Ransomware: 79% der Angriffe nutzen gestohlene Zugangsdaten
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 08:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bedrohung durch Ransomware hat sich im ersten Halbjahr 2026 massiv verschärft. Kompromittierte Identitäten sind zum dominierenden Einfallstor geworden.
Laut einem aktuellen Branchenbericht von Sophos lassen sich 79% aller Ransomware-Angriffe auf gestohlene Zugangsdaten zurückführen. Der Trend zeigt eine klare Verschiebung: Während die Nutzung von Software-Exploits von 32% auf 18% zurückging, setzen Angreifer zunehmend auf legitime Benutzerkonten, um Sicherheitssysteme zu umgehen.
So gelangen die Angreifer an die Daten
In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 waren bösartige E-Mails (26%), Phishing (24%) und Brute-Force-Attacken (23%) die häufigsten Methoden zur Erlangung von Zugangsdaten. Die finanziellen Folgen sind enorm: In Großbritannien lag die mittlere Lösegeldforderung bei 2,5 Millionen US-Dollar, die durchschnittlichen Wiederherstellungskosten bei 1,7 Millionen US-Dollar. Trotz dieser Risiken zahlen 48% der betroffenen Organisationen.
KI macht Phishing gefährlicher
Künstliche Intelligenz treibt die Professionalisierung der Angreifer voran. Eine Untersuchung von Proofpoint unter deutschen Unternehmen zeigt: 66% der befragten Experten sehen eine gesteigerte Effektivität von Ransomware-Angriffen durch KI-Unterstützung. Besonders kritisch: Die verbesserte Authentizität von Phishing-Versuchen. 36% der betroffenen Unternehmen in Deutschland räumten ein, dass Mitarbeiter aufgrund der hohen Qualität KI-generierter Nachrichten hereinfielen.
KI-gestützte Phishing-Kits umgehen sogar moderne Schutzmaßnahmen wie die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA). Der Diebstahl von OAuth-Tokens oder der Missbrauch von Gerätecodes sind gängige Methoden. Zwischen Januar und April 2026 zielten rund 60% der im Darknet angebotenen kompromittierten Zugänge auf kleine und mittlere Unternehmen ab.
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Fallbeispiel Qilin: VPN-Lücke als Einfallstor
Die Gruppe Qilin zeigt exemplarisch die aktuelle Dynamik. Die Angreifer nutzten die Sicherheitslücke CVE-2026-0257 (CVSS-Score 7,8) in einer weit verbreiteten VPN-Lösung von Palo Alto Networks. Obwohl ein Patch Mitte Mai bereitgestellt wurde, begannen kurz darauf gezielte Angriffe auf ungepatchte Systeme.
Analysten von Arctic Wolf Labs beobachteten im Juni 2026, wie die Gruppe diese Schwachstelle ausnutzte, um SSL-VPN-Sitzungen ohne gültige Anmeldedaten aufzubauen. Nach dem Eindringen deaktivierten die Akteure Sicherheitssoftware wie Windows Defender und löschten Protokolldateien. Qilin war bereits im März 2026 durch einen Angriff auf die Partei Die Linke aufgefallen – damals wurden rund 1,5 Terabyte an Daten entwendet.
Rekordzahlen weltweit
Der globale Druck auf Unternehmen wächst kontinuierlich. Black Kite verzeichnete für den Zwölfmonatszeitraum bis Ende März 2026 insgesamt 7.551 Ransomware-Opfer weltweit – ein Anstieg von 25% gegenüber dem Vorjahr. Besonders im zweiten Halbjahr 2025 nahm die frequenz mit einem Zuwachs von 60% deutlich zu. Der März 2026 markierte mit durchschnittlich 28 Opfern pro Tag einen bisherigen Höchststand.
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Im Fokus der Angreifer steht die Fertigungsindustrie mit über 1.600 dokumentierten Vorfällen. Weitere stark betroffene Sektoren: Behörden, Technologieunternehmen und das Gesundheitswesen. Regional bleibt Nordamerika der Schwerpunkt – knapp die Hälfte aller Opfer stammt aus den USA. In Deutschland wurden 433 erfolgreiche Ransomware-Angriffe gezählt, womit die Bundesrepublik international den dritten Platz belegt.
Immer mehr Schwachstellen
Die technische Basis für Angriffe verbreitert sich rasant. Im ersten Halbjahr 2026 wurden über 37.000 neue Schwachstellen identifiziert – eine Steigerung von 51% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mehr als die Hälfte dieser Lücken wird als hochriskant oder kritisch eingestuft. Branchenexperten warnen zudem vor rund 2,3 Millionen potenziellen Angriffspfaden durch ungepatchte Software.
Angesichts dieser Entwicklung reichen reine Präventionsmaßnahmen oft nicht mehr aus. Täglich stehen schätzungsweise 33.000 Benutzerkonten im Visier von Password-Attacken. Unternehmen wird geraten, die Sichtbarkeit ihrer IT-Assets zu erhöhen, Netzwerke stärker zu segmentieren und automatisierte Reaktionsmechanismen zu implementieren.
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