Reichensteuer, Sätze

Reichensteuer: Neue Sätze 45 und 47 Prozent ab 250.000 Euro

04.07.2026 - 01:30:27 | boerse-global.de

Das Steuerpaket der Bundesregierung bringt minimale Entlastungen, aber höhere Belastungen für Spitzenverdiener. Experten kritisieren fehlende Wachstumsimpulse.

Steuerpaket 2026: Spitzensteuersatz und Reichensteuer im Fokus
Reichensteuer - Eine Hand hält eine Lupe über ein komplexes Finanzdokument mit Zahlen und Diagrammen, die Steuersätze hervorheben. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Zentrum steht die Anpassung des Spitzensteuersatzes – und genau die sorgt für dicke Luft.

Minimale Anpassung beim Spitzensteuersatz

Die Reform hebt die Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz von 42 Prozent in zwei Stufen bis 2028 an. Aktuell liegt die Schwelle bei 69.879 Euro, künftig bei 70.600 Euro. Eine Verschiebung um gerade einmal 721 Euro.

Das IW Köln rechnet vor: 2005 wurde der Spitzensteuersatz erst ab dem doppelten Durchschnittsgehalt fällig. Heute greift er bereits beim 1,4-Fachen des Durchschnittsverdienstes.

Gleichzeitig wird die Reichensteuer verschärft. Ab 250.000 Euro Einkommen gelten künftig 45 Prozent – bisher lag die Grenze bei rund 277.800 Euro. Für Einkommen ab 280.000 Euro kommt ein neuer Satz von 47 Prozent. Die Mehreinnahmen? Rund 2,5 Milliarden Euro jährlich.

Experten bemängeln fehlende Entlastungswirkung

Wirtschaftsforscher zeigen wenig Begeisterung. Das DIW rechnet vor: Von den zehn Milliarden Euro entfallen 7,5 Milliarden auf den Ausgleich der kalten Progression. Für echte Entlastung bleibt kaum Spielraum.

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DIW-Ökonom Stefan Bach beziffert die Ersparnis für mittlere Einkommen auf gut 100 Euro pro Jahr. Besserverdiener können mit knapp 200 Euro rechnen.

Deutlich härter urteilt der Bund der Steuerzahler. Präsident Reiner Holznagel spricht von einer „Kleinstreform“. Viele Maßnahmen wie die Erhöhung des Grundfreibetrags auf 12.900 Euro oder die Kindergeldanpassung auf 272 Euro bis 2028 seien ohnehin gesetzlich vorgeschrieben.

Auch ifo-Chef Clemens Fuest kritisiert: Das Paket sei nicht wachstumsfreundlich und setze keine signifikanten Impulse.

Belastungen durch Sozialbeiträge zehren Ersparnis auf

Das eigentliche Problem liegt woanders. Laut IW-Untersuchung drohen die geringen Steuerentlastungen durch steigende Sozialabgaben vollständig aufgefressen zu werden. Der Rentenbeitrag soll bis 2028 von 18,6 auf 19,9 Prozent steigen.

Die politische Debatte kocht hoch. Die FDP spricht von einem „mutlosen Schritt“ – gemessen am Gesamtsteueraufkommen von fast einer Billion Euro. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger erkennt einen Kurswechsel, vermisst aber echte Entlastung für Leistungsträger.

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Der Sozialverband VdK fordert dagegen weitergehende Schritte: einen Spitzensteuersatz von 49 Prozent und eine Reichensteuer von 52 Prozent.

Was die Reform für Steuerzahler bedeutet

Die Auswirkungen unterscheiden sich massiv:

Eine Familie mit zwei Kindern und 60.000 Euro Bruttoeinkommen profitiert von over 600 Euro Entlastung – durch höhere Freibeträge und mehr Kindergeld.

Ein Single mit 50.000 Euro spart gerade einmal 178 Euro pro Jahr.

Hocheinkommensbezieher zahlen drauf. Bei einer Million Euro Jahreseinkommen steigt die Steuerlast laut DIW um fast 16.000 Euro.

In Nordrhein-Westfalen zeigen Daten die Reichweite: Rund 600.000 Menschen mit niedrigeren Einkommen profitieren. Etwa 100.000 Steuerzahler müssen durch die verschärfte Reichensteuer tiefer in die Tasche greifen.

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