Pflegeausbildung, Medtoo-Studie

Pflegeausbildung: 42% erleben sexuelle Übergriffe – #Medtoo-Studie

27.05.2026 - 06:20:09 | boerse-global.de

Hohe Abbruchquoten in der Pflege und sexuelle Übergriffe belasten die Ausbildung. Gleichzeitig zeigen Azubis ihren Ausbildern bei KI die Grenzen auf.

Pflegeausbildung: 42% erleben sexuelle Übergriffe – #Medtoo-Studie - Foto: über boerse-global.de
Pflegeausbildung: 42% erleben sexuelle Übergriffe – #Medtoo-Studie - Foto: über boerse-global.de

Aktuelle Erhebungen zeichnen ein komplexes Bild der Ausbildungsrealität: Während KI von Nachwuchskräften mit hoher Erwartungshaltung aufgenommen wird, belasten strukturelle Defizite und Sicherheitsmängel den Alltag vieler Auszubildender massiv.

Pflegeausbildung in der Krise

Ein besonders kritisches Feld bleibt der Pflegebereich. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes beendet bundesweit etwa jeder dritte Auszubildende sein Arbeitsverhältnis vorzeitig. In Brandenburg liegt die Quote noch höher: Hier brechen zwei von fünf Nachwuchskräften ihre Ausbildung ab.

Als primäre Ursachen identifizieren Experten massive psychische Überforderung, falsche Erwartungen ans Berufsbild und sprachliche Barrieren. Pflegeschulen verstärken deshalb ihre sozialpädagogischen Unterstützungsangebote, um die Jugendlichen besser zu begleiten.

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Alarmierende Zahlen zu sexuellen Übergriffen

Die sogenannte #Medtoo-Studie der Universitäten Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm zeigt alarmierende Zustände. 42 Prozent der befragten Pflegekräfte in Ausbildung gaben an, selbst Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein. Fast die Hälfte hat solche Vorfälle im Umfeld beobachtet.

Das Problem ist kein rein deutsches. Eine Untersuchung des Universitätsspitals Lausanne wies nach, dass knapp ein Drittel der Schweizer Ärzteschaft bereits Belästigungen erlebt hat. Die Dunkelziffer bleibt hoch – viele Betroffene fürchten berufliche Nachteile.

KI: Azubis sind ihren Ausbildern weit voraus

Parallel zu den gesundheitlichen Herausforderungen verändert die Digitalisierung die Lernkultur. Eine Studie von u-form Testsysteme zeigt: 53 Prozent der Azubis glauben, dass KI komplexe Themen verständlicher erklären kann als menschliche Ausbilder. Bei Berufsschullehrern sehen 74 Prozent der Befragten die KI im Vorteil.

85 Prozent der Auszubildenden halten sich selbst für fit im Umgang mit KI-Anwendungen. Die betriebliche Realität hinkt hinterher. Fast die Hälfte der Unternehmen bietet keine spezifischen KI-Weiterbildungen an. Nur 29 Prozent der Azubis haben Zugang zu zwei oder mehr entsprechenden Angeboten – der niedrigste Wert seit 2014.

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Berlin schafft bezahlbaren Wohnraum für Azubis

In Berlin startete am 26. Mai die Bewerbungsphase für ein Pilotprojekt zum „Azubiwohnen". Im Stadtteil Lichtenberg entstanden 154 bezahlbare Plätze in möblierten WGs. Bei einer Warmmiete von 340 Euro soll der Wohnraum vor allem denen helfen, die auf dem freien Markt keine Chance haben.

70 Prozent der Plätze werden per Losverfahren vergeben, 30 Prozent sind für soziale Härtefälle reserviert. Bewerbungen sind bis zum 26. Juni möglich.

Parallel plant der Berliner Senat eine Ausbildungsplatzumlage. Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern sollen künftig zahlen, wenn ihre Ausbildungsquote unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent liegt. Das Geld fließt in einen Fonds für Betriebe, die zusätzliche Plätze schaffen. Vorbild ist das Bremer Modell. Die ersten Zahlungen werden für 2028 erwartet.

Schweizer setzen auf Kinderyoga

In der Schweiz setzt man auf Prävention bereits im Kindergarten. Kinderyoga ist mittlerweile im Lehrplan 21 verankert. Ziel: Körperwahrnehmung und Emotionsregulation fördern, um Kinder langfristig auf die Berufswelt vorzubereiten. Studien belegen positive Effekte auf die Konzentrationsfähigkeit.

Bootsbauer wandern in andere Branchen ab

Regionen zeigen die hohe Mobilität technischer Berufe. In Schleswig-Holstein haben Bootswerften zunehmend Probleme, ihre Fachkräfte zu halten. Von 180 Auszubildenden im Bootsbau wandern viele nach dem Abschluss in die Luftfahrt, den Schiffbau oder die Windenergie ab. Die vielseitige Ausbildung macht die Gesellen für andere Sektoren hochattraktiv. In der Kernbranche bleiben rund 40 Stellen unbesetzt.

Ausbildung braucht ganzheitlichen Schutz

Die Daten zeigen: Eine sichere und gesunde Lehrzeit geht weit über klassischen Arbeitsschutz hinaus. Es geht um physische Sicherheit, psychische Stabilität, finanzielle Absicherung und technologische Relevanz.

Die hohen Abbruchquoten in der Pflege und die #Medtoo-Befunde weisen auf systemische Defizite hin. Wenn fast die Hälfte der Azubis Zeuge oder Opfer von Übergriffen wird, ist nicht nur die Gesundheit Einzelner gefährdet, sondern die Funktionsfähigkeit des gesamten Sektors.

Auf der anderen Seite droht digitale Entfremdung. Wenn Azubis ihre Werkzeuge besser beherrschen als ihre Ausbilder und Betriebe keine Brücken in die technologische Zukunft bauen, droht Motivationsverlust.

Ausblick: Veranstaltungen zur Berufsorientierung

In den kommenden Wochen sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Am 3. Juni findet in Winterthur das Forum „open SCHU::COM" statt, das Lehrpersonen beim Einsatz digitaler Medien unterstützt. Am selben Tag bietet das BIZ St. Gallen einen Familien-Parcours zur spielerischen Berufsorientierung.

In Zug liegt der Fokus am 2. Juni auf Cybersicherheit für kleine und mittlere Unternehmen – ein Thema, das auch für Azubis in kaufmännischen und technischen Berufen an Relevanz gewinnt.

Das Lehrstellenforum in Wil am 20. Juni bietet eine Plattform für die Weichenstellung des kommenden Ausbildungsjahres. Die Diskussionen der letzten Tage haben gezeigt: Ausbildung im Jahr 2026 ist mehr als Wissensvermittlung. Es geht um die Gestaltung eines sicheren Raums, in dem junge Menschen wachsen können – ohne durch strukturelle Mängel oder veraltete Hierarchien überfordert zu werden.

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