Rechenzentren: Neue Effizienzpflicht mit PUE-Grenzwert 1,2 seit Juli 2026
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung forciert die energetische Transformation der digitalen Infrastruktur und setzt neue Rahmenbedingungen für industrielle Klimastrategien.
Im Zentrum stehen dabei verschärfte Vorgaben zur Energieeffizienz von Rechenzentren sowie ein Gesetzentwurf zur Zulassung der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, CCS). Damit reagiert die Politik auf den steigenden Energiebedarf durch Künstliche Intelligenz (KI) und die Notwendigkeit, Klimaziele im Industriesektor zu erreichen.
Nationale Strategie und gesetzliche Effizienzstandards
Bereits im März 2026 verabschiedete das Bundeskabinett die Nationale Rechenzentrumsstrategie. Diese sieht vor, die Kapazitäten in Deutschland bis zum Jahr 2030 mindestens zu verdoppeln.
Im Bereich der Hochleistungsrechner (HPC) und KI-Anwendungen wird sogar eine Vervierfachung der Rechenleistung angestrebt. Andreas Klesse, CTO von E.ON Energy Infrastructure Solutions, gab jedoch zu bedenken, dass die bloße Festlegung von Zielzahlen noch keine neuen Standorte schaffe.
Flankiert wird dieses Wachstum durch strenge Effizienzhürden: Ab dem 1. Juli 2026 greift für Neuanlagen eine Verpflichtung nach dem Energieeffizienzgesetz, einen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von maximal 1,2 zu erreichen.
Laut Experten wie Prof. Peter Radgen ist Deutschland damit das einzige EU-Land, das derart spezifische Mindestanforderungen an die Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien stellt. Ergänzend plant die EU laut Berichten eine Studie bis Ende 2027, um ein Nachhaltigkeitslabel von A bis G für Anlagen ab einer Leistung von 500 kW einzuführen.
Ressourcenverbrauch und wachsende Anforderungen durch KI
Die Relevanz dieser Maßnahmen unterstreichen aktuelle Verbrauchsdaten. Im Jahr 2025 verfügten rund 2.000 Rechenzentren in Deutschland über eine Kapazität von etwa 3 GW. Ihr Stromverbrauch belief sich auf rund 21,3 TWh, was zirka 4 % des gesamten deutschen Stromverbrauchs entsprach.
Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums prognostizieren einen Anstieg auf 31 TWh bis zum Jahr 2030 und bis zu 80 TWh im Jahr 2045. Auch der Wasserverbrauch rückte in den Fokus: Für das Jahr 2024 wurde der Einsatz in deutschen Rechenzentren auf schätzungsweise 1,85 Milliarden Liter beziffert.
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Der VDI weist darauf hin, dass KI die Struktur von Rechenzentren grundlegend verändert. Durch höhere Lasten pro Quadratmeter und pro Rack seien neue Kühlkonzepte zwingend erforderlich.
Zudem werde der Faktor „Time-to-Power“ – also die Zeit bis zur Bereitstellung der benötigten Netzleistung – zum entscheidenden Standortfaktor. Bei großen Projekten mit über 100 MW Anschlussleistung an Knotenpunkten wie Frankfurt am Main könne dieser Prozess derzeit sieben bis zehn Jahre in Anspruch nehmen.
Flexibilisierung der Netze und Abwärmenutzung
Wissenschaftliche Untersuchungen der TU Wien legen nahe, dass sich Rechenzentren künftig stärker an die Stromnetze anpassen müssen. Eine Modellstudie zeigte, dass eine zeitweise Drosselung der Leistung bei Netzüberlastung die Betriebsstabilität kaum gefährde – im Testzeitraum war eine Reduktion an nur maximal 35 Stunden pro Jahr notwendig.
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Ein weiterer Hebel ist die Nutzung von Abwärme. Während industrielle Prozesse oft Temperaturen von bis zu 100 °C liefern, liegt die Abwärme von Rechenzentren meist im Niedertemperaturbereich zwischen 25 und 45 °C. Mittels Wärmepumpen lässt sich diese Energie jedoch für kommunale Wärmenetze nutzen.
Ein Beispiel hierfür ist der Telehouse-Campus in Frankfurt-Gallus, der seit 2023 in Kooperation mit Mainova rund 1.300 Wohnungen im Quartier „franky“ mit Abwärme versorgt.
Fortschritte bei CO2-Entnahmeverfahren
Parallel zur Effizienzsteigerung treibt die Bundesregierung die rechtlichen Rahmenbedingungen für CO2-Entnahmen voran. Eine Marktanalyse der dena vom August 2026 zeigt, dass zwischen 2019 und Mitte 2026 in Deutschland bereits rund 28.000 Tonnen CO2 durch neuartige Verfahren entnommen wurden.
Während bislang primär Pflanzenkohleprojekte dominierten, stiegen die Vorverkäufe von Zertifikaten für Verfahren wie DACCS (Direct Air Carbon Capture and Storage) im Jahr 2025 massiv an. Rund 150 deutsche Unternehmen sind mittlerweile entlang dieser Wertschöpfungskette aktiv, um unvermeidbare Restemissionen zu kompensieren.
