Pflegeversicherung: 100.000-Euro-Grenze fällt – Angehörige zahlen mehr
17.06.2026 - 20:23:05 | boerse-global.de
Doch ihr Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sorgt für massiven Widerstand. Sozialverbände, Gewerkschaften und selbst Teile der Regierungskoalition laufen Sturm gegen die geplanten Einschnitte.
Angehörige sollen tiefer in die Tasche greifen
Besonders umstritten: die Streichung der Einkommensgrenze für Kinder pflegebedürftiger Eltern. Bisher waren rund 90 Prozent von ihnen geschützt – die Grenze lag bei 100.000 Euro Jahreseinkommen. Künftig müssten Angehörige stärker für die Pflegekosten aufkommen, die im Schnitt bei 3.245 Euro pro Monat liegen.
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Hinzu kommt eine Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige auf 70 Prozent. Die Caritas und CSU-Politiker warnen vor drohender Altersarmut, besonders für pflegende Mütter.
Auch die geplante Aussetzung der Tariftreuepflicht für Pflegebetriebe sorgt für Unmut. Organisationen wie die Diakonie Württemberg und die AWO Bremen befürchten sinkende Löhne und schlechtere Versorgung. Für den 18. Juni ist in Stuttgart ein Protest mit rund 180 Fahrzeugen angekündigt.
Politischer Gegenwind aus allen Richtungen
Die CSU-Gesundheitsexpertin Emmi Zeulner lehnt sowohl die Senkung der Einkommensgrenze als auch die Rentenkürzungen ab. Ihr Vorschlag: ein Risikoausgleich, der auch Beamte und Privatversicherte einbezieht. Unterstützung kommt von Pflegebeauftragter Katrin Staffler (CSU), die eine fairere Lastenverteilung fordert.
Auch die SPD geht auf Distanz. Gesundheitspolitiker Christos Pantazis bezeichnet die 100.000-Euro-Grenze als wichtige sozialpolitische Errungenschaft. DGB-Chefin Yasmin Fahimi kritisiert die Reformpläne als unkoordiniert. Der Fokus liege zu stark auf Haushaltskonsolidierung statt auf Verbesserungen.
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Die Krise der Pflegeversicherung
Warum der harte Sparkurs? Die Finanzlage ist prekär. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete die Pflegeversicherung ein Defizit von rund 667 Millionen Euro – und das trotz eines Bundesdarlehens von 800 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr liegen die Prognosen bei 4,2 Milliarden Euro, Unions-Fraktionsgeschäftsführer Steffen Bilger spricht sogar von 7 Milliarden.
2027 droht ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 10 Milliarden Euro. Gesundheitsökonom David Matusiewicz schlägt stattdessen vor, auf Entbürokratisierung, Digitalisierung und Prävention zu setzen. Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung liegt 2026 bei 3,6 Prozent (für Kinderlose 4,2 Prozent) – und soll stabil bleiben. Der Entwurf sieht dafür aber weitere Belastungen vor: höhere Beiträge für Kinderlose und den Wegfall der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner.
