Porsche schließt drei Töchter: 500 Jobs vor dem Aus
09.05.2026 - 15:02:42 | boerse-global.deWährend Porsche gleich drei Tochterfirmen dichtmacht, plant Arbeitsministerin Bärbel Bas eine radikale Reform der Arbeitszeitregeln – und die Gewerkschaften rüsten zum Gegenangriff.
Porsche baut radikal um: Cellforce, Cetitec und eBike Performance betroffen
Der Sportwagenbauer gab am 8. Mai 2026 die Schließung von drei Geschäftsbereichen außerhalb der Kernproduktion bekannt. Über 500 Beschäftigte in Deutschland und Kroatien verlieren ihre Jobs. Der Vorstand um CEO Michael Leiters begründet den Schritt mit sinkenden China-Verkäufen und den immensen Kosten der Elektro-Strategie.
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Im Einzelnen betroffen:
- Cellforce (Batterie-Spezialist): Die Produktion war bereits 2025 eingestellt worden – gegen die Konkurrenz aus China hatte das Unternehmen keine Chance.
- Cetitec (Software): Die Standorte in Pforzheim und Kroatien werden aufgelöst, die Entwicklungsaufgaben verlagert.
- eBike Performance GmbH: Rund 350 Mitarbeiter in Ottobrunn und Zagreb verlieren ihre Arbeit. Der E-Bike-Markt schwächelt massiv.
Doch das ist erst der Anfang. Zusätzlich zu diesen 500 Stellenstreichungen baut Porsche bis 2029 weitere 1.900 Jobs in Stuttgart ab. Rund 2.000 befristete Verträge ließ der Konzern bereits auslaufen. Der Grund: ein desaströses Geschäftsjahr 2025. Die Gewinne brachen um 91 Prozent auf nur noch rund 310 Millionen Euro ein. Eine neue Konzernstrategie soll im Herbst 2026 vorgestellt werden.
Arbeitszeit-Reform: Das Ende des Acht-Stunden-Tages?
Während Unternehmen ihre Belegschaften verkleinern, plant die Bundesregierung eine revolution für die, die bleiben. Arbeitsministerin Bärbel Bas will im Juni 2026 einen Gesetzentwurf vorlegen, der die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine flexible Wochenarbeitszeit ersetzt.
Die Kernpunkte der Reform:
- Tägliche Schichten bis zu 13 Stunden möglich (inklusive 45 Minuten Pause)
- 11 Stunden Ruhezeit zwischen den Schichten müssen eingehalten werden
- Wöchentliches Maximum: 48 Stunden im Durchschnitt
- Experten des Hugo-Sinzheimer-Instituts errechneten: Unter bestimmten Bedingungen wären theoretisch 73,5 Stunden pro Sechs-Tage-Woche möglich
Fehlt ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung, könnten Arbeitgeber diese langen Schichten einseitig anordnen. Wer sich verweigert, dem drohen Abmahnung oder Kündigung. Die SPD hat als Schutzmechanismus die verpflichtende elektronische Zeiterfassung durchgesetzt. Das Bundesinstitut für Arbeitsschutz warnt jedoch: Schon ab 40 Wochenstunden steigen die Gesundheitsrisiken deutlich.
Betriebsräte unter Druck: BioNTech und die Krise der Mitbestimmung
Die Welle der Umstrukturierungen führt zu immer mehr Konflikten zwischen Management und Belegschaftsvertretern. Bei BioNTech eskalierte der Streit um vier Produktionsstandorte, die bis Ende 2027 geschlossen werden sollen. Betroffen sind Standorte in Marburg, Idar-Oberstein, Singapur sowie ehemalige Curevac-Anlagen – insgesamt bis zu 1.860 Stellen.
Die Betriebsräte werfen dem Unternehmen vor, die Suche nach Investoren zu blockieren. Ein spezialisiertes Beratungsunternehmen, das bei der Suche nach neuen Eigentümern helfen sollte, wurde angeblich abgewiesen.
Hinzu kommt eine wachsende Krise der betrieblichen Mitbestimmung. Ein aktueller Antrag der Linken zeigt: Nur noch sieben Prozent der berechtigten Unternehmen hatten 2024 einen aktiven Betriebsrat. Der Anteil der Beschäftigten mit Betriebsrat fiel von 49 Prozent (1996) auf aktuell 37 Prozent. Die Partei fordert mehr Schutz für Betriebsratsgründer und härtere Strafen für Arbeitgeber, die Mitbestimmung behindern.
Flexibilisierung oder sozialer Kahlschlag?
Sozialministerin Korinna Schumann will Teilzeitbeschäftigten bis 2028 ein gesetzliches Recht auf Aufstockung ihrer Stunden geben. Das beträfe rund 150.000 Teilzeitkräfte, die regelmäßig Überstunden leisten. Allein 2025 machten sie einen erheblichen Teil der 170 Millionen Überstunden aus.
Die Arbeitgeberverbände zeigen sich skeptisch – ohne massiven Ausbau der Kinderbetreuung sei das Vorhaben unrealistisch.
Die Stimmung in der Bevölkerung ist gereizt. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ergab: 81 Prozent der Deutschen halten die Vermögensverteilung für ungerecht. Drei Viertel lehnen Kürzungen bei Gesundheit, Pflege oder Rente ab. DGB-Chefin Yasmin Fahimi und Verdi-Chef Frank Werneke haben der Regierung bereits massiven Widerstand angekündigt, falls der Sozialstaat abgebaut werde.
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Ausblick: Heißer Sommer der Proteste
Der Juni 2026 wird zum Lackmustest: Die Vorstellung der Arbeitszeit-Reform dürfte die Koalition weiter unter Druck setzen. Die Gewerkschaften organisieren bereits Proteste – der DGB Baden-Württemberg plant ab dem 4. Juli 2026 eine Serie von Aktionen gegen Sozialkürzungen und Gesundheitsreformen.
Bei Porsche bleibt der Herbst 2026 entscheidend. CEO Leiters kündigte bereits „schmerzhafte Einschnitte“ an. Ob weitere Stellenstreichungen folgen, wird die neue Strategie zeigen. Für die Beschäftigten bei BioNTech läuft die Uhr bis Ende 2027 – Verhandlungen über Standortverkäufe und Investoreneinstiege laufen auf Hochtouren.
Die zentrale Frage für den Rest des Jahres 2026: Lässt sich der Umbau der Arbeitswelt ohne dauerhaften Schaden für die Soziale Partnerschaft bewerkstelligen? Oder steuert Deutschland auf einen heißen Arbeitskampf zu?
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