Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Führen Ausfallstatistik mit 184 Fehltagen an

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 22:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Erstmals führen psychische Erkrankungen die Krankenstandsstatistik in Deutschland an. Die Politik reagiert mit neuen Gesetzen, während Ärzteverbände kritisieren.

Psychische Leiden überholen Atemwegsinfekte als Hauptkrankheitsgrund
Modernes, aufgeräumtes Büro mit einer Zimmerpflanze, das ein gesundes und ausgewogenes Arbeitsumfeld symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der allgemeine Krankenstand in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 leicht auf 5,3 Prozent gesunken. Doch hinter diesem Wert verbirgt sich ein grundlegender Wandel: Psychische Erkrankungen haben Atemwegserkrankungen als häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit abgelöst. Das zeigt die Auswertung von rund 2,2 Millionen Versicherten durch das IGES-Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit.

Psychische Diagnosen legen um neun Prozent zu

Mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten führen psychische Leiden die Statistik an – ein Anstieg um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Atemwegserkrankungen fielen dagegen um 21 Prozent auf 175 Fehltage zurück. Muskel-Skelett-Erkrankungen landen mit 174 Fehltagen auf Platz drei.

Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag bei rund 9,7 Tagen. Analysten führen die Zunahme auf anhaltenden Leistungsdruck, Personalmangel und wirtschaftliche Unsicherheiten zurück. Auffällig ist zudem ein Altersgefälle: Jüngere Beschäftigte fehlen seltener, Arbeitnehmer über 60 sind häufiger krankgeschrieben.

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Neue Instrumente für Langzeiterkrankte

Die Politik reagiert bereits auf den Wandel. Das am 10. Juli verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht unter anderem ein Teilkrankengeld und die Möglichkeit einer Teilkrankschreibung für längerfristig Erkrankte vor.

Die DAK fordert eine verstärkte Präventionsoffensive. Die neuen Instrumente könnten helfen, den Kontakt zwischen Langzeiterkrankten und dem Arbeitsplatz zu erhalten. Kritik kommt dagegen von Ärzteverbänden: Sie lehnen die geplante Nachweispflicht ab dem ersten Krankheitstag ab, die die telefonische Krankschreibung dauerhaft abschaffen würde.

Hausarztmangel droht ab 2040

Neben der aktuellen Situation bereitet die Zukunft Sorgen. Eine Untersuchung des IGES-Instituts für die Robert-Bosch-Stiftung prognostiziert bis 2040 über 12.000 unbesetzte Hausarztsitze bundesweit. Das könnte die frühzeitige Behandlung von Stressfolgen massiv erschweren.

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Hinzu kommt: Die geplante Streichung von Zuschlägen auf psychotherapeutische Leistungen könnte die Wartezeiten für Therapieplätze weiter verlängern. Die Folge wären längere Krankheitsverläufe bei psychischen Leiden.

Für Unternehmen heißt das: Investitionen in psychische Gesundheit und angepasste Arbeitsprozesse werden zur betrieblichen Notwendigkeit.

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