Präventionsnetzwerke, Bayern

Präventionsnetzwerke in Bayern: 89 von 96 Kommunen sind bereits dabei

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kommunen, Kliniken und Krankenkassen bauen barrierefreie, digitale und bewegungsorientierte Präventionsangebote aus.

Gesundheitsprävention: Regionale Netzwerke erweitern Angebote und Programme
Ein heller, moderner Gemeinschaftsraum mit Holzboden und Stuhlkreis vor einer Fensterfront mit Blick ins Grüne. Illustration mit AI erstellt.

Regionale Akteure und kommunale Netzwerke bauen ihre niederschwelligen Kursangebote zur Gesundheitsförderung und Prävention kontinuierlich aus. Ziel der Initiativen im deutschsprachigen Raum ist es, die Gesundheitskompetenz breiter Bevölkerungsschichten zu stärken, Barrieren abzubauen und den Zugang zu evidenzbasierten Maßnahmen im Alltag zu erleichtern.

Zielgruppenspezifische Initiativen und Barrierefreiheit

In Österreich setzen Träger auf maßgeschneiderte Konzepte für spezifische Zielgruppen. Die Lebenswelten der Barmherzigen Brüder Steiermark weiten den kostenlosen Kurs „gesund bleiben“ gemeinsam mit Alpha Nova, atempo, Chance B, LebensGroß und Mosaik auf mehrere steirische Bezirke aus.

Das Angebot richtet sich an Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Bis Ende 2028 sind insgesamt 15 Kurse mit 120 Modulen für rund 180 Teilnehmende geplant, gefördert durch den Gesundheitsfonds Steiermark.

Parallel dazu bereitet das Land Steiermark eine Erweiterung der bestehenden Versorgungsstrukturen vor. Ab Anfang 2027 sollen die Pflegedrehscheiben in Leibnitz, Graz-Umgebung und Murtal als „Pflegedrehscheibe Plus“ Community-Nursing-Aufgaben für Prävention und Gesundheitsförderung übernehmen.

Vorgesehen sind dabei auch präventive Hausbesuche. Das Modell wird zunächst zwei Jahre erprobt und evaluiert, bevor eine schrittweise Ausweitung auf weitere Regionen folgen soll; die regulären Pflegedrehscheiben bestehen seit 2020 in allen steirischen Bezirken.

Weitere regionale Akzente setzt das Land Tirol mit der Frauengesundheitsstraße, die in Reutte mit zehn interaktiven Stationen, kostenlosen Informationen und Gesundheitschecks startete – unter anderem zu Themen wie Herzgesundheit, Endometriose, Menopause, Ernährung und psychischer Gesundheit.

Zusätzliche Termine sind für den 7. Oktober in Lienz, den 8. Oktober in Kufstein und den 16. Oktober in Telfs angesetzt. Zudem steht die jährliche kostenlose Vorsorgeuntersuchung Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Österreich offen.

In Wien stellte die Beratungsstelle equalizent das Portal „besserleben.wien“ vor. Die Plattform bietet gehörlosen Menschen einen strukturierten Überblick über barrierefreie Angebote sowie Präventionsinformationen und Lernmaterialien in Österreichischer Gebärdensprache und leichter Sprache.

Kommunale Netzwerke und wissenschaftliche Bündelung

Auch in Deutschland treiben Landkreise und Städte strukturierte Präventionsnetzwerke voran. Der Landkreis Neumarkt baut eine GesundheitsregionPlus auf, um bestehende Versorgungslücken in den Bereichen Gesundheit, Pflege, Prävention und Betreuung zu schließen. Rund 50 Vertretende aus Gesundheitswesen, Wohlfahrt, Schulamt und Politik treffen sich Ende November 2026 zu einem ersten Austausch.

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Bayern setzt den 1. Januar 2027 als Frist für den Aufbau solcher Netzwerke; bis dahin haben sich bereits 89 von 96 Landkreisen und kreisfreien Städten angeschlossen. Zu den lokalen Angeboten zählen „Sport vor Ort“ und ein kostenfreies Demenzscreening am 28. Oktober 2026.

Auf wissenschaftlicher Ebene bündelt die Uniklinik Köln ihre Expertise mit dem neu gegründeten Centrum für Prävention (CeP). Acht spezialisierte Bereiche der Uniklinik und des CECAD arbeiten zusammen, um Forschungsergebnisse in evidenzbasierte Präventionsangebote zu überführen. Das Gründungssymposium widmete sich Impfbarrieren, Impfmüdigkeit sowie der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Schutzimpfungen.

Zahlen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) belegen die Akzeptanz frühzeitiger Prävention: Über 90 Prozent der befragten Eltern zeigten sich mit kommunalen Willkommensbesuchen für Familien mit Neugeborenen zufrieden oder sehr zufrieden. 84,3 Prozent erhielten dadurch einen guten Überblick über lokale Angebote, 82,5 Prozent fühlten sich bestärkt, Unterstützung anzunehmen, und 70,6 Prozent fühlten sich in ihrer Kommune willkommen.

Solche Besuche existieren in rund 60 Prozent der befragten Kommunen; im Jahr 2024 wurden je Kommune durchschnittlich 934 Familien kontaktiert und 518 besucht. Aktive Terminvorschläge erreichen laut NZFH Teilnahmequoten von bis zu 90 Prozent.

Digitale und bewegungsorientierte Programme

Krankenkassen erweitern unterdessen ihre digitalen Programme. Die SBK und die BIG direkt gesund vereinbarten zum 1. Oktober 2026 die Aufnahme des Programms Adon Care Plus von Adon Health in ihr Leistungsangebot.

Männliche Versicherte im Alter von 35 bis 65 Jahren können das Angebot ab Mitte Oktober nutzen. Es umfasst einen zwölfmonatigen Plattformzugang mit drei Masterclasses sowie bei individuellem Risiko einen Testosteron-Heimtest samt ärztlicher Videosprechstunde.

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Nach von den Kassen angeführten Studiendaten weist mehr als ein Drittel der Männer über 45 Jahre zu niedrige Testosteronwerte auf. Die Kooperation entstand über den Healthy Hub, der seit 2018 bereits 27 Start-ups in die Versorgung integriert hat; dessen siebter Wettbewerb läuft seit August 2026.

Flankiert werden die strukturellen Maßnahmen durch Vor-Ort-Aktionen. Im Landkreis Böblingen lädt das Netzwerk „KreisBBwegt!“ am 15. Oktober 2026 zu einer Informationsveranstaltung über offene Bewegungstreffs in das Landratsamt ein.

Im Rhein-Hunsrück-Kreis läuft vom 15. Oktober bis zum 1. Dezember 2026 die Aktion „Bewegter Herbst“ der Landesinitiative „Land in Bewegung“, bei der Bewegungszeiten via TEAMFIT-App erfasst werden; unter den Teilnehmenden wird eine Sporttasche im Gesamtwert von 150 Euro verlost.

Ergänzend widmet sich die Stadt Brandenburg an der Havel vom 10. bis 20. Oktober 2026 der seelischen Gesundheit. Fast jeder dritte Mensch in Deutschland ist im Laufe des Lebens zumindest zeitweise von einer psychischen Erkrankung betroffen.

Das Programm umfasst unter anderem Seminare zu Hochsensibilität und Yoga am 12. Oktober, Tai Chi am 13. Oktober, Shiatsu und Fachvorträge am 14. Oktober sowie Waldbaden am 17. Oktober. Lokale Vereine wie die Lichtquelle in Ganderkesee bieten ebenfalls Kurse zu Achtsamkeit und Familienbegleitung an.

Auf internationaler Ebene präsentierte sich das Watiska-Gesundheitsfestival im belgischen Waterschei (Genk) als Beispielprojekt beim Präventionsnetzwerk EUROPREV in Madrid, nachdem dort 14 Stadtteilpartner Angebote mit Schwerpunkt auf psychischer Gesundheit bereitgestellt hatten.

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