Private Banken: Verdi ruft 150.000 Beschäftigte zum Streik auf
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTarifrunde für 150.000 Bankbeschäftigte
- Verdi fordert sechs Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
- Nachwuchskräfte sollen monatlich 300 Euro zusätzlich erhalten.
- Die zweite Verhandlungsrunde ist für den 2. November angesetzt.
Warnstreiks vor zweiter Tarifrunde
Verdi ruft in den Tarifverhandlungen für rund 150.000 Beschäftigte bei privaten Banken zu ersten bundesweiten Warnstreiks auf. Die Aktionen sollen den Druck vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November erhöhen, nachdem die Arbeitgeber zum Auftakt Anfang Oktober kein Angebot vorgelegt hatten.
Gewerkschaft fordert sechs Prozent
Verdi verlangt sechs Prozent mehr Gehalt sowie monatlich 300 Euro zusätzlich für Nachwuchskräfte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Erhöhungen sollen nach den Vorstellungen der Gewerkschaft auch für übertariflich und außertariflich bezahlte Beschäftigte gelten.
Verhandlungsführer Jan Duscheck sagte, bei den Gewinnen werde geliefert, beim Gehalt blieben die Banken ihren Beschäftigten ein Angebot schuldig. Wer täglich zum Erfolg der Branche beitrage, erwarte zu Recht eine faire Beteiligung.
Arbeitgeber lehnen Forderungen ab
Die Arbeitgeber wiesen die Forderungen als überhöht zurück. AGV-Banken-Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang sagte, der Warnstreik solle überschaubar bleiben und keine spürbaren Auswirkungen im Bankenbetrieb haben.
Ob die Arbeitgeber ein Gehaltsangebot vorlegen, hänge auch von der Verhandlungsbereitschaft von Verdi ab. Der Forderungskatalog müsse deutlich verschlankt werden.
Mehr freie Tage und KI-Regeln
Verdi fordert außerdem verbindliche Vereinbarungen zur Personalplanung und Qualifizierung beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Beschäftigte sollen Gehaltsbestandteile zudem in bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr umwandeln können.
Die Arbeitgeber lehnen auch diese Forderung ab. Sie entspreche einer Arbeitszeitverkürzung von fast zehn Prozent und führe jede seriöse Personalplanung ad absurdum. Bereits zum Gesprächsauftakt hatten sie unter anderem Verhandlungen über verschärfte Kündigungsschutzregeln abgelehnt.
Der Tarifkonflikt bei den privaten Banken verbindet klassische Entgeltfragen mit dem Wandel der Arbeitswelt. Verdi begründet die Forderungen mit den Gewinnen der Branche und gestiegenen Lebenshaltungskosten; zugleich sollen Regelungen zu künstlicher Intelligenz, Qualifizierung und Personalplanung den Beschäftigten mehr Sicherheit in einem technologischen Veränderungsprozess geben.
Für rund 150.000 Beschäftigte geht es damit nicht nur um die Höhe der Gehälter. Die Möglichkeit, Gehaltsbestandteile in bis zu 20 zusätzliche freie Tage umzuwandeln, würde den individuellen Gestaltungsspielraum erhöhen, aus Sicht der Arbeitgeber aber die verfügbare Arbeitszeit deutlich verringern. Der Streit berührt deshalb auch die Frage, wie Banken Personalbedarf und Servicebetrieb künftig organisieren.
Entscheidung in der zweiten Runde
Die Warnstreiks sollen vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November den Druck erhöhen. Entscheidend dürfte sein, ob die Arbeitgeber dann ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen und ob sich die Tarifparteien bei den nicht-monetären Forderungen annähern. Für Kundinnen und Kunden hängt die unmittelbare Bedeutung davon ab, welche Institute und Standorte sich an den Aktionen beteiligen; der Arbeitgeberverband erwartet keine spürbaren Auswirkungen im Bankenbetrieb.
