Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 366 Fehltage je 100 Versicherte laut DAK

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
DAK-Daten zeigen mehr Ausfalltage und längere Krankschreibungen; neue Angebote sollen Betriebe beim Umgang mit psychischen Belastungen unterstützen.
Ein ruhiger, leerer Büroarbeitsplatz mit natürlichem Licht und einer Pflanze, der eine Atmosphäre von Achtsamkeit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Immer mehr Unternehmen sehen sich im betrieblichen Alltag mit psychisch erkrankten Beschäftigten konfrontiert. Um Führungskräfte für Anzeichen seelischer Erkrankungen zu sensibilisieren und ihnen handlungssichere Schritte zu vermitteln, konzipierten der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker aus Bonn und der Bundesverband der Betriebskrankenkassen das Seminarprogramm „Psychisch krank im Job.

Was tun?“. Das Angebot richtet sich an Vorgesetzte und soll praxisnahe Maßnahmen vermitteln, um betroffene Mitarbeiter frühzeitig zu unterstützen. Wie dringlich solche Konzepte sind, unterstreichen aktuelle Auswertungen zum bundesweiten Krankheitsgeschehen.

Hohe Fehlzeiten durch seelische Leiden

Psychische Erkrankungen stellten im Jahr 2025 die zweithäufigste Ursache für Fehltage in Deutschland dar. Dies geht aus dem Psychreport 2026 der DAK-Gesundheit hervor, für den das IGES Institut die Daten von rund 2,4 Millionen Erwerbstätigen analysierte. Demnach entfielen 366 Fehltage auf je 100 Versicherte, was einer Zunahme von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 342 Tagen entspricht.

Die Zahl der Fälle belief sich auf 10,7 je 100 Versicherte, was einem Zuwachs von 3 Prozent entspricht. Insgesamt waren 7 Prozent der Beschäftigten von mindestens einer entsprechenden Krankschreibung betroffen. Die durchschnittliche Ausfalldauer erhöhte sich von 32,9 Tagen im Jahr 2024 auf 34,2 Tage im Jahr 2025.

Frauen verzeichneten mit 456 Fehltagen je 100 Versicherte deutlich höhere Ausfallzeiten als Männer mit 288 Fehltagen. Als wichtigste Diagnosegruppe erwiesen sich Depressionen mit 202 Fehltagen je 100 Versicherte, ein Zuwachs um 11 Prozent. Sie machten 55 Prozent aller psychisch bedingten Fehltage aus.

Auf Anpassungsstörungen entfielen 63,5 Tage beziehungsweise 17 Prozent. Langwierige Krankschreibungen von mehr als 42 Tagen Dauer stiegen um 12 Prozent an und verursachten 71 Prozent der psychisch bedingten Fehltage.

Mit fortschreitendem Alter verlängerte sich die Falldauer spürbar: von 12,6 Tagen bei den 15- bis 19-Jährigen auf 63,5 Tage in der Altersgruppe der über 60-Jährigen. Die DAK-Gesundheit empfiehlt Betrieben daher ein systemisches Betriebliches Gesundheitsmanagement.

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Stark betroffene Branchen im Vergleich

Die Auswertung der DAK-Gesundheit offenbart deutliche Branchenunterschiede. An der Spitze liegt das Gesundheitswesen mit 474 Fehltagen je 100 Versicherte, was rund 30 Prozent über dem Branchendurchschnitt rangiert. Es folgen die öffentliche Verwaltung mit 430 Fehltagen sowie der Bereich Bildung, Kultur und Medien mit 368 Fehltagen.

Differenziert nach Berufsgruppen zeigten sich bei medizinischen Gesundheitsberufen 409 Fehltage, während nichtmedizinische Gesundheitsberufe wie die Altenpflege einen Wert von 524 Fehltagen je 100 Versicherte erreichten.

Neue Instrumente für die betriebliche Gefährdungsbeurteilung

Um betriebliche Belastungsfaktoren strukturiert zu erfassen, laufen verschiedene Initiativen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin startete ein Projekt zur Entwicklung eines Handbuchs zur Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen, das sich an betriebliche Akteure und Multiplikatoren richtet. Im Rahmen von Expertengesprächen wurden dafür Umsetzungsstände, Hürden und Erfolgsfaktoren erhoben und erste Auswertungen vorgestellt.

Parallel dazu legte die Initiative Gesundheit und Arbeit nach vier Jahren Praxiseinsatz das überarbeitete Instrument „IGAcheck“ neu auf. Es erstellt branchen- und berufsspezifische Profile, um Schwerpunkte systematisch zu erkennen und Präventionsmaßnahmen gezielt zu steuern. Zuvor hatten Anwender Defizite bei der Gefährdungsbeurteilung bemängelt und eine Weiterentwicklung für zusätzliche Einsatzbereiche angeregt.

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Belastungsfaktor Arbeitszeit

Auch die Ausgestaltung von Arbeitszeiten steht im Fokus der arbeitswissenschaftlichen Debatte. Arbeitsmarktexperten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung warnen vor einer Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit, da eine Deregulierung vor allem für ältere Mitarbeiter und Beschäftigte in der Familienphase kontraproduktiv wirken könne.

Nach den Ergebnissen des DGB-Index Gute Arbeit 2025 arbeiten 43 Prozent der Beschäftigten häufig länger als acht Stunden am Tag, meist unfreiwillig. Fast die Hälfte dieser Gruppe fühle sich nach der Arbeit regelmäßig leer oder ausgebrannt.

Ruhezeiten von weniger als elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen führen der Untersuchung zufolge deutlich häufiger zu Erschöpfungszuständen. Zugleich belegt die WSI-Erwerbspersonenbefragung 2024, dass über die Hälfte der abhängig Beschäftigten Arbeitskräfteengpässe wahrnimmt, besonders in sozialen Berufen, im Baugewerbe und im Gastgewerbe.

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