Porsche-Strategie: Michael Leiters setzt auf Luxus, Stellenabbau und neue Modelle
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPorsche-Chef Michael Leiters hat im Entwicklungszentrum Weissach den Sanierungsplan „Sportwagenschmiede ’35“ vorgestellt, mit dem der Sportwagenbauer durch mehr Exklusivität, neue Modelle und deutlich niedrigere Kosten wieder profitabler werden soll.
Weniger Autos, höhere Preise
Porsche will künftig bereits mit weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen die Gewinnschwelle erreichen. In den vergangenen Jahren war ein großer Teil des Konzerns noch auf eine Produktion von rund 350.000 Autos ausgerichtet.
Statt hoher Stückzahlen sollen teurere Fahrzeuge und umfangreichere Individualisierungen die Erträge steigern. Der Umsatz des Sonderwunsch-Programms soll sich mittelfristig versechsfachen. Bis 2030 soll der Anteil besonders teurer Modelle von etwa einem Drittel auf fast die Hälfte steigen.
Neue Modelle oberhalb des 911
Der durchschnittliche Preis der teuersten 10.000 verkauften Porsche soll bis 2030 von 270.000 auf 330.000 Euro steigen. Geprüft werden ein größeres und teureres SUV oberhalb des Cayenne sowie ein zweisitziger Supersportwagen über dem 911.
Gleichzeitig will Porsche die Zahl der Modellvarianten um rund 20 Prozent verringern. Die Elektroversionen von Boxster und Cayman sollen 2027 starten. Für 2028 ist ein neues SUV mit Verbrenner oder Plug-in-Hybrid neben dem elektrischen Macan angekündigt. Der 911 soll nach Leiters’ Aussage niemals vollelektrisch werden.
Kosten und Entwicklungszeit sinken
Die Entwicklungskosten für künftige Modellreihen sollen um bis zu 20 Prozent sinken, die Personalkosten in der Fertigung mittelfristig um bis zu 30 Prozent. Verkaufs- und Vertriebskosten sollen um 20 Prozent zurückgehen, bei den Materialeinzelkosten peilt Porsche rund zehn Prozent weniger als in bisherigen Planungen an.
Mehr Simulationen, eine geringere technische Komplexität und gemeinsame Bauteile im Volkswagen-Konzern sollen die Entwicklungszeit um bis zu 40 Prozent verkürzen. Porsche will sich zudem auf das Kerngeschäft konzentrieren und Beteiligungen sowie mehrere Tochtergesellschaften aufgeben oder schließen.
Abbau von bis zu 30 Prozent der Stellen
Die Belegschaft soll mittelfristig um 25 Prozent schrumpfen; strategisch strebt Porsche eine Reduzierung um 30 Prozent an. Besonders Verwaltung und Entwicklung sind betroffen, dort sollen 40 Prozent der Managementstellen entfallen. Ende 2025 beschäftigte Porsche weltweit rund 41.800 Menschen.
Ein im Sommer vereinbartes Zukunftspaket sieht unter anderem den Abbau von weiteren 5.000 Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 vor. Betriebsbedingte Kündigungen wurden im Gegenzug ausgeschlossen. In der Porsche-Heimat sollen insgesamt rund 9.000 Stellen wegfallen, hinzu kommen Programme in Leipzig und bei Tochterunternehmen.
China und die Gewinnziele
Porsche kämpft mit sinkenden Absätzen, einer schwächeren Nachfrage nach Elektroautos, US-Zöllen und hohen Kosten für die verlängerte Verbrennerstrategie. Der Gewinn nach Steuern sank 2025 um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr stabilisierte sich das Ergebnis.
Für China plant Leiters künftig höchstens noch einen Anteil von zehn Prozent am Absatz. 2020 waren fast 35 Prozent der Porsche-Fahrzeuge dorthin verkauft worden, 2025 knapp 15 Prozent. Porsche wolle den Markt trotz der veränderten Bedingungen nicht aufgeben.
Rendite soll wieder zweistellig werden
Mittelfristig soll Porsche aus 100 Euro Umsatz wieder 10 bis 15 Euro operativen Gewinn erzielen. Im ersten Halbjahr lag die operative Marge bei 7,80 Prozent. Der Umsatz soll in einigen Jahren zwischen 41 und 45 Milliarden Euro liegen, nach 36,3 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Die Gewinnschwelle soll bereits im kommenden Jahr unter 200.000 Fahrzeuge sinken. Ab 2028 sollen die elektrischen 718-Modelle den Absatz stützen, ab 2029 ein neues SUV mit Verbrennerantrieb spürbar zu Umsatz und Profitabilität beitragen. Die langfristig angestrebte Rendite von 15 Prozent bleibt unter den Spitzenwerten früherer Jahre.
Wende nach dem Wachstumsschub
Porsche versucht, einen Zielkonflikt der vergangenen Jahre aufzulösen: Die Marke soll weniger abhängig von hohen Verkaufszahlen werden, zugleich aber neue Modelle und höhere Preise zusätzliche Erlöse bringen. Der Ansatz verschiebt den Schwerpunkt vom Volumen- zum Wertwachstum. Dafür muss Porsche die Exklusivität der Marke bewahren, obwohl gemeinsame Bauteile und Konzernsynergien die Kosten senken sollen.
Besonders wichtig ist der chinesische Markt. Sein Anteil an den Porsche-Auslieferungen ist seit dem Spitzenjahr 2020 deutlich gesunken. Leiters plant deshalb konservativer und will China dennoch nicht aufgeben. Für Porsche bedeutet das, dass das Unternehmen Absatzrückgänge dort nicht kurzfristig durch eine Rückkehr zu früheren Volumina ausgleichen kann.
Hoher Druck auf Beschäftigte und Produkte
Der Umbau fällt in eine Phase, in der Porsche gleichzeitig in Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge investieren muss. Die angekündigten Modellstarts sollen Lücken schließen, während die Kürzung von Varianten und die kürzeren Entwicklungszeiten Komplexität reduzieren sollen. Ob diese Kombination aufgeht, hängt davon ab, ob Porsche Kosten senken kann, ohne die technische und gestalterische Differenzierung der Marke zu beschädigen.
Für die Beschäftigten ist der Plan unmittelbar relevant: Der Abbau betrifft Verwaltung, Entwicklung und Fertigung und reicht über bereits vereinbarte Programme hinaus. Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in der Region Stuttgart begrenzt zwar das Instrumentarium, ändert aber nichts an der langfristig geplanten Verkleinerung. Der Erfolg wird daher nicht nur an Umsatz und Marge, sondern auch an der Umsetzung des Personal- und Produktumbaus gemessen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Der Börsen-Tag Mittwoch, 7. Oktober 2026“ (07.10.2026)
Der Börsenbericht schreibe, Porsche wolle mit Einsparungen, Personalabbau und zusätzlichen Spitzenmodellen aus der Krise kommen. Er hebe neben dem Renditeziel von zehn bis 15 Prozent und dem Umsatzkorridor von 41 bis 45 Milliarden Euro besonders die erwartete Gewinnschwelle von weniger als 200.000 Fahrzeugen ab 2027 hervor; zudem bleibe das schwierige Umfeld aus China, Lieferkettenproblemen und US-Zöllen bestehen.
Damit bestätige der Bericht den Kern des vorgestellten Plans, setze seinen Schwerpunkt aber stärker auf die Kapitalmarkt- und Konjunkturperspektive. Offen bleibe auch dort, ob die Rückkehr zu zweistelligen Margen unter den genannten Belastungen gelingt.
Der Bericht fasse zusammen, Porsche setze auf weniger Volumen, höhere Preise und einen erheblichen Stellenabbau. Unterschiede bestünden vor allem in der Gewichtung: Während die Unternehmensstrategie Produkt- und Markenentwicklung betone, rücke der Börsenbericht die kurzfristige Profitabilität und die schwierigen Marktbedingungen in den Vordergrund.
