Psychische Erkrankungen: +9 Prozent mehr Krankschreibungen 2026
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat ein neues Dossier zu sozialen Beziehungen und psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz veröffentlicht. Die Qualität von Interaktionen gilt darin als wesentlicher Faktor für die psychosoziale Gefährdungsbeurteilung.
Konkrete Gestaltungsziele für Unternehmen stehen im Fokus. Dazu zählen ein respektvoller Umgang, die Einhaltung von Konfliktregeln, gegenseitige Unterstützung und die Anerkennung der Würde am Arbeitsplatz.
Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch
Die Relevanz dieser Faktoren untermauern aktuelle Gesundheitsdaten. Der allgemeine Krankenstand lag im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3 Prozent – leicht unter dem Vorjahresniveau. Doch psychische Erkrankungen legten um 9 Prozent zu. Sie sind damit die häufigste Ursache für Krankschreibungen.
Besonders deutlich zeigt sich der Trend in Bayern. Dort stiegen die psychisch bedingten Ausfalltage um 12 Prozent. Gleichzeitig sanken Fehlzeiten wegen Atemwegserkrankungen um 25 Prozent. Die durchschnittliche Krankschreibungsdauer erhöhte sich leicht auf 9,6 Tage. Die DAK-Landesleitung spricht sich daher für mehr Teilkrankschreibungen aus.
Homeoffice und Social Undermining als Risikofaktoren
Das BAuA-Dossier benennt spezifische Risiken für die soziale Gesundheit im Betrieb. Neben Einzelarbeit und unklaren Kompetenzen gilt die Zunahme von mobilem Arbeiten und Homeoffice als Herausforderung. Der notwendige Austausch werde dadurch erschwert.
Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Krankschreibungen – mit einem Anstieg von 9 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Das neue BAuA-Dossier zeigt, wie Sie mit gezielten Maßnahmen gegensteuern können. Jetzt kostenlosen HR-Report anfordern
Ein weiteres Problem: „Social Undermining“. Dahinter steckt eine subtile Form der Manipulation durch Kollegen, oft aus Neid oder Karriereangst. Zweideutiges Lob, unfreundliche Kritik oder das Vorenthalten von Informationen können Anzeichen sein. Betroffene sollten Vorfälle protokollieren und frühzeitig das Gespräch mit Vorgesetzten suchen.
Misstrauen des Arbeitgebers schadet zudem der Arbeitgebermarke. Laut Kununu-Daten erzielen Firmen, die Krankmeldungen skeptisch begegnen, im Schnitt nur 2,12 von 5 Sternen. Die Weiterempfehlungsrate liegt bei mageren 13,8 Prozent – der Gesamtdurchschnitt beträgt über 67 Prozent.
Wirtschaftliche Folgen und neue gesetzliche Regeln
Soziale Interaktion beeinflusst auch das Einkommen. Eine Untersuchung vom Juni 2026 zeigt: Ist das Team um 20 Prozent kompetenter, kann das nach fünf Jahren zu einem Gehaltsplus von 3,7 Prozent führen.
Die Kehrseite: Psychische Erkrankungen sind ein Hauptgrund für Erwerbsminderung. Laut Deutscher Rentenversicherung gingen 2024 rund 40,4 Prozent der neuen Erwerbsminderungsrenten auf psychische Leiden zurück.
Misstrauen bei Krankmeldungen schadet Ihrer Arbeitgebermarke massiv: Nur 2,12 von 5 Sternen und 13,8 Prozent Weiterempfehlungsrate – das ist vermeidbar. Erfahren Sie, wie Sie mit einer positiven Fehler- und Lobkultur die psychische Gesundheit Ihrer Belegschaft stärken. Leitfaden für respektvolle Führung jetzt sichern
Der Gesetzgeber reagiert. Seit dem 1. Juli 2026 müssen Jobcenter gesundheitliche Einschränkungen bereits in der Potenzialanalyse und im Kooperationsplan berücksichtigen. Vermittlungen sind nur noch zulässig, wenn sie gesundheitlich zumutbar sind.
Die Basis für ein gesundes Miteinander scheint in vielen Betrieben vorhanden. Laut BIBB- und BAuA-Daten von 2018 berichteten 87 Prozent der Befragten von guter Zusammenarbeit, 80 Prozent erhielten Hilfe von Kollegen. Allerdings bekamen nur 41 Prozent regelmäßig Lob von Vorgesetzten – ein Punkt, den das aktuelle Dossier als wichtigen Hebel für psychische Gesundheit hervorhebt.
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