Reallöhne, Geringverdiener

Reallöhne: Geringverdiener profitieren mit 7,0 Prozent Zuwachs

29.05.2026 - 14:19:36 | boerse-global.de

Die Reallöhne in Deutschland legen im ersten Quartal 2026 um 1,8 Prozent zu. Besonders Geringverdiener und Azubis profitieren von überdurchschnittlichen Steigerungen.

Reallöhne: Geringverdiener profitieren mit 7,0 Prozent Zuwachs - Foto: über boerse-global.de
Reallöhne: Geringverdiener profitieren mit 7,0 Prozent Zuwachs - Foto: über boerse-global.de

Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Damit setzt sich ein positiver Trend fort, der nun bereits drei Jahre anhält – der letzte Rückgang der realen Löhne wurde im ersten Quartal 2023 verzeichnet.

Der Zuwachs an Kaufkraft ergibt sich aus einer klaren Schere: Die Nominallöhne legten um 4,1 Prozent zu, während die Verbraucherpreise mit 2,2 Prozent moderater anzogen. Vollzeitbeschäftigte verzeichneten mit 4,3 Prozent sogar einen etwas stärkeren Anstieg.

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Gewinner und Verlierer der Lohnentwicklung

Die Gehaltssteigerungen verteilten sich höchst ungleich über die Branchen. Spitzenreiter ist die Bergbaubranche mit einem Plus von 6,9 Prozent, dicht gefolgt vom Finanzsektor (6,5 Prozent) und der Energiewirtschaft (5,9 Prozent). Das Schlusslicht bildet der öffentliche Dienst mit mageren 0,1 Prozent. Auch das Baugewerbe (2,9 Prozent) und der Bildungssektor (3,5 Prozent) blieben deutlich unter dem Durchschnitt.

Profitieren konnten vor allem Geringverdiener und Auszubildende. Wer im untersten Einkommensfünftel arbeitet, bekam 7,0 Prozent mehr Lohn – fast doppelt so viel wie die Spitzenverdiener im fünften Fünftel mit 3,5 Prozent. Auch Azubis legten mit 6,8 Prozent kräftig zu, gestützt durch eine Mindestausbildungsvergütung von 724 Euro.

Minijobber verzeichneten ein Plus von 4,4 Prozent. Grund dafür: Der gesetzliche Mindestlohn stieg auf 13,90 Euro, die monatliche Einkommensgrenze für Minijobs auf 603 Euro.

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Inflation als Risikofaktor

Trotz der erfreulichen Zahlen warnen Experten vor einer möglichen Trendwende. Thorsten Lübker vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung sieht den Konflikt mit dem Iran als Gefahr für die Kaufkraftgewinne.

Die Preisentwicklung zeigte bereits im Frühjahr erste Anzeichen von Volatilität: Lag die Inflation im Februar noch bei 1,9 Prozent und im März bei 2,7 Prozent, kletterte sie im April auf 2,9 Prozent – der höchste Stand seit Anfang 2024. Lübker befürchtet, dass eine durch geopolitische Spannungen angeheizte Inflation die aktuellen Lohnsteigerungen überholen könnte. Das würde die Reallöhne stagnieren lassen – ein Szenario, das an die Zeit seit 2020 erinnert.

Dominik Groll vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) zeigt sich etwas gelassener. Zwar könne die Kaufkraft in den kommenden Monaten weniger stark steigen, ein deutlicher Rückgang sei aber nicht zu erwarten. Klar ist: Die Sicherung der Kaufkraft bleibt ein entscheidender Faktor, um eine wirtschaftliche Stagnation zu vermeiden.

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