Pharmakonzerne stoppen Milliardeninvestitionen: 1.900 Jobs bei Biontech weg
12.06.2026 - 06:02:19 | boerse-global.de
In mehreren Branchen der deutschen und österreichischen Wirtschaft wächst der Widerstand gegen geplante Standortschließungen und Investitionskürzungen. Besonders die Pharma- und Automobilindustrie stehen im Fokus.
Pharmasektor: Proteste vor Biontech-Werk in Marburg
Der DGB Mittelhessen demonstrierte gestern vor dem Biontech-Werk in Marburg. Grund: Das Unternehmen will den Standort bis Ende 2027 schließen. Rund 540 Arbeitsplätze sind betroffen. Insgesamt plant Biontech, Werke in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen aufzugeben – fast 1.900 Stellen fallen weg.
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Zusätzliche Spannungen bringt das geplante Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG). Pharma-Riesen wie Pfizer, Eli Lilly und Boehringer Ingelheim reagieren verärgert auf höhere Herstellerrabatte. Pfizer-CEO sagte ein Treffen mit Kanzler Friedrich Merz ab und prüft Investitionen in Freiburg mit over 2.000 Beschäftigten. Eli Lilly halbierte eine geplante Investition in Alzey, Boehringer Ingelheim stoppte Vorhaben im Wert von 900 Millionen Euro.
Mehr als 8.000 Menschen protestierten am Dienstag gegen Kürzungen im Gesundheits- und Pflegebereich. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und Verdi warnen vor massiven Defiziten bei Kliniken.
Volkswagen: 28.000 Stellen weg – Unsicherheit in Osnabrück
Volkswagen hat den Abbau von 28.000 Stellen bis 2030 vertraglich fixiert. Besonders brisant: Der Standort Osnabrück mit 2.300 Mitarbeitern. Die Produktion des T-Roc Cabrio läuft 2027 aus. Der Betriebsrat fordert eine schnelle Entscheidung. Der Konzern prüft unter anderem Kooperationen mit der Rüstungsindustrie.
Beim Zulieferer Mahle in Neustadt an der Donau ist die Schließung bereits beschlossen. 400 Jobs fallen weg, die Produktion wandert in die Slowakei. Die Belegschaft stimmte nach hoher Streikbereitschaft einem Abfindungsangebot zu – ein erheblicher Teil der Gewerkschaftsmitglieder lehnte das Ergebnis ab.
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Hamburger Hafen: Machtkampf bei der HHLA
Auf der Hauptversammlung der HHLA AG gestern kritisierten Aktionärsvertreter den geplanten Squeeze-out von Minderheitsaktionären und den Einstieg der Reederei MSC. Sorgen gibt es um die künftige Mitbestimmung und die ökologische Ausrichtung des Konzerns.
Handel und Mittelstand: Sozialpläne und Verlagerungen
In Österreich einigten sich Gewerkschaft GPA und Betriebsrat von Hervis auf einen Sozialplan und Härtefonds. Der Sportartikelhändler schließt 17 von 93 Filialen, über 100 Beschäftigte sind betroffen. Das Einrichtungshaus JYSK verlagert rund 50 Stellen in der Buchhaltung von Handewitt nach Polen, der regionale Hauptsitz bleibt.
In Nagold protestierten Mitarbeiter des Medizintechnik-Unternehmens Nicolay gegen das Vorgehen von Finanzinvestoren. Trotz voller Auftragsbücher befürchtet die Belegschaft ein Sanierungsverfahren nach dem StaRUG-Gesetz.
Kanzleramt: Koalition ringt um Reformpaket
Die Spitzen der Koalition trafen sich am Dienstag zu einem dreieinhalbstündigen Gespräch mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. Themen: Arbeitsmarkt, Bürokratieabbau und Reformen der Sozialsysteme. Der Mittelstand drängt auf ein schnelles Reformpaket innerhalb von zwei Wochen. Gewerkschaftsvertreter warnen vor Kürzungen im Sozialstaat. Konkrete Entscheidungen des Koalitionsausschusses werden für den 1. Juli erwartet.
