REMONDIS in Achmer: Katastrophenschutzübung mit Gefahrstoffen am 26. September
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Landkreis Osnabrück führen die Feuerwehr Bramsche sowie verschiedene Kreisfeuerwehreinheiten am heutigen 26. September 2026 eine umfassende Katastrophenschutzübung durch. Schauplatz der Simulation ist das Gelände des Entsorgungsunternehmens REMONDIS im Ortsteil Achmer. Die Übung dient dazu, die Einsatzbereitschaft und die technischen Abläufe bei Industrieunfällen mit gefährlichen Stoffen unter realitätsnahen Bedingungen zu validieren.
Umfassendes Szenario für Gefahrstoffeinsätze in Achmer
Das Übungsszenario sieht den Austritt von Gefahrstoffen aus unterschiedlichen Behältern vor. Die beteiligten Einsatzkräfte trainieren dabei spezifische Fachaufgaben, die über die Standardbrandbekämpfung hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen das fachgerechte Abdichten von Lecks sowie die Bergung beschädigter Behältnisse. Ein wesentlicher Teil der Operation umfasst zudem das Umlagern von chemischen Substanzen in bereitgestellte Sicherheitsbehälter.
Aufgrund der simulierten Gefahrenlage erfolgt der Einsatz maßgeblich unter Chemikalienschutzanzügen (CSA). Im Anschluss an die aktiven Maßnahmen an der Schadensstelle wird die notwendige Dekontamination der Einsatzkräfte und des Materials geübt. Das Unternehmen REMONDIS ist als sogenannter Störfallbetrieb gesetzlich dazu verpflichtet, derartige Übungen in regelmäßigen Abständen durchzuführen, um die internen und externen Alarmketten zu prüfen.
KATWARN-Auslösung und erhöhte Präsenz von Einsatzkräften
Parallel zum operativen Einsatz auf dem Werksgelände wird im gesamten Landkreis Osnabrück das Warnsystem KATWARN getestet. Die Probewarnung ergeht an registrierte Mobiltelefone in der Region. Die zuständigen Behörden betonten im Vorfeld, dass es sich hierbei lediglich um einen Probealarm handelt und keine akute Gefahr für die Bevölkerung besteht.
Anwohner im Umfeld des Geländes in Achmer müssen mit einer deutlich erhöhten Präsenz von Einsatzfahrzeugen und Feuerwehrkräften rechnen. Die Koordination der zahlreichen Einheiten im öffentlichen Raum ist ebenfalls Bestandteil der großangelegten Übung.
Landrätin Anna Kebschull verwies im Kontext der Sicherheitsmaßnahmen auf zwei Brände, die sich im Jahr 2026 bereits in dem Betrieb ereigneten. Sie unterstrich dabei, dass eine absolute Sicherheit in solchen Anlagen nicht garantiert werden könne, was die Bedeutung regelmäßiger Trainings unterstreiche.
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Landesweite Koordinierung und spezialisierte Fachübungen
Nicht nur in Niedersachsen, sondern auch in anderen Bundesländern stehen an diesem Wochenende komplexe Notfallszenarien im Fokus. In Rheinland-Pfalz beteiligen sich rund 5.000 Einsatzkräfte an mehr als 180 Einzelübungen.
Hier wird eine schwere Unwetterlage mit Starkregen und Sturmböen simuliert, die in exponierten Lagen Geschwindigkeiten zwischen 90 und 120 km/h erreichen können. Ziel ist die Erprobung der Kommunikationswege bis zum Lagezentrum Bevölkerungsschutz des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz (LfBK).
In Trier konzentrieren sich etwa 150 Einsatzkräfte auf den Umgang mit einem großflächigen Stromausfall. Das Szenario sieht vor, dass die Stromversorgung sukzessive im Stadtgebiet ausfällt, wobei die Feuerwehr 25 Notfall-Anlaufstellen für Bürger besetzt.
Weitere spezialisierte Übungen finden in Hamburg statt, wo bei der Übung „RedStorm Charlie“ ein Ammoniakaustritt mit mehreren Verletzten (MANV-Lagen) sowie der Einsatz von Chemikalienschutztrupps geprobt wird.
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Aktuelle Richtlinien für betriebliche Evakuierungskonzepte
Die Relevanz solcher Übungen wird durch aktuelle regulatorische Anpassungen gestützt. Bereits im Juli 2026 veröffentlichte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die überarbeitete Richtlinie VDI 4062 Blatt 1 unter dem Titel „Evakuieren von Personen im Gefahrenfall – Grundlagen“. Das Dokument ersetzt die Fassung von 2016 und bietet Arbeitgebern eine aktualisierte Basis für die Erstellung von Evakuierungskonzepten.
Die Neufassung sieht eine engere Verzahnung von Evakuierungs- und Brandschutzhelfern vor. Als oberstes Schutzziel wird die Selbstrettung definiert, deren Wirksamkeit durch regelmäßige Übungen nachzuweisen und zu dokumentieren ist.
Wie aktuelle Vorfälle zeigen, ist diese Vorbereitung essenziell: Erst am 24. September 2026 konnte in der Norma-Zentrale in Fürth eine unangekündigte Übung erfolgreich abgeschlossen werden, bei der rund 200 Mitarbeitende innerhalb weniger Minuten das Gebäude verließen, nachdem Kunstnebel einen Feueralarm ausgelöst hatte. Auch am WACKER-Standort Nünchritz wurde am selben Tag mit 100 Beteiligten die Bekämpfung von Emissionen und Produktaustritten trainiert.
