Prostatakrebs-Vorsorge ab 45: Krankenkassen zahlen Tastuntersuchung, nicht PSA
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Pharmaunternehmen AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme haben für den Aktionsmonat Movember 2026 die bundesweite Aufklärungskampagne „Nichts verpassen" gestartet. Die Initiative zielt darauf ab, Männer für die Prostatakrebs-Früherkennung zu sensibilisieren und bestehende Hemmschwellen abzubauen.
Im Rahmen der Kampagne erscheinen im gesamten November Informationsvideos in den sozialen Medien. Als Experten begleiten unter anderem Thorsten Schlomm von der Charité Berlin, Markus Graefen von der Martini-Klinik am UKE Hamburg sowie der Urologe Volker Wittkamp das Projekt.
Zudem engagieren sich die ehemaligen Handball-Nationalspieler Michael und Uli Roth, die beide im Alter von 47 Jahren an Prostatakrebs erkrankt waren, als prominente Fürsprecher. Die Movember-Bewegung setzt sich seit ihrem Ursprung im Jahr 2003 in Melbourne weltweit für die Männergesundheit ein.
Häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland
Laut dem Robert Koch-Institut in der 15. Ausgabe des Berichts „Krebs in Deutschland 2021–2023" aus dem Jahr 2025 ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern hierzulande. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe treten in Deutschland jährlich 65.000 bis 80.000 Neuerkrankungen auf.
Etwa jeder siebte Mann erkrankt im Laufe seines Lebens daran, während das durchschnittliche Erkrankungsalter bei rund 71 Jahren liegt. Pro Jahr werden über 15.000 Todesfälle verzeichnet.
Wird die Erkrankung jedoch frühzeitig entdeckt, liegt die statistische Überlebensrate bei über 90 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sterben Männer in Deutschland im Schnitt vier Jahre früher als Frauen, was die Bedeutung präventiver Maßnahmen unterstreicht.
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Diskrepanz zwischen Kassenleistung und medizinischer Leitlinie
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen für Männer ab 45 Jahren einmal im Jahr eine Tastuntersuchung zur Vorsorge. Eine automatische Kostenübernahme für die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) über das Blut oder für eine Magnetresonanztomographie (MRT) besteht im Rahmen dieser Regelversorgung jedoch nicht. Dies führt zu einer spürbaren Diskrepanz: Während die gesetzliche Krankenversicherung primär die Tastuntersuchung bezahlt, empfiehlt die 2025 erneuerte medizinische Leitlinie die PSA-Bestimmung ab 45 Jahren als grundlegenden Ausgangswert.
Die Urologin Sophie Knipper vom Uniklinikum Tübingen wies darauf hin, dass der PSA-Test einen Tumor oft früher erkennen kann als das bloße Abtasten. Gleichzeitig weist die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf das Risiko von Überdiagnosen hin. Ein erhöhter PSA-Wert kann auch durch Entzündungen oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata hervorgerufen werden.
Für gesetzlich Versicherte ist die Blutanalyse in der Regel eine Selbstzahlerleistung, die laut Knipper 25–30 Euro kostet. Auch sogenannte PSA-Heimtests, die mit einem Blutstropfen aus der Fingerbeere arbeiten und nach 10–15 Minuten ein Resultat anzeigen, ersetzen keine ärztliche Untersuchung.
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Laut der aktualisierten Leitlinie richtet sich das weitere Vorgehen nach den gemessenen Werten: Bei einem Befund von höchstens 1,5 ng/ml genügt eine erneute Messung nach fünf Jahren. Liegt der Wert zwischen 1,5 und 2,99 ng/ml, werden Kontrollen etwa alle zwei Jahre empfohlen.
Bei Werten über 3 ng/ml soll eine weiterführende Diagnostik mittels MRT und gegebenenfalls einer Biopsie erfolgen. Dass dieser Weg wirksam sein kann, belegt der Fall des 62-jährigen Stefan Zehringer aus Bad Dürrheim: Nachdem sein PSA-Wert auf neun gestiegen war, wies eine anschließende MRT-Untersuchung ein Karzinom nach, das operativ entfernt werden konnte.
Informationsdefizite und körperliche Warnsignale
Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse verdeutlicht den Nachholbedarf bei der Aufklärung: Demnach fühlt sich nur etwa jeder dritte Mann beim Thema Männergesundheit gut informiert. Claudia Loos vom Sana-Klinikum Offenbach nennt konkrete Warnsignale, die Betroffene ärztlich abklären lassen sollten.
Dazu gehören ein auffallend schwacher Harnstrahl, nächtliches Wasserlassen von drei- bis fünfmal pro Nacht sowie Blut im Urin. Zudem gelten Erektionsstörungen als wichtiges medizinisches Signal und können ein frühes Anzeichen für kardiovaskuläre Risiken darstellen.
