Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 184 Fehltage pro 100 Versicherte – neuer Höchstwert

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 04:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Erstmals sind psychische Erkrankungen der häufigste Grund für Fehlzeiten. Der Krankenstand bleibt mit 5,3 Prozent auf hohem Niveau.

Krankenstand in Deutschland: Psychische Leiden überholen Atemwegserkrankungen
Medizinische Unterlagen und ein Stethoskop auf einem Schreibtisch als Symbol für den aktuellen Gesundheitsatlas. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Krankenstand in Deutschland bleibt auf hohem Niveau – doch die Ursachen verschieben sich massiv. Psychische Erkrankungen haben erstmals Atemwegserkrankungen als häufigsten Grund für Fehlzeiten abgelöst. Das zeigt eine aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit auf Basis von 2,2 Millionen Versicherten.

Während die Ausfälle durch Infekte deutlich zurückgingen, stieg die Belastung durch mentale Erkrankungen weiter an. Ein Strukturwandel mit Folgen für Unternehmen und Politik.

Psychische Erkrankungen auf Rekordhoch

Nach Auswertungen des IGES-Instituts lag der Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3 Prozent. Das sind nur 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Schnitt waren täglich 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben.

Die Verschiebung innerhalb der Diagnosegruppen ist frappierend: Psychische Erkrankungen legten um neun Prozent zu und erreichten mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten einen Höchstwert. Damit stehen sie erstmals an der Spitze der Statistik.

Atemwegserkrankungen fielen dagegen um 21 Prozent auf 175 Tage pro 100 Versicherten. Auf Platz drei folgen Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 174 Fehltagen. Die durchschnittliche Krankheitsdauer stieg leicht auf bis zu 9,7 Tage.

Jüngere häufiger krank – Ältere länger

Die Daten zeigen einen klaren Alterseffekt: Jüngere Beschäftigte melden sich öfter krank, aber für kürzere Zeit. Bei den über 60-Jährigen sind es weniger Meldungen, die aber deutlich länger dauern.

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DAK-Chef Storm sieht dringenden Handlungsbedarf bei Langzeiterkrankungen. Er unterstützt Überlegungen zur Einführung einer Teilkrankschreibung und die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Ziel: Die Verbindung zum Arbeitsplatz auch bei längeren Genesungsprozessen erhalten und die Wiedereingliederung erleichtern.

Bundesregierung startet Präventionsoffensive

Flankierend zu den neuen Gesundheitsdaten kündigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken am 20. Juli eine umfassende Präventionsoffensive an. Das bestehende Präventionsgesetz soll weiterentwickelt werden, die Gesundheitsförderung stärker in den Alltag einziehen.

Fünf Handlungsfelder stehen im Fokus: gesundes Aufwachsen, gesundes Arbeiten, gesundes Altern, Stärkung der Gesundheitskompetenz und Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen. Die Gesundheitsförderung soll zur tragenden Säule des Systems werden.

Hausärztemangel droht sich zu verschärfen

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Blick in die Zukunft: Eine Studie des IGES-Instituts für die Robert-Bosch-Stiftung vom 20. Juli prognostiziert eine dramatische Zuspitzung des Hausärztemangels. Bis 2040 könnten mehr als 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben – das wäre etwa jede fünfte Stelle. Voraussetzung: Es gibt keine tiefgreifenden Strukturverbesserungen.

Parallel belasten wirtschaftliche Entwicklungen die Gesundheitsakteure. Mindestens 17 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben durch Investitionen in Immobilienfonds Verluste in Millionenhöhe erlitten. Eine ifo-Studie warnt zudem: Einseitige Sparmaßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung könnten die Kosten in anderen Sozialversicherungszweigen wie der Pflege- oder Rentenversicherung in die Höhe treiben. Die Autoren plädieren für eine ganzheitliche Sozialstaatsrechnung.

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