Porsche: Leiters plant Luxus-Offensive und Abbau von bis zu 30 Prozent der Stellen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 17:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPorsche-Chef Michael Leiters hat im Entwicklungszentrum Weissach die neue Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ vorgestellt, mit der der Sportwagenbauer wieder profitabler werden und unabhängiger von hohen Verkaufszahlen sein will.
Mit weniger Autos mehr verdienen
Die Gewinnschwelle soll künftig bei weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen liegen. Zuletzt war Porsche in vielen Bereichen noch auf eine Produktion von rund 350.000 Autos ausgelegt. Statt auf weiteres Mengenwachstum setzt Leiters daher auf höhere Preise, exklusivere Modelle und eine stärkere Individualisierung.
Der Umsatz des Sonderwunsch-Programms soll sich mittelfristig versechsfachen. Der Anteil besonders teurer Modelle soll bis 2030 von etwa einem Drittel auf fast die Hälfte steigen. Der Durchschnittspreis der teuersten 10.000 Fahrzeuge soll dadurch von 270.000 auf 330.000 Euro wachsen.
Neue Modelle für die Luxussegmente
Porsche prüft ein SUV oberhalb des Cayenne sowie einen zweisitzigen Supersportwagen über dem 911. Gleichzeitig soll die Zahl der Modellvarianten um rund 20 Prozent sinken. Die elektrische Version des 718, also von Boxster und Cayman, ist für 2027 angekündigt. 2028 soll ein neues SUV mit Verbrennungsmotor oder Plug-in-Hybrid neben dem elektrischen Macan folgen.
Beim 911 hat Leiters die Richtung festgelegt: „Der 911er wird niemals elektrisch sein.“
Milliardenproblem und harte Sparziele
Porsche will die Entwicklungskosten künftiger Modellreihen um bis zu 20 Prozent senken. In der Fertigung sollen die Personalkosten mittelfristig um bis zu 30 Prozent sinken, die Verkaufs- und Vertriebskosten um 20 Prozent. Bei neuen Fahrzeugprojekten sind zudem rund zehn Prozent niedrigere Materialeinzelkosten geplant.
Mehr Simulationen, weniger Komplexität und gemeinsame Bauteile im Volkswagen-Konzern sollen die Entwicklungszeit um bis zu 40 Prozent verkürzen. Porsche will sich zudem auf sein Kerngeschäft konzentrieren und Beteiligungen sowie mehrere Tochtergesellschaften abgeben oder schließen.
Bis zu 30 Prozent weniger Stellen
Die Belegschaft soll mittelfristig um 25 Prozent reduziert werden; als strategisches Ziel nannte Porsche 30 Prozent. Besonders Verwaltung und Entwicklung sind betroffen, dort sollen 40 Prozent der Managementstellen entfallen. Ende 2025 beschäftigte Porsche weltweit rund 41.800 Menschen.
Ein Zukunftspaket sieht den Abbau weiterer 5.000 Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 vor. In der Porsche-Heimat sollen insgesamt rund 9.000 Arbeitsplätze wegfallen, hinzu kommen Abbauprogramme im Leipziger Werk und bei Tochterunternehmen. Betriebsbedingte Kündigungen sind im Gegenzug ausgeschlossen.
China bleibt schwierig
Porsche kämpft mit sinkenden Absatzzahlen, einer schwächeren Nachfrage nach Elektroautos, US-Zöllen und hohen Kosten für das längere Festhalten am Verbrennungsmotor. 2025 brach das Ergebnis nach Steuern um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein; im ersten Halbjahr stabilisierte es sich.
In China, wo Porsche 2020 noch fast 35 Prozent seiner Fahrzeuge verkaufte, waren es 2025 knapp 15 Prozent. Leiters rechnet künftig höchstens noch mit einem Zehntel des Absatzes in der Volksrepublik, will den Markt aber nicht aufgeben.
Wende frühestens ab 2028
Mittelfristig strebt Porsche eine operative Marge von zehn bis 15 Prozent und einen Umsatz von 41 bis 45 Milliarden Euro an. 2025 erzielte das Unternehmen 36,3 Milliarden Euro Umsatz, im ersten Halbjahr lag die operative Marge bei 7,8 Prozent.
Finanzchef Jochen Breckner erwartet, dass 2027 nochmals schwieriger wird. Ab 2028 sollen die elektrischen 718-Modelle den Absatz stützen, ab 2029 soll das neue SUV spürbar zu Umsatz und Profitabilität beitragen. Die langfristige Zielrendite von 15 Prozent bleibt allerdings unter den Spitzenwerten früherer Jahre.
Luxusstrategie statt Mengenwachstum
Porsche reagiert mit der „Sportwagenschmiede ’35“ auf eine doppelte Belastung: Der Absatz ist insbesondere in China gesunken, während die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen hinter den Erwartungen zurückblieb. Zugleich drücken hohe Entwicklungs- und Umbaukosten sowie US-Zölle auf die Profitabilität. Der Einbruch des Ergebnisses nach Steuern im Jahr 2025 auf 310 Millionen Euro zeigt die Größenordnung des Problems.
Der Strategiewechsel folgt einem klaren Muster: Porsche will weniger von hohen Stückzahlen und stärker von hohen Preisen, exklusiven Varianten und individueller Ausstattung leben. Das kann die Abhängigkeit von schwachen Volumenmärkten verringern, erhöht aber den Druck, neue Luxusmodelle tatsächlich attraktiv genug zu positionieren. Ein größeres SUV und ein Supersportwagen oberhalb des 911 könnten zusätzliche Erlösquellen schaffen, zugleich aber Entwicklungsaufwand und interne Komplexität erhöhen.
Risiko für Beschäftigte und Konzernverbund
Für die Beschäftigten bedeutet die Neuausrichtung einen tiefen Einschnitt. Der geplante Abbau von bis zu 30 Prozent der Stellen, der Schwerpunkt auf Verwaltung und Entwicklung sowie die Kürzungen in der Fertigung sollen die Kostenbasis dauerhaft senken. Dass betriebsbedingte Kündigungen in der Region Stuttgart ausgeschlossen wurden, begrenzt die unmittelbare soziale Härte, ändert aber nichts an der langfristigen Schrumpfung.
Entscheidend wird der Produktzyklus
Die Strategie muss mehrere Jahre überbrücken, bevor neue Modelle ihre Wirkung entfalten. Die elektrischen 718-Modelle sollen ab 2028 den Absatz stützen, ein neues SUV ab 2029 Umsatz und Ergebnis verbessern. Bis dahin bleibt Porsche auf die Stabilisierung des bestehenden Geschäfts angewiesen. Für Kunden werden deshalb vor allem Modellverfügbarkeit, Preise, Service und die Frage relevant, wie stark gemeinsame Technik mit anderen Konzernmarken die Eigenständigkeit der Marke verändert.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Der Börsen-Tag Mittwoch, 7. Oktober 2026“ (07.10.2026)
Der Bericht ordne den Porsche-Plan als Kombination aus Einsparungen, Personalabbau und einer stärkeren Ausrichtung auf Spitzenmodelle ein. Er bestätige die Rendite- und Umsatzziele sowie das strategische Ziel, die Gewinnschwelle bereits bei weniger als 200.000 Verkäufen zu erreichen, und betone zusätzlich, dass Porsche kurzfristig nicht mit einer raschen Entspannung des schwierigen Umfelds rechne. Damit liege der Schwerpunkt stärker auf der Kapitalmarkt- und Konjunkturperspektive, während die dpa-Darstellung die geplanten Modelle und den organisatorischen Umbau ausführlicher auffächere.
Medienübergreifend werde damit die Rückkehr zu höherer Profitabilität als langfristiges Ziel bestätigt; offen bleibe, ob die Luxusstrategie die Absatzschwäche in China und die Belastungen durch den Modellwechsel schnell genug ausgleichen könne.
