Piraterie: ICC zählt nur 51 Angriffe in neun Monaten
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVier Schiffe mit Deutschland-Bezug betroffen
- Die ICC-Meldestelle registrierte in den ersten neun Monaten 51 Angriffe und versuchte Angriffe.
- Der Wert lag unter der Hälfte des Vorjahreszeitraums und war der niedrigste seit drei Jahrzehnten.
- Vier der betroffenen Schiffe hatten einen Bezug zu Deutschland, ihre Namen wurden nicht genannt.
ICC meldet niedrigsten Pirateriestand seit 30 Jahren
Die Internationale Handelskammer hat in den ersten neun Monaten des Jahres 51 Angriffe und versuchte Angriffe auf Schiffe registriert. Damit lag die Zahl unter der Hälfte des Vorjahreszeitraums und erreichte laut ICC den niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten.
Festnahmen in Indonesien zeigen Wirkung
Die zur ICC gehörende Meldestelle in London führt den Rückgang auf verstärkte Kontrollen und Ermittlungserfolge von Behörden zurück. Indonesische Behörden nahmen bereits im vergangenen Jahr zwei Gruppen fest, die für Überfälle in der Straße von Singapur verantwortlich gewesen seien; anschließend gingen die Vorfälle dort zurück.
Vier Schiffe mit Deutschland-Bezug
ICC-Deutschland-Generalsekretär Oliver Wieck bezeichnete die Entwicklung als positives Signal. Zugleich warnte er, Seeleute und Schiffe blieben weiterhin gefährdet.
Von den 51 angegriffenen Schiffen hatten vier einen Bezug zu Deutschland. Das kann bedeuten, dass sie deutschen Reedern gehören oder von einem deutschen Unternehmen verwaltet werden; die Namen der Schiffe nennt der Bericht nicht.
Deutsche Handelsflotte umfasst 1700 Schiffe
Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder umfasst die deutsche Handelsflotte ungefähr 1700 Schiffe und ist damit die siebtgrößte der Welt.
Weitere Gefahren für Handelsschiffe
Neben der klassischen Piraterie nehmen militärische Gefahren für Handelsschiffe zu. Im Golf und im Roten Meer werden Schiffe bedroht; auch im Schwarzen Meer häuften sich zuletzt Angriffe, bei denen Drohnen eingesetzt wurden.
Außenminister Johann Wadephul warnte, das Schwarze Meer werde zunehmend zum Kriegsschauplatz, und sprach von einer Aggression Russlands.
Die ICC-Zahl beschreibt einen langfristigen Rückgang klassischer Piraterie, nicht das Ende der Gefahren für die Handelsschifffahrt. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Piraterie und politisch oder militärisch motivierten Angriffen auf See. Während Piraten meist aus finanziellen Motiven Schiffe entern oder Besatzungen entführen, können Staaten oder bewaffnete Milizen Handelsschiffe als Teil eines Konflikts angreifen.
Risiken verlagern sich
Für Reedereien bedeutet die Entwicklung deshalb keine vollständige Entwarnung. Maßnahmen wie Patrouillen, bessere Überwachung, Ermittlungen und Festnahmen können regionale Piraterie-Netzwerke zurückdrängen. Gleichzeitig bleiben strategische Engpässe wie die Straße von Hormus und das Rote Meer besonders sensibel, weil Störungen dort unmittelbar Transportwege, Versicherungsprämien, Lieferzeiten und Energiepreise beeinflussen können.
Auch die Lage im Schwarzen Meer zeigt, dass die maritime Sicherheitsdebatte über klassische Piraterie hinausgeht. Drohnen- und Militärangriffe stellen andere Anforderungen an Reeder und Besatzungen als Überfälle durch kriminelle Gruppen. Routenplanung, Risikoanalysen und der Schutz der Crew gewinnen damit ebenso an Bedeutung wie die internationale Strafverfolgung.
Bedeutung für Deutschland
Der deutsche Bezug zu vier betroffenen Schiffen unterstreicht die internationale Verflechtung der deutschen Handelsflotte. Selbst wenn ein Schiff nicht unter deutscher Flagge fährt, können deutsche Eigentümer, Verwalter, Charterer und Lieferketten betroffen sein. Der ICC-Bericht ist daher ein positives Signal für die Bekämpfung organisierter Piraterie, zugleich aber nur ein Teilbild der gesamten maritimen Sicherheitslage.
