Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigste Ursache für Fehlzeiten
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 10:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Krankenstand in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken. Doch der Schein trügt: Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten. Arbeitgeber reagieren mit neuen Strategien.
Psychische Diagnosen legen um neun Prozent zu
Eine Analyse der DAK-Gesundheit zeigt: Der Krankenstand lag von Januar bis Juni bei 5,3 Prozent – ein leichter Rückgang gegenüber 5,4 Prozent im Vorjahr. Doch die Verschiebung der Ursachen ist dramatisch.
Psychische Erkrankungen verursachten 184 Fehltage pro 100 Versicherte. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig gingen Fehlzeiten wegen Atemwegserkrankungen um 21 Prozent zurück. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer stieg leicht auf 9,7 Tage.
DAK-Chef Andreas Storm fordert mehr Prävention. Besonders betroffen: Beschäftigte über 60 Jahre. Bei ihnen stieg der Krankenstand um 0,3 Prozentpunkte. Bei den 15- bis 24-Jährigen sank er dagegen leicht.
Betriebliche Krankenversicherung als Turbo für Facharzttermine
Angesichts dieser Entwicklung setzen Unternehmen verstärkt auf die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Sie ergänzt die gesetzliche Krankenversicherung und ermöglicht schnellere Facharzttermine sowie Chefarztbehandlungen.
Für Arbeitgeber gibt es steuerliche Anreize: Beiträge bis zu 50 Euro monatlich waren bereits 2025 als steuerfreier Sachbezug möglich. Ein entscheidender Vorteil: Vorerkrankungen werden ohne individuelle Gesundheitsprüfung mitversichert. Auch Familienangehörige profitieren von der Terminvermittlung.
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Teilkrankschreibung soll Wiedereinstieg erleichtern
Die Politik reagiert mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 10. Juli 2026. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Krankheitstage senken und die Finanzierung der gesetzlichen Kassen sichern.
Kernpunkt: die Einführung einer Teilkrankschreibung. Sie soll einen gleitenden Wiedereinstieg in den Job ermöglichen. Umstritten ist dagegen die geplante Streichung von Zuschlägen für psychotherapeutische Leistungen. Kritiker befürchten längere Wartezeiten auf Therapieplätze.
Der Kostendruck bleibt hoch. Der GKV-Zusatzbeitrag stieg 2026 auf durchschnittlich 2,9 Prozent – ein Gesamtbeitragssatz von 17,5 Prozent. Auch private Krankenversicherer spüren die Entwicklung. Die Debeka verzeichnete für 2025 Leistungsausgaben von 7,2 Milliarden Euro. Bei Wirbelsäulenkomplikationen erreichten Rechnungsbeträge bis zu 372.000 Euro. Selbst Standardeingriffe wie Blinddarmoperationen verteuerten sich auf rund 7.000 Euro.
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Konsequente Kontrollen: Unternehmen gehen gegen Krankschreibungen vor
Neben Prävention setzen Firmen vermehrt auf arbeitsrechtliche Mittel. Eine Umfrage der Pronova BKK ergab: Rund 60 Prozent der Beschäftigten haben sich schon einmal krankgemeldet, obwohl sie arbeitsfähig waren.
Unternehmen dürfen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Fehltag verlangen. Bei begründetem Verdacht können sie den Medizinischen Dienst einschalten oder Detekteien beauftragen. Ein nachgewiesenes Vortäuschen einer Erkrankung kann zur außerordentlichen Kündigung führen.
Parallel dazu digitalisiert sich die Branche. Die BCA AG erweiterte im Juli 2026 ihren Vergleichsrechner um Module für Krankenversicherungen und Grundfähigkeitsabsicherungen. Ziel: den steigenden Beratungsbedarf bei Arbeitgebern und Vermittlern abzudecken.
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