffung für 9,5 Mrd. Euro - Bild: über boerse-global.de

Die Arbeitgeberverbände verschärfen ihren Druck auf die Politik: Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll abgeschafft werden. Eine neue Studie belegt angeblich massive Kosten für den Staat.

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Milliarden-Entlastung oder sozialer Kahlschlag?

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, bezeichnete die aktuelle Regelung am Mittwoch als „teuren Irrtum“. Sie entziehe dem Arbeitsmarkt dringend benötigte Fachkräfte. Die BDA beruft sich dabei auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Forscher rechnen vor: Würde die Möglichkeit gestrichen, nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge in Rente zu gehen, könnte der Staat pro Rentner-Jahrgang rund 9,5 Milliarden Euro sparen. Gleichzeitig blieben dem Arbeitsmarkt schätzungsweise 125.000 zusätzliche Vollzeitkräfte erhalten.

Wer ist betroffen?

Aktuell nutzen jährlich zwischen 250.000 und 280.000 Beschäftigte diesen Weg – das sind rund 30 Prozent aller neuen Altersrenten. Die DIW-Ökonomen berechneten, dass die Betroffenen ohne diese Option im Schnitt zehn Monate länger arbeiten würden.

Die Regelung wurde 2014 eingeführt. Zwar ist oft von der „Rente mit 63“ die Rede, doch die Altersgrenze steigt. Für den Jahrgang 1964 und jünger liegt das frühestmögliche Rentenalter ohne Abschläge bei 65 Jahren. Zum Vergleich: Die reguläre Altersgrenze beträgt derzeit 66 Jahre und vier Monate, die abschlagsfreie Frührente ist ab 64 Jahren und vier Monaten möglich.

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Modellrechnung für den Jahrgang 1957

Das DIW untersuchte die finanziellen Effekte am Beispiel des Geburtsjahrgangs 1957. Ergebnis: Die gesetzliche Rentenversicherung würde um 10,4 Milliarden Euro entlastet. Allerdings stünden dem 860 Millionen Euro geringere Steuer- und Sozialabgaben gegenüber – ein Effekt der veränderten Renteneintritte.

Politischer Widerstand formiert sich

Die Arbeitgeber-Forderung stößt auf entschiedene Ablehnung. Dagmar Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, wies die Abschaffungspläne zurück. Die Regelung sei keine Privilegierung, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Wer jahrzehntelang in die Sozialkassen eingezahlt habe, verdiene einen abschlagsfreien Ruhestand.

Auch die Linke warnt vor Einschnitten. Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Fraktion, relativierte die Studie: Die genannten 9,5 Milliarden Euro bezögen sich auf die gesamte Rentenbezugsdauer eines Jahrgangs – das entspreche nur etwa drei Prozent der jährlichen Rentenausgaben für diese Gruppe.

Härtefallregelungen als Kompromiss?

Sollte die Politik die Abschaffung tatsächlich beschließen, empfehlen DIW und Bertelsmann Stiftung begleitende Härtefallregelungen. Mögliche Maßnahmen:

  • Verpflichtende Gesundheitschecks zur Feststellung der Arbeitsfähigkeit
  • Nutzung der Erwerbsminderungsrente für körperlich nicht mehr belastbare Arbeitnehmer
  • Spezielle Übergangsregeln für besonders anstrengende Berufe

Die BDA pocht weiterhin auf eine vollständige Abschaffung. Die Befürworter der aktuellen Regelung halten dagegen: Wer 45 Jahre lang eingezahlt habe, solle auch ohne finanzielle Strafen in den Ruhestand gehen dürfen. Die Dorfdebatte dürfte in den kommenden Wochen an Schärfe gewinnen.

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