Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Jeder fünfte wird nach Feierabend kontaktiert

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 10:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Mobile Arbeit und Erreichbarkeit nach Feierabend treiben psychische Diagnosen auf Rekordniveau. Industrieumfrage zeigt steigenden Druck.

Rekordbelastung: Psychische Fehltage in Deutschland erreichen neuen Höchststand
Ein moderner Schreibtisch bei Dämmerung mit Laptop und Smartphone als Symbol für die ständige digitale Erreichbarkeit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Belastung der Beschäftigten in Europa und Deutschland hat ein Rekordniveau erreicht. Eine Eurofound-Studie aus dem Juni 2026 und aktuelle Daten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zeigen: Mobile Arbeit und ständige Erreichbarkeit treiben die Zahl psychischer Diagnosen in die Höhe.

Fehltage durch Belastungsreaktionen stark gestiegen

Knapp 119 Krankentage je 100 Versicherte registrierte die KKH 2025 wegen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Das sind rund 80 Prozent mehr als 2017, als der Wert bei 66 Tagen lag. Insgesamt verzeichnete die Kasse 33.425 Fälle in diesem Diagnosebereich – 2017 waren es noch 19.658.

Damit sind Belastungsreaktionen inzwischen die häufigste psychische Diagnose und der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen. Eine Medizinerin der Kasse sieht die moderne Arbeitsweise mit Laptop und Smartphone als wesentlichen Stressfaktor – sofern klare Grenzen fehlen. Besonders die Fragmentierung der Arbeitszeit und Unklarheiten in den Abläufen belasteten die Beschäftigten zunehmend.

Arbeit ohne Grenzen: Jeder fünfte wird nach Feierabend kontaktiert

Die Eurofound-Studie zeigt: Etwa jeder fünfte Arbeitnehmer in der EU wird mehrmals monatlich außerhalb der regulären Arbeitszeit kontaktiert. Die Folgen sind messbar: 59 Prozent der Betroffenen fühlen sich gestresst – bei Beschäftigten ohne Kontakt nach Feierabend sind es nur 17 Prozent.

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Besonders gefährdet sind Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitszeiten oder im Homeoffice. Bei flexiblen Modellen liegt die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktaufnahme nach Dienstschluss bei 64 Prozent, bei festen Arbeitszeiten bei 49 Prozent. Im Homeoffice sind es 63 Prozent gegenüber 48 Prozent im Büro. Frankreich, Italien, Belgien, Spanien, Portugal, Irland, Griechenland und Luxemburg haben deshalb zuletzt gesetzliche Rahmenbedingungen für ein Recht auf Abschalten gestärkt.

Die ökonomische Dimension zeigt sich am Vereinigten Königreich: Dort leisteten Beschäftigte zuletzt rund 3,5 Millionen unbezahlte Überstunden – ein Gegenwert von etwa 28,5 Milliarden Pfund beziehungsweise 33,3 Milliarden Euro.

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Industrie unter Druck: Einsparungen und KI-Ängste

Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck in den Betrieben. Eine Umfrage unter mehr als 1.100 Industriebeschäftigten zeigt: 44 Prozent nehmen eine gestiegene Belastung wahr. Hauptursachen sind Einsparungen (49 Prozent) und Personalabbau (48 Prozent). In der Produktion ist die Belastung mit 59 Prozent deutlich höher als in der Verwaltung (37 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet mit weiter steigenden Anforderungen. Besonders jüngere Beschäftigte sorgen sich um ihre Zukunft: 37 Prozent der unter 30-Jährigen fürchten einen Arbeitsplatzverlust durch künstliche Intelligenz.

Experten empfehlen daher feste Arbeitszeiten und das konsequente Abschalten digitaler Endgeräte nach Feierabend. Nur durch klare Abgrenzung lasse sich der Stressspirale entgegenwirken.

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