Pflegenotstand, Sachsen

Pflegenotstand in Sachsen: Bis 2040 werden 21.000 zusätzliche Kräfte gebraucht

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Krankenhausgesellschaft verlangt einheitliche Verfahren, während regionale Daten den wachsenden Personalbedarf in der Pflege verdeutlichen.

DKG fordert schnellere Anerkennung ausländischer Gesundheitsberufe
Ein leerer, sonnendurchfluteter Krankenhausflur mit moderner Architektur und klaren Linien. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts des verschärften Fachkräftemangels im Gesundheitswesen drängt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf eine grundlegende Reform der Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse.

Wie aus einem Bericht vom 26. September 2026 hervorgeht, fordert der Verband deutlich schnellere Prozesse sowie bundesweit einheitliche Zuständigkeiten. Ohne die verstärkte Integration internationaler Fachkräfte sei die medizinische Versorgung in Deutschland spürbar gefährdet.

Bürokratische Hürden und langwierige Visa-Prozesse

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Henriette Neumeyer, kritisierte die aktuellen Abläufe als zu kompliziert und langwierig. In einer Stellungnahme wies sie darauf hin, dass die Verfahren je nach Bundesland stark variieren, was die Zuwanderung qualifizierter Kräfte erschwere.

Ein wesentlicher Kritikpunkt sind zudem die Wartezeiten bei der Visumvergabe: Fachkräfte müssten teilweise Monate oder sogar Jahre auf Termine in den deutschen Botschaften warten.

Die DKG warnt davor, dass ohne diese Fachkräfte die Gesundheitsversorgung bereits in naher Zukunft deutlich eingeschränkt werden könnte. Die personelle Situation in den Kliniken bleibe angespannt, während der Bedarf an qualifiziertem Personal kontinuierlich steige.

Regionale Engpässe und statistische Herausforderungen

Die Dringlichkeit der Forderungen wird durch aktuelle Daten vom September 2026 unterstrichen. In Sachsen etwa entfällt nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit auf zwei freie Pflegestellen lediglich eine arbeitslose ausgebildete Pflegekraft.

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Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert, dass im Freistaat bis zum Jahr 2040 bis zu 21.000 zusätzliche Vollzeitkräfte benötigt werden. In diesem Zeitraum müsse voraussichtlich jede zweite Stelle aufgrund von Renteneintritten neu besetzt werden.

Trotz dieser Herausforderungen zeigen Statistiken eine langfristige Steigerung der Beschäftigungszahlen. Im Februar 2026 waren in Sachsen 113.240 Pflegekräfte angestellt, was einem Zuwachs von rund 23.000 Personen gegenüber 2016 entspricht. Auch die Zahl der Auszubildenden in Gesundheitsberufen stieg im Zehnjahresvergleich um fast 80 Prozent auf 11.320 Personen im Februar 2026 an.

Umbrüche in der medizinischen Ausbildung

Die Ausbildungslandschaft befindet sich derzeit in einem strukturellen Wandel. An der Medizinischen Schule Uckermark (MSU) in Prenzlau beginnen zum Ausbildungsstart am 1. Oktober 2026 insgesamt 100 angehende Pflegefachkräfte und sieben Quereinsteiger ihren Dienst. Gleichzeitig steht dort ein Systemwechsel bevor: Die Ausbildung in der Altenpflegehilfe wird im Oktober 2026 letztmalig angeboten und ab 2027 durch die neue Pflegefachassistenz ersetzt.

Andernorts führt der Fachkräftemangel jedoch zu Einschränkungen des Lehrangebots. Der Kreistag Oberspreewald-Lausitz stimmte Ende September 2026 der Einstellung der Ausbildungen zur Anästhesietechnischen und Operationstechnischen Assistenz an der Sana Campusschule Klettwitz zu.

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Als Gründe wurden neben dem Verlust von Kooperationspartnern vor allem der Mangel an qualifizierten Lehrkräften sowie die Kündigung der Schulleitung zum 30. September 2026 genannt. Die reguläre Pflegeausbildung soll dort jedoch fortgeführt und ab 2028 um die Pflegefachassistenz ergänzt werden.

Kontinuierliche Weiterbildung und Spezialisierung

Parallel zur Grundausbildung bleibt die fachliche Spezialisierung ein zentraler Pfeiler der Branche. Im Elisabeth-Krankenhaus Essen informierten sich jüngst mehr als 20 Mediziner bei einem urogynäkologischen Workshop über moderne Operationsverfahren bei Inkontinenz und Beckenbodenrekonstruktionen.

Fachvorträge wurden unter anderem von Dr. Norbert Nosal, Dr. Christian Fünfgeld und Prof. Dr. Markus Hübner gehalten. Eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe wurde für 2027 angekündigt.

Zudem setzen Kliniken und Netzwerke auf gezielte Informationsangebote. Das Universitätsklinikum Würzburg plant für den 10. Oktober 2026 ein Kolloquium zu Themen der Infektiologie und Tropenmedizin, während das Klinikum Lippe am 1. Oktober 2026 über moderne Gelenkersatz-Operationen informiert.

Solche Angebote dienen nicht nur der medizinischen Fortbildung, sondern auch der Aufklärung von Patienten und Angehörigen in einem zunehmend komplexen Gesundheitswesen.

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