Psychische Erkrankungen: Häufigster Grund für Arbeitsunfähigkeit
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 04:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der allgemeine Krankenstand sinkt leicht – doch psychische Erkrankungen steigen drastisch. Eine aktuelle Analyse der DAK für das erste Halbjahr 2026 zeigt: Der Krankenstand liegt bei 5,3 Prozent, ein minimaler Rückgang. Aber die Ursachen verschieben sich massiv.
Während Atemwegserkrankungen um 21 Prozent zurückgingen, legten psychische Diagnosen um 9 Prozent zu. Psychische Erkrankungen sind jetzt der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit.
Die „Always-on“-Falle
Über 60 Prozent der Beschäftigten berichten von gestiegener psychischer Belastung. Das belegen Erhebungen des ÖGB und von PwC. Haupttreiber: der anhaltende Fachkräftemangel. Laut KOFA fehlten 2025 bundesweit rund 370.000 qualifizierte Arbeitskräfte.
Die Folge: Arbeitsverdichtung pur. Der TÜV Rheinland warnt – das erhöht nicht nur das Unfallrisiko, sondern gefährdet massiv die mentale Gesundheit der Belegschaft.
Ein zentrales Problem ist die verschwimmende Grenze zwischen Job und Privatleben. Eine Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt: Die Hälfte der Befragten fühlt sich unter Druck, sofort auf Nachrichten zu antworten. Ein Drittel sieht sich verpflichtet, nach Feierabend erreichbar zu sein. Besonders betroffen: Frauen.
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Und im Urlaub? Eine Bitkom-Umfrage aus dem Frühjahr 2026 ergibt: 66 Prozent bleiben erreichbar. Mehr als die Hälfte fühlt sich von Kollegen dazu gedrängt, knapp die Hälfte nennt Erwartungen der Vorgesetzten.
Was HR jetzt tun kann
Experten fordern: Psychische Belastungen müssen systematisch in die betriebliche Gefährdungsbeurteilung. Fünf Kernmaßnahmen stehen im Fokus:
- Transparenz schaffen: Erwartungen an Erreichbarkeit klar formulieren
- Vorbildfunktion der Führung: Chefs müssen gesunde Kultur vorleben
- Gefährdungsbeurteilung: Psychische Faktoren systematisch erfassen
- Teamkultur sichtbar machen: Informelle Regeln reflektieren und anpassen
- Individuelle Ansätze: Unterschiedliche Lebensphasen berücksichtigen
Eine Expertin der Ernst-Abbe-Hochschule Jena betont: Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen können beim Aufbau präventiver Strukturen wertvoll helfen.
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Neue Wege gegen den Burnout
Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf startet zum Wintersemester 2026/27 das E-Coaching-Programm „StudyWell“. Es vermittelt Veränderungskompetenz und Selbstwirksamkeit – mit Gamification.
Künstliche Intelligenz wird zwiespältig diskutiert. Eine Expleo-Umfrage zeigt: Viele Führungskräfte fänden Arbeit ohne KI deutlich komplizierter. Doch Organisationen wie Atlassian warnen: KI beschleunigt zwar, verbessert aber selten die Arbeitslast systemisch.
International gibt es regulatorische Bewegung. Frankreich plant ab September 2026 ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige. In Florenz eröffnet nach dem Sommer das erste italienische Fachzentrum für digitale Entschleunigung.
Die Botschaft ist klar: Das Thema betrifft nicht nur die Arbeitswelt – es wird zur gesellschaftlichen Kernfrage.
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