Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: +6,9% Anstieg verdrängt Rückenschmerzen

31.05.2026 - 04:50:44 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen überholen Muskel-Skelett-Probleme als dritthäufigste AU-Ursache. DAK fordert Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt.

Psychische Erkrankungen: +6,9% Anstieg verdrängt Rückenschmerzen - Foto: über boerse-global.de
Psychische Erkrankungen: +6,9% Anstieg verdrängt Rückenschmerzen - Foto: über boerse-global.de

Die DAK-Gesundheit fordert einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt.

Der Krankenstand in Deutschland bleibt stabil hoch. Laut aktuellen Analysen der DAK-Gesundheit lag die Quote 2025 bei 5,4 Prozent. Im Schnitt waren versicherte Erwerbstätige 19,5 Kalendertage krankgeschrieben.

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Ein markanter Trend zeigt sich bei den Diagnosen: Psychische Erkrankungen legten um 6,9 Prozent zu. Sie verdrängten damit Muskel-Skelett-Probleme auf Platz drei der häufigsten AU-Ursachen.

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Das Gesundheitswesen hat die höchste Fehlzeitenquote: 6,2 Prozent, was 22,5 Fehltagen pro Kopf entspricht. Die geringsten Werte verzeichnet die Datenverarbeitung mit 3,4 Prozent beziehungsweise 12,6 Tagen.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm forderte angesichts dieser Zahlen die Einberufung eines Krankenstands-Gipfels im Bundeskanzleramt.

Streit um Teilkrankschreibung

Das von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) initiierte GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Fehlzeiten senken. Ende April 2026 beschloss das Bundeskabinett den Entwurf. Er sieht eine Teilarbeitsunfähigkeit vor: Beschäftigte können bei längeren Erkrankungen mit Zustimmung von Arzt und Arbeitgeber zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeiten.

Die medizinische Fachwelt lehnt das Modell ab. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezeichnet die Pläne als medizinisch unsinnig. KBV-Vize Stephan Hofmeister warnt vor einem nicht leistbaren bürokratischen Aufwand für die Praxen. Die vorgesehenen Stufen würden eine medizinische Präzision suggerieren, die in der Realität kaum objektivierbar sei.

Auch politische Gegner und Sozialverbände kritisieren das Vorhaben. Die Linke spricht von einem bürokratischen Fehlkonstrukt. Der Sozialverband Deutschland verweist auf mögliche Gesundheitsrisiken für die Versicherten.

Chronischer Schmerz rückt in den Fokus

Neben der politischen Debatte gewinnen spezifische Krankheitsbilder an Bedeutung. Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) steht im Fokus der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Anfang Juni informieren Einrichtungen wie die Sana Kliniken Lübeck im Rahmen des bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz über diese chronische Erkrankung.

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Schätzungen zufolge sind in Deutschland drei bis vier von 100 Menschen betroffen. Besonders häufig wird die Diagnose bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren gestellt.

Sensoren sollen Überlastungen erkennen

Technologische Neuerungen halten Einzug in die Prävention. Mitte Juni 2026 findet in Osnabrück der Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) statt. Dort werden neue Methoden der sensorbasierten Funktionsdiagnostik vorgestellt.

Professor Dirk Möller von der Hochschule Osnabrück forscht an der Analyse von Bewegungsabläufen. Ziel ist es, Überlastungen frühzeitig zu erkennen. Das DFG-Projekt „PA.H|LIFETIME.ai“ treibt diese Entwicklungen voran.

Neue Physiotherapie-Schule in Garmisch-Partenkirchen

Um den steigenden Bedarf an Fachkräften zu decken, wächst die Ausbildungsinfrastruktur. Im September 2026 soll am Beruflichen Schulzentrum Garmisch-Partenkirchen eine neue staatliche Schule für Physiotherapeuten den Betrieb aufnehmen. Die dreijährige Ausbildung ist zunächst einzügig geplant. Der Landkreis investiert erhebliche Summen in die bauliche Modernisierung und Ausstattung.

Private Initiativen unterstützen die therapeutische Arbeit zusätzlich. Das Blindeninstitut Würzburg erhielt Ende Mai eine Spende für spezialisierte Lagerungsmaterialien. Die Mittel sollen die Qualität in Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie durch individuell angepasste Hilfsmittel verbessern.

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