Pflege, Eigenanteil

Pflege wird teurer: Eigenanteil steigt auf 3.364 Euro monatlich

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 13:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Pflegekräfte verdienen besser, doch das Pflegeneuordnungsgesetz sorgt für Konflikte. Eigenanteile steigen weiter.

Pflegevergütung: Annäherung an Klinikniveau, aber Streit um Reform
Eine Pflegefachkraft bei der Betreuung eines Patienten in einer modernen und hellen Pflegeeinrichtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bezahlung in der deutschen Langzeitpflege nähert sich langsam dem Niveau der Krankenhauspflege an. Ein am 23. Juli veröffentlichter Evaluationsbericht bestätigt: Verbindliche Regeln zur tarifgerechten Entlohnung zeigen Wirkung. Eine vollständige Angleichung ist aber noch nicht erreicht.

Die Entwicklung findet in einem Umfeld allgemein steigender Löhne statt. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Reallöhne im ersten Quartal 2026 um 1,8 Prozent. Während Bergbau und Finanzwirtschaft Zuwächse von über sechs Prozent verzeichneten, fiel das Plus in der öffentlichen Verwaltung mit 0,1 Prozent deutlich geringer aus.

Kritik am Pflegeneuordnungsgesetz

Trotz der Lohnsteigerungen sorgt der Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) für erhebliche Unruhe. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) kritisierte zentrale Punkte des Entwurfs scharf. Besonders die befürchtete Ungleichbehandlung bei der Refinanzierung von Gehältern sorgt für Ärger.

Der Verband warnt zudem vor einer Zerschlagung etablierter Beratungsstrukturen und Einschränkungen bei ambulanten Leistungen. Bis zu 16.000 Pflegedienste könnten betroffen sein. Die Folge: Bis zu 20.000 Pflegefachkräfte könnten der direkten Versorgung entzogen werden. Der bestehende Personalmangel werde im Entwurf nicht ausreichend berücksichtigt, so der bpa.

Neues Entlastungsbudget statt Pflegegeld

Ab 2027 sieht das PNOG strukturelle Änderungen beim Pflegegeld vor. Ein sogenanntes Entlastungsbudget soll an seine Stelle treten. Die geplanten Erhöhungen der Monatsbeträge – etwa 39 Euro mehr in den Pflegegraden 2 und 3 – könnten jedoch faktisch geschmälert werden.

Der Grund: Künftig müssen auch Verbrauchspflegehilfsmittel und private Ersatzpflege aus diesem Budget finanziert werden. Experten rechnen damit, dass die Steigerungen in den unteren Pflegegraden nicht ausreichen, um die Kosten für Hilfsmittel vollständig zu decken.

Debatte um Arbeitszeiten eskaliert

Parallel zur Vergütungsdiskussion hat sich ein heftiger Streit über die Arbeitszeitgestaltung entwickelt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte vor Plänen zur Lockerung des Arbeitszeitgesetzes. Eine Abkehr vom Achtstundentag könne zu Arbeitstagen von bis zu zwölf Stunden führen.

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Besonders für Pflegende und Beschäftigte mit Familienpflichten wäre das eine massive Belastung. Die Gewerkschaft verwies zudem auf statistische Daten: Das Unfallrisiko ist nach zwölf Arbeitsstunden doppelt so hoch.

Daten der Arbeitnehmerkammer Bremen unterstreichen die angespannte Lage. Mehr als jeder dritte Arbeitnehmer gab an, die Arbeitszeit verkürzen zu wollen. Über 50 Prozent leisten regelmäßig Überstunden. Fast jeder dritte Befragte zweifelt daran, die aktuelle Belastung bis zum Renteneintritt durchhalten zu können.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag zuletzt bei 38,4 Stunden. Rund sieben Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche.

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Pflege wird für Betroffene immer teurer

Die steigenden Kosten belasten zunehmend die Pflegebedürftigen selbst. Im Juli 2026 lag der durchschnittliche Eigenanteil für einen Heimplatz bei 3.364 Euro pro Monat – 256 Euro mehr als im Vorjahr. In Baden-Württemberg liegt der Betrag mit 3.532 Euro noch höher, da dort Investitionskosten seit Jahren nicht vom Land übernommen werden.

Die Folge: Bereits mehr als ein Drittel der stationär Pflegebedürftigen ist auf Sozialhilfe angewiesen. Der trend ist steigend.

Pflegende Angehörige zahlen doppelt

Auch für pflegende Angehörige ergeben sich finanzielle Nachteile bei der Altersvorsorge. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) zeigt: Vollzeitbeschäftigte, die zusätzlich Pflegeverantwortung übernehmen, erwerben im Schnitt 1,3 Rentenpunkte weniger.

Das Problem: Rentenpunkte für Pflegeleistungen gibt es nur, wenn die Erwerbsarbeit 30 Wochenstunden nicht überschreitet. Viele pflegende Erwerbstätige fallen durch dieses Raster. Das geplante PNOG sieht zudem vor, die Beiträge zur Rentenversicherung pflegender Angehöriger auf 70 Prozent zu kürzen.

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